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Niedersachsen TUI will Konzernzentrale verkleinern
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen TUI will Konzernzentrale verkleinern
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00:15 14.02.2013
Von Jens Heitmann
In der Zentrale des TUI-Konzerns in Hannover sind aktuell 1023 Mitarbeiter tätig. Quelle: dpa
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Hannover

Friedrich Joussen tritt mit Ablauf der Hauptversammlung am Mittwoch die Nachfolge von Michael Frenzel an; für Donnerstag hat er eine Mitarbeiterversammlung anberaumt. In der Zentrale der TUI AG sorgt seit Wochen ein Arbeitstitel für Unruhe: Die „Lean Management Holding“. Nach Einschätzung des neuen Mannes an der Spitze reicht eine schlanke Dachgesellschaft, um den Konzern in seiner jetzigen Form zu steuern.

Die TUI hat 2007 ihre Reiseveranstalter mit dem britischen Konkurrenten First Choice zur TUI Travel fusioniert – an dieser Gesellschaft hält die hannoversche TUI AG 56 Prozent. Daneben gehören dem Konzern noch 205 eigene Hotels mit 160.000 Betten und das Kreuzfahrtgeschäft unter der Marke Hapag-Lloyd. An der gleichnamigen Frachtreederei hält die TUI noch 22 Prozent, die allerdings zum Verkauf stehen.

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TUI soll „kosten-effizienter“ und „kapital-effektiver“ werden

In Hannover will man den Mutterkonzern mit der britischen Touristiktochter verschmelzen. Davon verspricht sich Joussen langfristig „Riesensynergien“ – unter anderem weil dadurch die Kosten für zwei Zentralen wegfielen. Ein erster Anlauf zu einem Zusammenschluss ist zu Jahresbeginn unter anderem an Bewertungsfragen gescheitert.

An diesem Punkt will Joussen ansetzen. Die TUI müsse „kosten-effizienter und kapital-effektiver“ werden, heißt in einem Schreiben an die Belegschaft, das der HAZ vorliegt. Bei der Muttergesellschaft kämen zwar Dividenden von TUI Travel und vom Hotel-Partner Riu an – für die eigenen Aktionäre bleibe davon aber nichts übrig. „Mit anderen Worten: In der Holding wird Geld vernichtet“, schreibt Joussen.

Kosten und Investitionen auf dem Prüfstand

Das möchte der neue TUI-Chef ändern – indem er Kosten wie Investitionen im Hotel- und Kreuzfahrtgeschäft auf den Prüfstand stellt, aber eben auch die Ausgaben für die Holding: „Ich möchte, dass wir zunächst vor der eigenen Haustür aufräumen und die Dinge in Ordnung bringen, die wir als TUI AG direkt beeinflussen können“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Wie hoch die Kosten für den Unterhalt der hannoverschen Holding sind, verrät der Konzern nicht. Joussen hat intern bisher nur zu verstehen gegeben, dass er die Zentrale für ihre Rolle als Taktgeber im Konzern als zu groß empfindet. Unter den Mitarbeitern ist deshalb die Verunsicherung groß. Allein im unmittelbaren Bereich des Vorstandschefs ist ein Drittel der aktuell 180 Mitarbeiter tätig. Weitere 30 Beschäftigte beaufsichtigen die Touristik – sie haben hier auch Aufgaben übernommen, die eigentlich von TUI Travel zu leisten wären.

Neben den Ausgaben für das Personal sollen dem Vernehmen nach auch andere Posten in Frage gestellt werden – dazu zählten beispielsweise die millionenschweren Beraterhonorare und auch die Kosten für das firmeneigene Flugzeug, hieß es.