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Niedersachsen Toyota will Meteor übernehmen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Toyota will Meteor übernehmen
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22:22 12.01.2014
Von Lars Ruzic
Meteor-Gummiwerke in Bockenem: Der Zulieferer könnte künftig zu Toyota gehören. Quelle: Archiv
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Hannover

Die Gespräche mit dem konzerneigenen Zulieferer Toyoda Gosei befänden sich auf der Zielgeraden, und die Verträge sollten noch im Januar unterschrieben werden, heißt es aus Verhandlungskreisen.

Dazu erwarten die Japaner allerdings noch Zugeständnisse von der Belegschaft. Sie sollen in der Produktion 40 statt 37,5 Wochenstunden arbeiten – ohne dass die Mehrarbeit entlohnt wird. Auch ein Verzicht auf Weihnachtsgeld und eine Aussetzung von Entgelterhöhungen nach dem Flächentarifvertrag der Kautschukindustrie sind im Gespräch. Die Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite sollen zuletzt ins Stocken geraten sein, heißt es. Die Probleme seien aber nicht unüberwindbar.

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Ohne weiteren Stellenabbau wird wohl auch Toyota bei Meteor nicht auskommen. Dem Vernehmen nach peilen die Japaner rund 1000 Beschäftigte als Zielwert an. Ende vergangenen Jahres hatte bereits Insolvenzverwalter Christopher Seagon angekündigt, die Belegschaft in Bockenem noch im Januar um bis zu 300 Stellen zu verringern. Zuletzt arbeiteten im Stammwerk des Gummispezialisten rund 1400 Mitarbeiter – vor der Pleite waren es noch 1800 gewesen. Unklar ist die Zukunft des zweiten, kleineren Standorts Worbis im Eichsfeld. Er könnte mittelfristig zur Disposition stehen.

Toyoda Gosei, vom Mutterkonzern schon 1949 ausgegründet, ist in Deutschland bisher nicht mit eigener Produktion vertreten. Der Konzern ist auf Kunststoff- und Gummiteile spezialisiert, Meteor würde das bestehende Angebot also ergänzen. Zuletzt kam Toyoda, wo der Name noch identisch ist mit dem der Toyota-Gründer, mit mehr als 30 000 Mitarbeitern auf umgerechnet 4,2 Milliarden Euro Umsatz. Die Konzernmutter  ist mit 43 Prozent der Anteile mit Abstand größter Aktionär.
Meteor ist einer der größten industriellen Arbeitgeber in Südniedersachsen. Der 1951 von Karl Heinz Bädje gegründete Autozulieferer stattet vor allem Cabrios und Coupés der Oberklasse mit Dichtungen aus. Volkswagen, Daimler und BMW gehören zu den wichtigsten Kunden. Meteor war durch Managementfehler und die Wirtschaftskrise schon vor fünf Jahren in Schieflage geraten. Erst unterstützte die Landesregierung das Unternehmen mit einer Bürgschaft von 10 Millionen Euro. Später schluckte der indische Ruia-Konzern Meteor – er blieb aber die dringend benötigten Investitionen schuldig.

Nach dem Insolvenzantrag im Januar 2012 führte Seagon den Betrieb weiter, wobei ihm die Autokonzerne zur Seite standen. So akzeptierten sie beispielsweise deutliche Preiserhöhungen, um Meteor am Leben zu halten. Auf die Vorprodukte aus Bockenem sind sie dringend angewiesen.

Auch bei der Übernahme durch Toyota spielen die großen deutschen Hersteller offenbar mit. „Sie haben das akzeptiert“, sagt ein Beteiligter. In der Branche vermeidet man üblicherweise, dass ein Konkurrent dem anderen in die Karten gucken kann, weil er ihm Teile liefert. Der Zukauf führt nun zu der kuriosen Situation, dass ausgerechnet der ärgste Konkurrent von Volkswagen die Wolfsburger von einem Werk aus beliefert, das quasi vor ihrer Haustür steht.

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