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Niedersachsen VW-Betriebsratschef: „Das Geschäft läuft auf hohem Niveau“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen VW-Betriebsratschef: „Das Geschäft läuft auf hohem Niveau“
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10:37 29.06.2010
VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh Quelle: Daniel Kunzfeld
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In den VW-Werken spürt man nichts vom befürchteten Nachfrageeinbruch. Das Geschäft laufe auf „normal hohem Niveau“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh dieser Zeitung. Obwohl für die nächsten Jahre erhebliche Produktivitätsfortschritte geplant sind, seien die Arbeitsplätze sicher. Der Betriebsrat fordert allerdings den Bau eines weiteren Modells in der Wolfsburger Fabrik, das gleichzeitig auch in Emden und Zwickau gebaut werden könnte.

Herr Osterloh, der Volkswagen-Konzern ist bis jetzt sehr anständig durch das schwierige Jahr gekommen. Wie schätzen Sie die Marktentwicklung für den Rest des laufenden Jahres ein?

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Wir werden auch gut durch den Rest des Jahres kommen. Der von vielen sogenannten Experten erwartete Einbruch nach Ablaufen der Umweltprämie ist bei uns ausgeblieben. Das Geschäft läuft auf normal hohem Niveau. Das zeigt, wie gut unsere Produkte bei den Kunden ankommen.

Golf, Tiguan, Touran – für die Autos, die im Werk Wolfsburg produziert werden, ist die Nachfrage derzeit gut. Allerdings rechnet VW mit erheblichen Produktivitätsfortschritten, wenn mit der nächsten Generation des Golf der sogenannte modulare Querbaukasten eingeführt wird. Wie sicher werden dann noch die Jobs in Wolfsburg sein?

Ich gehe davon aus, dass wir die Beschäftigtenzahl konstant halten werden. Sprich: Die Arbeitsplätze sind sicher. Mindestens, wenn die Baukästen so funktionieren, wie wir uns das vorstellen, werden wir kein Personalproblem bekommen. Das belegen auch Auslastungsszenarien, die bereits erstellt wurden.

Der Standort Wolfsburg braucht aus Sicht des Betriebsrates ein weiteres „innovatives Volumenmodell, um die Beschäftigung über 2014 hinaus zu sichern”. Was konkret stellen Sie sich vor?

Wir brauchen eine Gesamtlösung für Emden, Wolfsburg und Zwickau, damit die Drehscheibe wieder richtig funktioniert. Wolfsburg ist heute hochflexibel aufgestellt. Gehen Sie davon aus, dass es sich um ein Produkt auf der A-Plattform des Golf handeln wird. Da gibt es genügend Derivate, um eine Lösung zu schaffen, die allen drei Werken hilft. Auch Zwickau könnte noch gut ein Derivat der A-Plattform vertragen. Mein Kollege Jens Rothe, der Gesamtbetriebsratsvorsitzender von VW Sachsen ist, Peter Jacobs als Emder Betriebsratsvorsitzender und ich sind an einem guten Gesamtkonzept dran. Und der Vorstand zieht, wenn es um die Auslastung der Standorte geht, auch mit. Das ist absolut positiv.

Der Betriebsrat will die dreiwöchige Dauer-Nachtschicht im Werk Wolfsburg abschaffen und nach dem Werksurlaub mit dem VW-Management über einen neuen Schichtplan sprechen. Wie könnte der aussehen?

Erst mal vorab: Die dreiwöchige Dauernachtschicht wird fallen. Weil die Belegschaft das nicht mehr lange mitmachen wird. Und damit auch wir als Betriebsrat nicht. Sinnvoll wäre ein wöchentlicher Wechsel. Also fünf Tage Frühschicht, fünf Tage Spätschicht, fünf Tage Nachtschicht. Das ist im Übrigen auch das Modell, das die Mehrheit der Belegschaft favorisiert.

Der Betriebsrat hat das VW-Management mehrmals aufgefordert, die Fremdvergabe zu reduzieren. Hat sich schon etwas verändert?

Wir schauen systematisch, wo wir Planstellen schaffen müssen, weil ein langfristiger Bedarf da ist. In der IT und in der Forschung haben wir schon zusätzliche Stellen genehmigt bekommen. Und als Betriebsrat bleiben wir kontinuierlich an dem Thema dran.

Der VW-Betriebsrat hat entscheidenden Einfluss darauf genommen, dass ein Großteil früherer Leiharbeiter bei VW feste Arbeitsverträge bekommen haben. Kann der Umweg über Zeitarbeitsfirmen für Kollegen auch künftig ein Weg zu einem Dauerarbeitsvertrag bei Volkswagen sein?

Als Betriebsrat haben wir immer das Interesse, dass die Kollegen aus den aus unserer Sicht problematischen Leiharbeitsverträgen in feste Beschäftigungsverhältnisse kommen. In der Vergangenheit konnten wir da vielfach helfen, aber leider nie allen Betroffenen. Wir werden aber weiterhin darauf achten, dass diejenigen, die schon bei Volkswagen arbeiten, auch die Ersten sind, die hier die Chance auf eine Festanstellung bekommen. Zurzeit ist es uns erst mal gelungen, dass die allermeisten Kolleginnen und Kollegen mit Leiharbeitsverträgen verlängert wurden. Auch darum kämpfen wir ständig mit dem Unternehmen. Und das werden wir auch weiterhin tun. An unserem Motto hat sich nichts geändert: Wir wollen so viele Kolleginnen und Kollegen mit Leiharbeitsverträgen so lange wie möglich an Bord behalten.

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