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Niedersachsen „Niedrigzins tut der Gesellschaft nicht gut“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen „Niedrigzins tut der Gesellschaft nicht gut“
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21:41 18.11.2015
Von Albrecht Scheuermann
Ist der Euro am Ende? HAZ-Chefredakteur Hendrik Brandt (Mitte) moderierte die finanzpolitische Diskussion auf dem fünften Tag der niedersächsischen Wirtschaft. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Deutschlands Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon zeigte am Mittwochabend, was sie beim Sparer und Verbraucher auslöst - und wieso er deshalb die Politik der Europäischen Zentralbank für so gefährlich hält. „Was macht die Niedrigzinspolitik mit den Menschen“ - so seine rhetorische Frage beim fünften Tag der Niedersächsischen Wirtschaft, die er gleich selbst beantwortete: 40 Prozent der Bürger machten sich nach einer Umfrage Sorge ums eigene Geld. Noch bedenklicher sei es allerdings, dass mehr als die Hälfte der unter 30-Jährigen gar nicht mehr spart. „Sie erwarten aber in 30 oder 40 Jahren ein Altersversorgungsniveau, wie es ihre Eltern oder Großeltern hatten.“ Das könne nicht funktionieren. „Dramatisch“ findet er den Befund auch, weil er für viele Haushalte „null finanzielle Stabilität“ bedeute - was sich schon bei kleineren Schicksalsschlägen rächen könne. Betroffen durch die Niedrigzinsen seien besonders die unteren und mittleren Einkommensklassen, dies verschärfe die soziale Ungleichheit. „Sie tun dem Einzelnen nicht gut und tut der Gesellschaft nicht gut“, sagte Fahrenschon.

Beim fünften Tag der niedersächsischen Wirtschaft der Unternehmerverbände in Hannover haben Experten in einer Podiumsdiskussion über die Auswirkung der europäischen Finanzpolitik auf die niedersächsische Wirtschaft gesprochen.

Nach seiner Ansicht haben die Notenbanken das Zinsinstrument überreizt, die Geldpolitik werde damit selbst zu einem Stabilitätsrisiko. Schließlich führe sie zur Verunsicherung. Fahrenschon sieht einen Teufelskreis: Der Nullzins schädigt das Vertrauen, dies wiederum bremst die Investitionen und damit die Wirtschaft. Der EZB-Präsident Mario Draghi erreiche damit genau das Gegenteil von dem, was die EZB eigentlich wolle.

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Deshalb warnte der Sparkassenpräsident energisch davor, die Geldpolitik noch weiter zu lockern - was derzeit offenbar in Frankfurt vorbereitet wird. „Wir brauchen nicht noch mehr Zentralbankgeld bei noch weniger Wachstum.“ Stattdessen müsse die Notenbank jetzt endlich das Ruder herumreißen - und langsam ein „gesundes Zinsniveau“ ansteuern.

Allerdings dürften die Währungshüter weiterhin vor allem die europäische Schuldenkrise im Blick haben. Der hannoversche Finanzwissenschaftler Prof. Stefan Homburg hält es für eine fatale Fehleinschätzung, dass diese sich entspannt hat, im Gegenteil: Die Schuldenberge in vielen Euro-Ländern stiegen ungebremst. „Die Zahlen werden immer schlimmer“, sagte Homburg, gerade im Süden Europas. So betreibe das vielfach wegen seiner Fortschritte gelobte Portugal eine „völlig desolate Finanzpolitik“. Ähnlich sehe es in Spanien und Italien aus - und auch Frankreich habe sich wegen der Terroranschläge nun von den alten Defizit-Zielen verabschiedet. „Ich sehe total schwarz“, sagte der Wissenschaftler bei einer Podiumsdiskussion. Er räumte aber ein, dass auch die Wissenschaftler die derzeitige Situation an den Finanzmärkten nicht richtig verstehen.

Immerhin wollte auch er sich nicht auf eine Prognose einlassen, wann der Euro sein Leben aushaucht. Weniger pessimistisch als der Professor zeigten sich Niedersachsens Finanzminister Peter-Jürgen Schneider, der Chef der Versicherungsgruppe Hannover, Hermann Kasten und Nord/LB-Vorstandsmitglied Ulrike Brouzi. Sie alle gaben sich überzeugt, dass die europäische Währung auch in fünf Jahren noch existieren wird.

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