Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Fragen und Antworten zum neuen Umtauschprogramm von VW
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Fragen und Antworten zum neuen Umtauschprogramm von VW
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:26 18.10.2018
Autostadt Wolfsburg: VW macht Dieselfahrern erneut Umtauschangebote – Experten sehen aber auch Fallstricke
Autostadt Wolfsburg: VW macht Dieselfahrern erneut Umtauschangebote – Experten sehen aber auch Fallstricke Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

 Wie im vergangenen Jahr legt Volkswagen ein großes Umtauschprogramm für Besitzer alter Diesel auf. Man unterstütze damit die Anstrengungen der Bundesregierung zur Vermeidung von Fahrverboten, sagte Vertriebschef Christian Dahlheim am Donnerstag. Die Details sind für Interessenten allerdings nicht leicht zu durchschauen. Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wer kann die Prämien in Anspruch nehmen?

Volkswagen richtet sich mit seiner „Umweltprämie“ bundesweit an Besitzer alter Dieselfahrzeuge der Normen Euro 1 bis Euro 4 – egal von welchem Hersteller. Euro-4-Fahrzeuge zum Beispiel wurden bis 2011 als Neuwagen verkauft. Wer so ein Auto von VW verschrotten lässt, erhält im Gegenzug einen Nachlass beim Neukauf.

Darüber hinaus gibt es eine „Wechselprämie“ für Besitzer von Euro-4- oder Euro-5-Dieseln in 14 Städten mit besonders hoher Stickoxid-Belastung und angrenzenden Landkreisen. Diese Prämie gibt es zusätzlich zum Restwert des alten Autos. Hannover steht allerdings nicht auf der von der Bundesregierung festgelegten Städte-Liste, hier gibt es also nur die Umweltprämie.

Welche Neuwagen stehen zur Wahl?

Die Volkswagen-Kernmarke VW gewährt die Umweltprämie für den Umstieg auf einen Neu- oder Jahreswagen. Auf der Liste steht fast das gesamte Portfolio vom Kleinwagen Up! bis zum Luxus-SUV Touareg. Wer einen Neuwagen will, muss allerdings einen Diesel nehmen. Nur bei Jahreswagen hat man laut VW die freie Wahl zwischen alle Antriebsarten.

Die Schwestermarken VW Nutzfahrzeuge, Audi, Seat und Skoda bieten ebenfalls Nachlässe. Die Regeln unterscheiden sich im Detail: Zum Beispiel erwähnt Volkswagen Nutzfahrzeuge in seiner Pressemitteilung nur Neuwagen, keine Gebrauchten.

Wie hoch sind die Nachlässe?

Die VW-Umweltprämie reicht von 1500 Euro (Up!) über 5000 Euro (zum Beispiel Golf und Touran) bis zu 8000 Euro (zum Beispiel Passat und Touareg). Bei Jahreswagen schrumpft die Prämie je nach Modell um 25 oder 50 Prozent. Die Summe wird vom Listenpreis abgezogen. Anschließend kann man mit dem Händler über weitere Rabatte und Finanzierungsangebote verhandeln – wie bei jedem Autokauf. Wie viel man insgesamt spart, hängt also auch vom Verhandlungsgeschick ab.

Laut Analysen des Car-Instituts der Uni Duisburg-Essen wurden die bisherigen VW-Umweltprämien nicht mit den sonst üblichen Händler-Rabatten verrechnet. „Das Angebot war somit fair“, sagte CAR-Forscher Karsten Neuberger.

Welche Fallstricke gibt es?

CAR-Experte Neuberger kritisierte, dass VW im Rahmen der Aktion auch Gebrauchte mit der veralteten Euro-Norm 6b anbietet. Diese könnten Straßenbetrieb nach wie vor viele Stickoxide ausstoßen. Besser seien Modelle mit den jüngeren Normen Euro 6c oder 6d. VW erwidert, dass es noch nicht viele junge Gebrauchte mit 6c und 6d gebe. Darüber hinaus gehörten alle Euro-6-Fahrzeuge von VW „gemäß unabhängiger Studien zu den saubersten auf dem Markt“, sagte ein Sprecher. Hinzu kommt die Kritik von Umweltschützern: Für sie ist die Verschrottungsaktion eine gigantische Ressourcenverschwendung, sie fordern stattdessen Nachrüstungen.

Was machen andere Hersteller?

BMW, Daimler und mehrere ausländische Marken machen Dieselfahrern zurzeit ähnliche Umtauschangebote. Renault zum Beispiel bietet beim Kauf der teuersten Neuwagen bis zu 10 000 Euro Rabatt, bei Ford sind bis zu 8000 Euro zu holen, bei Fiat bis zu 6000 Euro.

Kann man alte Diesel nachrüsten lassen?

Die Bundesregierung will nicht nur Umtauschprogramme, sie verlangt von den Herstellern auch Hardware-Nachrüstungen, also neue Abgastechnik für alte Diesel. Doch die Autobauer stellen sich weiterhin quer. Man werde selbst keine Nachrüstung anbieten, bekräftigte ein VW-Sprecher am Donnerstag. Falls „Nachrüstfirmen“ das tun, könne VW sich vorstellen, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Die Bundesregierung müsse aber sicherstellen, dass alle Autobauer mit einzahlen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Hersteller eine Nachrüstaktion finanzieren, bleibt also gering.

Von Christian Wölbert

18.10.2018
18.10.2018