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Niedersachsen Totalumbau der VW-Führungsriege geht weiter
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21:33 20.02.2015
Von Stefan Winter
Bestes Einverständnis: Martin Winterkorn (links) hat Matthias Müller schon in gemeinsamen Audi-Jahren gefördert. Quelle: dpa
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Hannover

Die Personalie stehe auf der Tagesordnung des Aufsichtsrats für den kommenden Freitag, hieß es am Freitag. Auch in Aufsichtsratskreisen war allerdings nicht klar, welche genaue Funktion Müller zusätzlich zu seinem Porsche-Job bekommen soll. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete, er solle die Koordination der Modelle im sportlichen Luxussegment übernehmen.

Bald zehn Mitglieder im Konzernvorstand

Während Müller ein VW- und vor allem Audi-Gewächs ist, kommen die beiden anderen Neulinge von außen: Vor drei Wochen hat der ehemalige Daimler-Manager Andreas Renschler seinen Job an der Spitze des Lkw-Geschäfts angetreten. Im Herbst wird der bisherige BMW-Mann Herbert Diess erwartet. Sind alle Neuen an Bord, wird der Konzernvorstand zehn Mitglieder haben.

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Es dürften nicht die letzten Personalien des Jahres bleiben, denn dahinter steckt mehr als die Neubesetzung einiger Top-Jobs. Mit zwölf Marken, 10 Millionen verkauften Autos im Jahr und bald 600 000 Mitarbeitern weltweit ist VW der bisherigen „One-Man-Show“ entwachsen - Martin Winterkorn, ohne den bisher nichts geht im Konzern, gibt Stück für Stück Aufgaben ab. Symbolträchtig ist dabei vor allem sein Abschied von der Doppelfunktion als Konzern- und Markenchef. Für die Personenwagen mit dem VW-Logo wird künftig Diess verantwortlich sein. Man darf vermuten, dass er in dieser Rolle auch bei den technisch eng verbundenen Massenmarken Seat und Skoda mitreden wird.

Müllers neue Rolle

Der künftige Kollege Renschler tritt von vornherein mit dem Anspruch an, die Lkw-Marken zusammenzuführen. Bei MAN und Scania stellen sich die Top-Leute auf zügigen Bedeutungsverlust ein, das Sagen wird bald eine kleine, aber hochkarätig besetzte Mannschaft um Renschler haben. Der neue Vorstand wolle möglichst schnell die neue Struktur mit einer eigenständigen Truck-Holding festzurren, sagt ein Konzernmanager. In der kommenden Aufsichtsratssitzung werde es aber wohl noch nicht so weit sein, zumal ein politisch heikles Thema erst einmal wieder in den Hintergrund rücken muss: Renschler wollte die neue Lkw-Zentrale in Stuttgart oder Frankfurt ansiedeln, Ferdinand Piëch brachte daraufhin Hamburg ins Spiel. Das wiederum missfällt der niedersächsischen Landesregierung als Großaktionär: „Das sehen wir nicht unbedingt so“, heißt es dort.

Und was wird nun Müllers neue Rolle sein? Vielleicht fast die alte, denn der Porsche-Chef gehört schon lange zum innersten Führungszirkel auch in Wolfsburg. Er kann bestens mit Winterkorn, kennt als ehemaliger Chef der Produktstrategie das Herzstück des Konzerns und liefert mit seiner Marke derzeit rund ein Fünftel des Konzerngewinns. Dass er es geschafft hat, als Wolfsburger Abgesandter die Porsche-Leute mit ihrem ungewohnten Dasein als Konzernmarke zu versöhnen, gilt nebenbei als eigentliches Meisterstück. Diplomatie wird er auch jetzt brauchen, denn so viel sportlichen Luxus gibt es im Konzern nun auch nicht, dass man hier nicht anderen auf die Füße treten könnte. Müller hat schon öfter mit Audi-Chef Rupert Stadler um Macht und Projekte gekämpft.

Umbau steht noch am Anfang

Stadler wiederum, jetzt schon Mitglied im Konzernvorstand, werde eines Tages ganz nach Wolfsburg wechseln, heißt es in Konzernkreisen. Der Zug an die Konzernspitze ist für ihn wohl abgefahren, für den 51-Jährigen kommt eher das Finanzressort infrage.

So hat der Umbau der VW-Führung gerade erst begonnen. Müller hat zumindest ein in Konzernen stets gefährliches Gerücht sicherheitshalber abgeräumt: Er sei nun wirklich zu alt, um noch Konzernchef zu werden, sagte der drahtige 61-Jährige.

20.02.2015
Lars Ruzic 22.02.2015