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Niedersachsen TUI streitet über Reisebüros
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen TUI streitet über Reisebüros
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00:15 15.02.2013
Von Jens Heitmann
Eiszeit bei TUI? Der Konzern kritisiert Ideen des neuen Chefs und verteidigt das Reisegeschäft. Quelle: dpa
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Hannover

„Die Reisebüros sind und bleiben der wichtigste TUI-Vertriebsweg“, heißt es in einem Schreiben von TUI-Deutschland-Chef Christian Clemens an die etwa 600 Franchise-Nehmer der eigenen Sparte TUI Leisure Travel, das dem Branchenmagazin fvw vorliegt. „Wir sägen natürlich nicht an dem Ast, auf dem wir sitzen.“ Beim Mutterkonzern hieß es dazu gestern, es bestehe bereits die Vereinbarung mit der TUI Travel, die Exklusivität bei Produkten und Vertrieb zu steigern, um die schwachen Margen der Deutschlandtochter anzuheben.

Mit seiner Linie geht Clemens als Chef der wichtigsten Landesorganisation in der „World of TUI“ auf Distanz zum neuen Vorstandschef des Mutterkonzerns. Joussen war zuvor mehr als 20 Jahre beim Mobilfunkanbieter Vodafone – und hat dort mit dafür gesorgt, dass aus den Gemischtwarenläden der Karten- und Handy-Verkäufer nach und nach exklusive Markenshops geworden sind. Diese Vertriebsmethode kann sich der neue TUI-Chef auch für die Reisebranche vorstellen. Nur so lasse sich der Markt über Innovation und Differenzierung mit den erforderlichen Margen aktiv gestalten, hatte er kürzlich in der HAZ erklärt. Zumindest in Ballungsräumen mit hoher Nachfrage werde sich so ein Konzept durchsetzen: „Sonst räumt am Ende das Internet alles ab.“

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Für die Reisebüros stellt sich die Lage noch anders dar. „So eine Idee kann allenfalls in Großstädten aufgehen“, sagte Ralf Hieke, Vorstandsmitglied beim Deutschen Reiseverband (DRV) und Inhaber von zwei Reisebüros im westfälischen Ibbenbüren. In der 50.000-Einwohnerstadt gibt es sieben solche Büros – und keines könne sich leisten, nur eine Marke zu vertreiben: „Dann würde man zwei Drittel seines Geschäftes verlieren“, sagte Hieke.

Anders als die Veranstalter sind die Reisebüros an einem breiten Angebot interessiert, um möglichst viele Bedürfnisse und Wünsche ihrer Kunden abdecken zu können. „Unser Geschäft ist mit dem Verkauf von Mobiltelefonen nicht zu vergleichen“, sagte DRV-Vorstandsmitglied Angelika Hummel. „Zu Stoßzeiten wie etwa in den Ferien werden die Angebote schon einmal knapp – wenn ich da von einem Veranstalter abhängig wäre, müsste ich vielleicht meine Kunden enttäuschen.“ Für ein unabhängiges Reisebüro könnte sich die Umstellung auf einen Markenshop nur rechnen, wenn der dann exklusive Veranstalter-Partner die Provisionen anheben oder einen Mindestumsatz garantieren würde. Von solchen Bestrebungen ist man bei der TUI nach eigenen Angaben aber weit entfernt. Bisher verfügt der Veranstalter nur über einen „Flagshipstore“ in Berlin, in dem eine Kaffeelounge und Videos Lust aufs Reisen machen sollen.

Tui rutscht tiefer in die roten Zahlen

Europas größter Reisekonzern Tui ist trotz eines gut laufenden Reisegeschäfts mit einem höheren Verlust in sein neues Geschäftsjahr gestartet. Wegen weggefallener Zinseinnahmen aus der Rettung der Container-Reederei Hapag-Lloyd und eines positiven Steuereffekts ein Jahr zuvor stieg das Minus unter dem Strich im ersten Geschäftsquartal 2012/13 nach Abzug von Minderheitsanteilen um 56 Prozent auf 137 Millionen Euro, wie das im MDax notierte Unternehmen am Mittwoch vor der Hauptversammlung in Hannover mitteilte. Außerdem drückte eine veränderte Bilanzierung von Leerflügen bei der Veranstaltertochter Tui Travel aufs Ergebnis. Der Konzernumsatz wuchs um 1,4 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.