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Niedersachsen TUI sieht sich fast am Ziel
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen TUI sieht sich fast am Ziel
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14:27 15.02.2012
TUI hat große Zukunftspläne. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Die Tui-Führung sieht sich nach dem erneuten Teilverkauf von Hapag-Lloyd-Anteilen auf dem Weg zum reinen Tourismuskonzern kurz vor dem Ziel. „Wir sind beinahe am Ende eines langen Weges“, sagte Konzernchef Michael Frenzel auf der Hauptversammlung des Konzern am Mittwoch in Hannover. Der Tui-Konzern solle noch bis Jahresende schuldenfrei werden, zugleich würden neue Spielräume für eine Expansion im Reisegeschäft ausgelotet.

Dabei will sich die Tui stärker auf die aufstrebenden Schwellenländer fokussieren. In Ländern wie China, Indien und Brasilien gebe es noch Millionen potenzieller Kunden, sagte Frenzel. Neben der Modernisierung des Pauschalreisegeschäfts und der Stärkung der Online-Aktivitäten gehöre die Erschließung dieser Märkte deshalb zu den wichtigen strategischen Zielen. „Wir werden neue Wachstumsfelder erschließen“, sagte Frenzel.

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Der Tui-Chef betonte, es bleibe bei dem Vorhaben, möglichst bald komplett aus der Containerschifffahrt auszusteigen. „Der finale Ausstieg wird uns gelingen, sobald das Marktumfeld sich auftut“, sagte Frenzel. Wie am Dienstag bekanntgeworden war, reduziert der Reisekonzern seine Beteiligung an Hapag-Lloyd bis Mitte des Jahres auf rund 22 Prozent. Das Hamburger Eigentümerkonsortium, das bisher knapp 62 Prozent der Anteile an der Containerreederei besitzt, wird von Tui 17,4 Prozent erwerben - zu einem Kaufpreis von 475 Millionen Euro. Auch die Hilfsdarlehen für Hapag-Lloyd aus der Wirtschaftskrise 2009 sollen dann Geschichte sein. Insgesamt erwartet Tui 700 Millionen Euro Mittelzufluss.

Für die verbliebenen Hapag-Lloyd-Aktien darf sich der Reisekonzern anschließend selbst einen Käufer suchen - oder die Anteile an die Börse bringen. Die Containerreederei, die früher zu 100 Prozent der Tui gehört hatte, sollte schon wiederholt an die Börse gebracht werden. Zuletzt war der Gang aufs Parkett im vergangenen Jahr an der unsicheren Entwicklung auf dem Kapitalmarkt nach der Katastrophe in Japan gescheitert. Auch Gespräche mit Investoren blieben erfolglos.

Hapag-Lloyd galt jahrelang als Ertragsperle. In den vergangenen Jahren geriet die größte deutsche und weltweit fünftgrößte Reederei aber zunehmend unter Druck einer extrem schwierigen Entwicklung in der Branche, die geprägt ist von einem scharfen Wettbewerb sowie starken Schwankungen bei den Frachtpreisen und -mengen. 2011 verzeichnete Hapag-Lloyd wegen des Preisverfalls einen deutlichen Ergebnisrückgang. Das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) betrug nach vorläufigen Zahlen rund 101 Millionen Euro, nach 550 Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatz ging um rund zwei Prozent auf 6,1 Milliarden Euro zurück.

Der harte Wettbewerb im Frachtgeschäft hat neben der Nordafrika-Krise auch dazu beigetragen, dass Europas größter Reisekonzern zu Beginn der Wintersaison tiefer in die roten Zahlen geriet. Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Dezember stieg der Verlust des Tui-Konzerns unter dem Strich um 89 Prozent auf fast 88 Millionen Euro, wie das Unternehmen vor der Hauptversammlung mitteilte. Abgefedert wurden die Belastungen aber unter anderem vom verstärkten Absatz teurerer Urlaubsangebote.

Die Unruhen in Nordafrika haben den Konzern nach Worten von Frenzel im vergangenen Geschäftsjahr 83 Millionen Euro gekostet. Einschränkungen im Sektor Kreuzfahrten nach dem jüngsten Unglück der Costa Concordia erwartet Frenzel nicht. Es sei zwar noch zu früh, die Auswirkungen für die Branche genau vorauszusagen. Bisher gebe es aber keine Anhaltspunkte für Auswirkungen auf die Buchungseingänge. Hapag- Lloyd-Kreuzfahrten habe bereits 63 Prozent der Reisen in diesem Jahr verkauft, bei Tui Cruises seien es sogar 80 Prozent. „Wir glauben an das nachhaltige Potenzial im deutsch-sprachigen Kreuzfahrtmarkt“, sagte Frenzel.

dpa

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