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Niedersachsen VW-Zeugnis auf Bestellung
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06:43 12.09.2014
Von Lars Ruzic
Volkswagen will gegen Zeugnisse vorgehen. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Der Wolfsburger Volkswagen-Konzern hat das Portal „studycard.org“ inzwischen wegen des Verdachts der Urkundenfälschung und der Verletzung von Markenrechten angezeigt. „So etwas wird Volkswagen nicht einfach hinnehmen“, sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag. Auch bei Continental ist man auf die Firma bereits aufmerksam geworden. „Wir prüfen mögliche rechtliche Schritte“, so eine Sprecherin.

Das Berliner Unternehmen wirbt auf seiner Internetseite offensiv mit der Qualität der Produkte. Die Semestertickets – zum Preis von 44,99 Euro – etwa „werden mit Hilfe neuester Drucktechnik gefertigt und verfügen über perfekte Hologramme, Stempel und, falls vorhanden, QR-Codes der jeweiligen Stadt“, heißt es dort. Die Praktikums- und Arbeitszeugnisse – 89,99 Euro das Stück – bietet „studycard.org“ von allen großen Namen der deutschen Wirtschaft an. Sie werden „auf speziellem Papier bedruckt und sind mit offiziellen Logos, Wasserzeichen und Stempeln versehen“.

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Die Dokumente würden zudem „fiktiv von dem Fachbereich und der Personalabteilung des jeweiligen Unternehmens unterschrieben.“ Der Kunde müsse lediglich seine Daten, die gewünschte Zeit der Tätigkeit und die Abteilung angeben. Spezielle Wünsche werden berücksichtigt, „andernfalls verwenden wir zu dem genannten Bereich standardisierte Phrasen über Eure Tätigkeit“, heißt es in dem Angebot.

Von „studycard.org“ war zu den Vorwürfen keine Stellungnahme zu erhalten. Auf seiner Internetseite vertritt das Unternehmen folgende Position: „Der Erwerb und der Besitz unserer Ausweise ist vollkommen legal. Wozu Ihr Euren Ausweis oder Euer Zeugnis verwendet, ist Eure Verantwortung.“ Die Berliner haben neben Semestertickets und Arbeitszeugnissen auch Studentenausweise und Bezahlkarten für die Mensa im Angebot – letztere mit einem virtuellen Guthaben von 150 Euro. Sich selbst sieht der Anbieter als eine Art Robin Hood, dessen „Bestreben es ist, Studenten während ihres Studiums tatkräftig zu unterstützen, damit sie ihr Geld und ihre Zeit für wichtigere Sachen ausgeben“.

Deutlicher wird „studycard.org“ da schon in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Unter Paragraph 2 heißt es da: „Die Phantasieausweise (...) stellen lediglich ein Muster (...) dar, welches im öffentlichen Verkehr nicht genutzt werden darf. Sie haben keinen offiziellen Status, sind auch keine offiziellen Dokumente. (...) Die Dokumente verstehen sich NICHT als irgendeine Art von Nachweis.“ Der Missbrauch der Karten sei rechtswidrig. „In einigen Regionen“ könne auch der Besitz solcher Karten illegal sein, heißt es in Paragraph 3 der AGB. „Es liegt in der Verantwortung des Kunden zu überprüfen, ob der Besitz dieser Karten in Ihrer Region erlaubt ist, bevor Sie eine Karte bei uns erwerben.“

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