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Niedersachsen 540.000 VW sind "schwere Fälle"
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen 540.000 VW sind "schwere Fälle"
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02:15 12.11.2015
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Wolfsburg

Volkswagen wird bei über einer halben Million Diesel-Fahrzeugen die Abgas-Manipulationen nicht allein mit einem einfachen Software-Update abstellen können. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gehe davon aus, dass bei rund 540.000 Autos größere technische Änderungen durchgeführt werden müssten. Dies teilte am Montag das Bundesverkehrsministerium mit. Details wurden zunächst nicht bekannt.

Die Bedingungen für Änderungen an der Hardware – dazu könnten Eingriffe am Motor und am Katalysator zählen – sollen die betroffenen Kunden von VW erfahren. Hintergrund ist der vom KBA angeordnete Rückruf für 2,4 Millionen Wagen, der Anfang 2016 beginnen soll. Dabei geht es um verschiedene Motoren- und Fahrzeugmodelle. VW hatte schon mitgeteilt, dass für Wagen mit 2,0 Litern Hubraum reine Software-Lösungen ausreichen sollen. Vor allem bei 1,6-Liter-Modellen sollen darüber hinaus Anpassungen in der Motortechnik nötig sein – also Änderungen nicht nur an der Programmierung. Europaweit sind drei Millionen Fahrzeuge mit dem betroffenen 1,6-Liter-Diesel unterwegs.

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Am Montag traf sich zudem der Aufsichtsrat auf dem Werksgelände in Wolfsburg zur weiteren Aufarbeitung der Abgas-Krise – begleitet von einer Protestaktion der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Auf dem Dach des Haupteingangs kritisierten mehrere Aktivisten mit Plakaten die millionenfachen Diesel-Manipulationen sowie falsche CO2- und Verbrauchswerte bei Diesel- und Benzinfahrzeugen.

Am Rande der Sitzung verabredeten Konzernchef Matthias Müller und Betriebsratschef Bernd Osterloh, in der Krise künftig enger zusammenarbeiten zu wollen. „In der jetzigen, schwierigen Situation müssen wir gemeinsame Entscheidungen treffen, welche die Wirtschaftlichkeit genauso berücksichtigen wie die Beschäftigung“, betonte Müller. Bis zur nächsten Sitzung des Aufsichtsrates am 20. November soll es daher eine Reihe von Gesprächen geben, „um einen gemeinsamen Weg für die Zukunft des Unternehmens zu bestimmen“. Müller will dabei „die Prioritäten auf Zukunftsprodukte und Technologien legen“.

Ende vergangener Woche hatte Osterloh kritisiert, der Vorstand „verkündet Sparmaßnahmen einseitig und ohne Grundlage“. Nun zeigte sich der Betriebsratschef versöhnlicher: Dass sich Konzernchef Müller persönlich um die Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Betriebsrat kümmern wolle, sei „ein starkes Signal für die Belegschaft“. Die Herausforderungen der Abgas-Affäre seien „enorm, aber die Belegschaft steht hinter dem Unternehmen, sofern es uns gelingt, eine ausgewogene Planung zwischen Investitionen, Sparmaßnahmen und Zukunftsprojekten zu verabreden“.

In der Zulieferindustrie ist der VW-Skandal derzeit noch nicht zu spüren. Gerüchten zufolge will sich VW ein Teil der Milliardenausgaben für Rückrufe durch Preissenkungen bei den Lieferanten zurückholen. Das sei in den Gesprächen mit VW bislang kein Thema gewesen, sagte Continental-Finanzchef Wolfgang Schäfer der HAZ. Auch sei in den Abrufzahlen der Hersteller noch nicht zu erkennen, dass Kunden plötzlich Diesel-Fahrzeuge verschmähten. Langfristig sieht Schäfer für Zulieferer die Chance, noch mehr Komponenten an die Autobauer zu liefern, um den Diesel noch schadstoffärmer zu machen.     

Von Marco Hademund und Lars Ruzic