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Niedersachsen TUIfly-Chef: „Emissionshandel verursacht keine Mehrkosten“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen TUIfly-Chef: „Emissionshandel verursacht keine Mehrkosten“
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17:33 25.01.2012
Dieter Nirschl ist seit knapp drei Jahren Vorsitzender der TUIfly-Geschäftsführung. Quelle: Christian Burkert
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Hannover

Wie teuer wird für TUIfly der Emissionshandel, Herr Nirschl?
Uns entstehen für den Emissionshandel in 2012 keine Mehrkosten. Das ist sehr erfreulich und für den ganzen TUI-Konzern eine sehr gute Nachricht. Wir sehen unsere frühzeitigen Anstrengungen für mehr Klima- und Umweltschutz belohnt.

Auch Ihre 38 Flugzeuge Ihrer Airline belasten aber jeden Tag Klima und Umwelt …
Jeder Flug belastet die Umwelt. Aber wir tun seit vielen Jahren alles, um die Belastung so gering wie möglich zu halten. Das kann nicht jeder Wettbewerber behaupten. Im touristischen Streckennetz verbraucht die TUI-Flotte im Schnitt 2,8 Liter Kerosin pro Passagier auf 100 Kilometer. Das sind 30 Prozent weniger als der Branchendurchschnitt von vier Litern. Und 30 Prozent weniger Kerosinverbrauch bedeuten 30 Prozent weniger Klimabelastung.

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Lufthansa und Air Berlin rechnen mit hohen Belastungen durch den Emissionshandel, Ryanair erhöht deshalb sogar die Preise. Was macht TUIfly anders als die Konkurrenz?
Das sind drei Punkte. Erstens: Unsere Flotte wird ständig modernisiert und ist deshalb im Schnitt nur sieben Jahre alt. Neue Triebwerke sind effizienter und umweltschonender. Zweitens: Unsere Flieger sind grundsätzlich sehr hoch ausgelastet. Dafür sorgt natürlich auch die enge Kooperation mit unserem Mutterkonzern, Europas größtem Reiseveranstalter TUI. Und drittens achten wir innerbetrieblich im ganzen Konzern streng auf Nachhaltigkeit.

Zum Beispiel?
Es gibt bei TUIfly schon seit zehn Jahren ein Treibstoff-Effizienzprogramm. Unsere 530 Piloten werden geschult, effizient und ökologisch zu fliegen. Dafür gibt es ausführliche Handbücher, die zum Beispiel beschreiben, wie man spritsparend startet und landet und wann es empfehlenswert ist, die Flughöhe zu wechseln. Auch laufende Absprachen mit den Fluglotsen über den sparsamsten Kurs gehören dazu, ebenso regelmäßige Triebwerkswäschen. Das macht nicht jeder Anbieter.

Die Wirtschaftsverbände haben bis zur letzten Minute versucht, die Einführung zu verhindern. Was halten Sie davon?
Der Ansatz, dass Klimabelastung von den Verursachern bezahlt werden muss, ist absolut richtig. So entsteht ein marktwirtschaftlicher Anreiz, Emissionen im Flugverkehr zu verringern. Denn dann muss man weniger Verschmutzungsrechte kaufen. Das funktioniert im globalen Wettbewerb aber nur auf faire Weise, wenn alle Anbieter einbezogen werden. China sperrt sich weiterhin dagegen. Wenn die dortigen Airlines nicht zahlen, haben alle anderen einen Wettbewerbsnachteil. Diese Kritik der Wirtschaftsverbände ist gerechtfertigt.

Für 2012 bekommen die Anbieter einen Großteil der Verschmutzungsrechte kostenlos, in den Folgejahren sinkt dieser Anteil. Muss TUIfly 2013 und später dann auch Zertifikate kaufen?
Das ist noch offen. Unsere Ausgangslage ist aber so gut, dass wir es schaffen können, die Belastungen auch weiterhin gering zu halten. Damit bleibt unser Wettbewerbsvorteil erhalten.

Wird Fliegen durch den Emissionshandel für die Reisenden teurer?
Bei TUIfly vorläufig nicht, bei anderen schon. Der größte Kostenfaktor ist ohnehin der Treibstoff. Der Kerosinpreis hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als vervierfacht und liegt nun bei rund 1000 Dollar je Tonne. Solch einen Kostenschub muss man erst einmal verkraften, zumal man wegen des scharfen Preiskampfs bei Flügen nur einen Teil an die Kunden weitergeben kann.

Auch TUIfly hat eine harte Schrumpfkur hinter sich. Derzeit läuft im TUI-Konzern ein massives Sparprogramm. Trifft das auch Ihre 2400 Mitarbeiter?
Nein, wir sind sehr effizient aufgestellt und peilen erstmals wieder Wachstum an. Im Sommer soll unsere Flotte um zwei auf 40 Maschinen wachsen. Diese neuen Flugzeuge werden durch zusätzliche TUI-Gäste ausgelastet. Unser Mutterkonzern bringt uns bisher rund 70 Prozent der Auslastung, künftig sollen es 80 Prozent sein. Trotzdem müssen wir uns jeden Tag am Markt behaupten – sonst buchen auch unsere hauseigenen Veranstalter die Flüge woanders.

Neben Billigfliegern werben auch Fluganbieter aus Urlaubsgebieten wie der Türkei weiterhin mit Tiefstpreisen. Wie lange kann das noch gut gehen?
Die Überkapazitäten werden in der Tat immer größer. Dieses Jahr wird die Zahl der Flugplätze um 9 Prozent wachsen, die Nachfrage aber wohl nur um 3 Prozent. Wir haben aber als Ferienflieger im TUI-Verbund eine stabile und sichere Marktposition. Bei Krisen wie in Nordafrika können wir Urlauber in enger Kooperation mit unseren Veranstaltern rasch in andere Gebiete bringen. Da zahlt sich die Stärke des integrierten Touristikkonzerns aus. Diese Vorteile wissen unsere Kunden zu schätzen.

Die Fragen stellte Thomas Wüpper

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