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Niedersachsen „Runder Tisch“ soll bei Tuifly vermitteln
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen „Runder Tisch“ soll bei Tuifly vermitteln
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00:15 07.02.2015
Von Jens Heitmann
Foto: Tui will bei seinen Airlines aufräumen. Quelle: dpa
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Hannover

Doch auch am Mittwoch wiederholte ein Unternehmenssprecher nur das Statement vom Vortag: Die Tui prüfe alle Szenarien, es gebe aber noch keine Beschlüsse. „Und es ist nicht damit zu rechnen, dass sie in den nächsten Wochen oder Monaten fallen werden.“

Der Reisekonzern unterhält eine Flotte von rund 140 Maschinen, die sich auf fünf Ländergesellschaften verteilen. Schon länger sucht die Tui nach einer Möglichkeit, die Airlines aus Deutschland, Großbritannien, Skandinavien und den Benelux-Staaten stärker zentral zu steuern. Erste Versuche mit einem „Tui Airline Management“ waren mehr oder weniger im Sande verlaufen – nun soll das neue Projekt „One Aviation“ („eine Luftfahrt“) mehr Synergien schaffen.

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Die deutsche Tuifly unterhält 38 Boeing 737 – davon sind 14 Maschinen mitsamt ihren Besatzungen langfristig an Air Berlin vermietet. Während andere Fluggesellschaften ihre Kunden selbst gewinnen müssen, lässt sich Tuifly die Plätze größtenteils von konzerneigenen und fremden Reiseveranstaltern füllen. Intern führt das immer wieder zu Reibereien, weil der Ferienflieger teurer ist als viele Wettbewerber. Bei seinem Amtsantritt als Tui-Chef hatte Friedrich Joussen die Existenzberechtigung eigener Fluggesellschaften infrage gestellt. Davon ist heute keine Rede mehr, weil sich die Reiseveranstalter des Konzerns nicht komplett von Dritten abhängig machen sollen. Andererseits hat die Konzernführung ehrgeizige Gewinnziele formuliert – das „One-Aviation“-Team unter Leitung des früheren Tui-Deutschland-Finanzchefs Henrik Homann ist seit knapp einem Jahr dabei, die Airlines auf Rendite zu trimmen.

Konkrete Ergebnisse gebe es noch nicht, verlautete aus dem Konzern. „Einig ist man sich bisher nur darin, dass fünf gleiche Aufgaben nicht mehr an fünf Orten gemacht werden sollen“, sagte ein Beteiligter. „Noch ist das aber eher eine virtuelle Plattform.“ Man denke darüber nach, Funktionen wie den Kerosineinkauf, das Leasing von Flugzeugen oder die Flugplangestaltung stärker zu bündeln. Zunächst gehe es um die Senkung von Sachkosten, ein Jobabbau in großem Maßstab zeichne sich derzeit nicht ab.

„,One Aviation‘ muss endlich transparenter werden“, sagte die Tuifly-Betriebsratsvorsitzende Karin Grobecker. Als ersten Schritt haben die Arbeitnehmervertreter und Tui-Chef Joussen die Einrichtung eines „Runden Tisches“ vereinbart. Platz nehmen sollen daran neben „One-Aviation“-Chef Homann Tui-Arbeitsdirektor Sebastian Ebel sowie Konzernbetriebsratschef Frank Jakobi und der Pilotenvertreter Andreas Barczewski.

Tausche Nullrunde gegen Wachstum

Stellenabbau in der Wartung: Vor der letzten Tarifrunde waren Vertreter von Verdi selbstkritisch. „Wir haben uns bei Tuifly zu Tode gesiegt“, sagte ein Unterhändler. Die Arbeitnehmervertreter hatten über Jahre noch vergleichsweise hohe Abschlüsse durchsetzen können, als die Gesellschaft schon erkennbar im Sinkflug war. Mit der vergangenen Gehaltsrunde haben beide Seiten den Hebel umgelegt: Als Preis für geringere Entgelterhöhungen sieht der im Mai 2014 abgeschlossene Tarifvertrag einen Ausbau der Flotte um vorerst drei Maschinen vor. In der Wartung konnte man sich jedoch auf keinen Kompromiss verständigen. Um bei den großen Inspektionen mit günstigeren Standorten konkurrieren zu können, hätten die Beschäftigten große Zugeständnisse machen müssen – die Gewerkschaft sprach von einem Gehaltsverzicht von bis zu 20 Prozent. Selbst für diesen Preis habe Tuifly nur eine Standortgarantie für zwei Jahre abgeben wollen, hieß es.

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