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Niedersachsen US-Konzern IAC will deutsche Werke von Stankiewicz erhalten
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen US-Konzern IAC will deutsche Werke von Stankiewicz erhalten
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10:06 23.06.2009
Von Stefan Winter
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Alle deutschen Standorte sollen erhalten bleiben, allerdings wird es erneut Kündigungen geben.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Adelheidsdorf bei Celle war Ende 2008 in die Insolvenz gegangen. Der damalige Eigentümer, ein niederländischer Finanzinvestor, war in der beginnenden Wirtschaftskrise nicht zu einer Kapitalspritze bereit, woraufhin sich auch die Banken zurückzogen. Stankiewicz hat sich auf Geräuschisolierung im Auto spezialisiert, die größten Kunden sind Mercedes, BMW und VW.

Nicht zuletzt die Hilfe der Kunden habe den Neubeginn möglich gemacht, hieß es im niedersächsischen Wirtschaftsministerium, das die Investorensuche begleitete. Auch der Insolvenzverwalter bedankte sich bei Kunden, Banken, Lieferanten, Beschäftigten und der Gewerkschaft IG BCE. Über Details der Vereinbarung habe man Stillschweigen vereinbart.

Im vergangenen Jahr zählte Stankiewicz 1300 Mitarbeiter in Deutschland, davon rund 600 im Stammwerk und rund 30 in Hameln. Vor einigen Wochen mussten 335 Mitarbeiter gehen, jetzt werden es nach Seagons Angaben weitere 130 sein. Wegen der schwierigen Situation in der Autobranche sei das unvermeidbar. Das Unternehmen behalte 840 Mitarbeiter in Deutschland, das entspreche auch dem Konzept des Käufers. IAC übernimmt neben den deutschen Werken auch Standorte in Belgien, Tschechien und Polen. Insgesamt beschäftigen die neun Werke 1200 Mitarbeiter und machen rund 150 Millionen Jahresumsatz.

Man habe einen „guten Partner“ gefunden, sagte Seagon. Im neuen Verbund habe Stankiewicz nun „gute Chancen, die aktuelle Situation zu meistern und aus der Krise gestärkt hervorzugehen“. Das Beispiel zeige, dass „Sanierungen in der Insolvenz möglich bleiben“.

Durch die Übernahme werde sein Konzern zu einem weltweit führenden Anbieter in der Schallisolierung, sagte der europäische IAC-Chef Jens Höhnel. „Wir werden alles daran setzen, das in uns gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen.“ Die International Automotive Components Group (IAC) ist in den vergangenen Jahren um den früheren Lear-Konzern herum aufgebaut worden. 2005 übernahm der Finanzinvestor Wilbur L. Ross den kriselnden Spezialisten für Inneneinrichtungen. Der 71-Jährige hat sich auf Sanierungsfälle spezialisiert und besitzt Beteiligungen unter anderem in der Stahlindustrie, der Telekommunikation und in der Textilindustrie. Zur IAC gehört außerdem das europäische Geschäft des Kunststoffspezialisten Collins & Aikman, das auch aus der Insolvenz heraus übernommen wurde.

Die Zuliefergruppe hat im vergangenen Jahr 4,5 Milliarden Dollar Umsatz gemacht und beschäftigt 23?000 Menschen in 18 Ländern. Das europäische Geschäft wird von Krefeld aus geführt. Stankiewicz sei vor allem wegen der technischen Kompetenz und der Entwicklungskapazitäten interessant, sagte Höhnel. Sein Konzern bringe Innovationskraft, Managementqualität und Sanierungserfahrung mit.

Albrecht Scheuermann 22.06.2009
Carola Böse-Fischer 22.06.2009