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Niedersachsen Textilkonzern CBR buhlt um Händler
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Textilkonzern CBR buhlt um Händler
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21:02 23.06.2009
Von Lars Ruzic
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CBR-Chef Hugo Reissner Quelle: Ralf Decker
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Dazu sollen selbstständige Unternehmer stärker als bislang umworben werden, ihre eigenen Läden mit nur einer oder mehreren CBR-Marken zu eröffnen. Den Start zu dieser Offensive machte am Wochenanfang ein „Partnerkongress“ mit rund 1000 Gästen im Langenhagener Logistikzentrum. „Gemeinsam können wir die mit Abstand besten wirtschaftlichen Ergebnisse erzielen“, prophezeit CBR-Chef Hugo Reissner.

Das 1980 von drei Hannoveranern gegründete Unternehmen gilt als eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen in der Branche. Im Gegensatz zu anderen Herstellern, die zunehmend Läden auf eigene Rechnung betreiben, hatte CBR von Beginn an auf die Zusammenarbeit mit selbstständigen Händlern gesetzt, die Filialen als Franchisenehmer betreiben.

„Wir sind davon überzeugt, dass dies die überlegene Strategie in der Zukunft ist“, sagt Geschäftsführer Thomas Rux. Bei eigenständigen Unternehmern würden „ganz andere Kräfte wirksam“ als in filialisierten Konzernen. Die CBR-Manager setzen dabei vor allem auf den Ausbau ihrer „CBR Companies“ – eine Vertriebsschiene, die alle Marken in einem Laden vereint. Sie könne sowohl „als Platzhirsch in Kleinstädten und Stadtteilzentren“ fungieren als auch als Markenshop in großen Innenstädten.

Hintergrund der Offensive ist die Schwäche der bislang größten Abnehmergruppe der CBR – der großen Textil- und Warenhäuser. Über Ketten wie SinnLeffers, Hertie oder Karstadt, die in diesem Jahr allesamt Insolvenzantrag stellen mussten, erzielte der Textilkonzern mit seinen rund 500 Mitarbeitern bislang rund die Hälfte seines Umsatzes von zuletzt etwa 750 Millionen Euro. Gleichzeitig müssen auch immer mehr traditionsreiche mittelständische Unternehmer die Segel streichen, weil sie in der Finanzkrise von den Banken kaum noch die Finanzierungen für ihre Warenbestellungen bekommen.

„Wir können altbekannte Modehäuser stützen“, verspricht Reissner. Der Vorteil liege im CBR-Geschäftsmodell der monatlichen Kollektionswechsel und schnellen Warenumschläge. Dadurch sei wenig Kapital beim Händler gebunden und er sei Teil eines Systems, „das läuft wie ein Uhrwerk“. Wer seinen Laden richtig führe, könne mit CBR leicht auf zweistellige Renditen kommen – ein im Handelsgeschäft selten gewordener Wert.

Auch CBR selbst gilt als hochprofitabel, ist aber nach der Übernahme durch die schwedischen Finanzinvestoren von EQT hoch verschuldet. Der Kaufpreis wurde auch in diesem Fall dem Tochterunternehmen aufgebürdet, und nun muss CBR über die kommenden Jahre 1,2 Milliarden Euro abstottern. Der Kredit stammt noch aus dem Jahr 2007 – also vor der Finanzkrise – und habe „phänomenal günstige Konditionen“. Doch zwingt auch er das Isernhagener Unternehmen zu kompromisslosem Wachstum.