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Niedersachsen Mehr als 1000 Jobs stehen auf der Kippe
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Mehr als 1000 Jobs stehen auf der Kippe
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00:16 15.08.2013
Von Carola Böse-Fischer
Arbeiter am Hochofen: Die Strukturkrise in der europäischen Stahlindustrie trifft den Salzgitter-Konzern besonders hart. Quelle: dpa
Hannover

Was Anleger und besonders die Mitarbeiter jetzt interessiert, sind Details zum angekündigten Stellenabbau und dem Kostensenkungsprogramm.

Beobachter gehen davon aus, dass deutlich mehr als 1000 der rund 25.000 Jobs im Konzern gestrichen werden. Nach allem, was bekannt ist, wird es jedoch keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Das konnte die IG Metall, ohne die in dem montanmitbestimmten Konzern nichts läuft, offenbar zusammen mit den Betriebsräten verhindern. Der Jobabbau bei Salzgitter solle „sozialverträglich“ über Altersteilzeit oder freiwillige Abfindungen geregelt werden, hieß es in Konzernkreisen.

Der „Zukunftsvertrag für Salzgitter“ sei praktisch fertig, hieß es am Montag. Die Ankündigung hoher Verluste hat die Verhandlungen zuletzt wohl beschleunigt. „400 Millionen Euro Verlust – das versteht jeder Stahlkocher“, sagte ein Insider. Schwierige Verhandlungen über Einzelheiten stehen allerdings noch bevor, weil die Maßnahmen für diverse Tochtergesellschaften gesondert geklärt werden müssen.

An einem personellen Aderlass bei Salzgitter hat auch das Land Niedersachsen als größter Aktionär mit einem Anteil von 26,5 Prozent kein Interesse, erst recht nicht vor der Bundestagswahl. Aber dass dringend gehandelt werden muss, daran lässt die Landesregierung keinen Zweifel: Jetzt sei die Zeit für Entscheidungen da, sagte Finanzminister Peter Jürgen Schneider der HAZ. „Das Unternehmen muss schnell aus der Verlustzone heraus, nur dann können Arbeitsplätze und Standorte gesichert werden.“

Schneider kennt den Konzern bestens. Bis zur Übernahme des Finanzministeriums Anfang des Jahres war er rund zehn Jahre lang Personalvorstand des Salzgitter-Konzerns. An die Adresse der Verhandlungspartner sagte Schneider am Montag, dass bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung Anfang September etwas auf dem Tisch liegen müsse. Anders als manche Pessimisten im Konzern rechnet der Finanzminister damit, dass dann schon im Herbst die Umsetzung des Sparprogramms beginnen kann.

Am schlimmsten dürfte es die Konzerntochter Peiner Träger mit ihren rund 1100 Stammbeschäftigten treffen. Sie produziert Profilstahl für die Bauindustrie. Die Branche liegt jedoch vor allem in Südeuropa am Boden, die Überkapazitäten drücken die Preise so, dass Salzgitter in diesem Geschäft hohe Verluste anhäuft. Die Millioneninvestitionen der vergangenen Jahre in Peine – vor allem für einen zweiten Elektrolichtbogenofen, in dem Stahl aus Schrott erschmolzen wird – erweisen sich daher nach Ansicht von Branchenkennern als Fehlentscheidung. Zurzeit wird mit beiden Öfen abwechselnd produziert, damit sie intakt bleiben, wie es im Unternehmen hieß.

Doch Peine ist nicht die einzige Baustelle. Das Röhrengeschäft, früher Ausgleich, wenn es beim Stahl nicht lief, kriselt ebenfalls mangels Aufträgen. Auch die Aurubis-Beteiligung, die Salzgitter satte Gewinne bescherte, brachte zuletzt einen Verlust. Außerdem erklärte Konzernchef Fuhrmann bereits vor einigen Monaten, dass die dezentrale Konzernstruktur auf den Prüfstand gehöre.

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