Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen TUI will Hapag-Lloyd aushelfen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen TUI will Hapag-Lloyd aushelfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:08 10.07.2009
Von Jens Heitmann
Anzeige

In welcher Form das Kapital der Containerlinie zugänglich gemacht werde, sei aber noch nicht entschieden, berichteten Teilnehmer nach der Sitzung in Hannover. Die TUI mache ihre Hilfe davon abhängig, dass auch die übrigen Anteilseigner von Hapag-Lloyd ihren Obolus zum geplanten Rettungspaket von insgesamt 750 Millionen Euro beitrügen, hieß es.

Die im Konsortium „Albert Ballin“ zusammengeschlossenen Miteigentümer müssten demzufolge 425 Millionen Euro aufbringen. Nach einem Teilverkauf hält die TUI noch 43 Prozent an der Reederei, der sie bereits eine Kreditlinie von 1,4 Milliarden Euro eingeräumt hat. Hapag-Lloyd ist wie andere Reedereien auch durch den Rückgang der Transportmengen und den Verfall der Frachtraten unter Druck geraten. Dem Vernehmen nach ist die Finanzlage der Hamburger äußerst angespannt.

Anzeige

Noch bis Ende dieses Monats müssten sich die Anteilseigner auf die Hilfen verständigen – der TUI-Aufsichtsrat will über das Vertragswerk Anfang August auf einer außerordentlichen Sitzung entscheiden. Bei der TUI herrscht offenbar große Verärgerung über das Verhalten des Hapag-Großaktionärs Klaus-Michael Kühne. Der Spediteur, dem 15 Prozent der Anteile gehören, hatte zuletzt die Lage bei der Reederei in düsteren Farben geschildert und einen Antrag auf Staatshilfe ins Gespräch gebracht.

Beim jüngsten Krisentreffen der Eigentümer in Hamburg fehlte Kühne jedoch. Derzeit können niemand einschätzen, welche Strategie „dieser Chaot“ verfolge, schimpfte ein TUI-Aufseher. Zusätzlich zum eigenen Engagement macht man sich auch bei der TUI Hoffnungen auf staatliche Hilfen. Im Gespräch seien ein Kredit von der KfW-Bankengruppe von 300 Millionen Euro sowie Bürgschaften des Bundes in Höhe von 700 Millionen Euro.

Das Beispiel Arcandor habe jedoch deutlich gemacht, dass die Politik dieser Bitte nur nachkommen werde, wenn zuvor die Hapag-Eigentümer ihren Beitrag leisteten, hieß es. Wegen des unerwarteten Engagements in der Schifffahrt hat die TUI ihre Investitionspläne in der Touristik für dieses Jahr endgültig auf Eis gelegt. Frühestens 2010 sei wieder daran zu denken, die Londoner Reisetochter TUI Travel komplett zu übernehmen, an der die Hannoveraner 51 Prozent halten, hieß es.

Sollte das Geld für den großen Schritt nicht reichen, könnte sich die TUI AG zunächst auch mit der Wiedereingliederung des Reisemarktes Europa Mitte begnügen, der von TUI Deutschland gesteuert wird.