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07:25 23.07.2014
Von Lars Ruzic
Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender von VW.
Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender von VW. Quelle: Uli Deck
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Wolfsburg

Eine Betriebsversammlung bei Volkswagen in Wolfsburg will wohl organisiert sein. Die halbe Halle 11 müssen sie dafür freiräumen, Bühne, Videoleinwand und Stühle für gut 18 000 Zuschauer aufstellen. Das mehrere Dutzend Mitarbeiter starke Werksorchester spielt auf und so weiter. Schon deshalb ist es selten, dass der Betriebsrat kurzfristig zu einer Zusammenkunft außer der Reihe lädt. Das letzte Mal war dies vor fünf Jahren auf dem Höhepunkt der Übernahmeschlacht mit Porsche der Fall.

Bis heute. Selbst das Orchester wird heute früh fehlen, weil Betriebsratschef Bernd Osterloh mit nur wenigen Tagen Vorlauf die Belegschaft zusammengerufen hat. Das Programm wird auf ein Minimum beschränkt. Einziger Redner neben dem Gastgeber: VW-Konzernchef Martin Winterkorn. Der Grund für die Eile liegt auf der Hand: Es hat sich kurz vor den Werksferien einiges an Informations- und Gesprächsbedarf angestaut, seit „Wiko“ Anfang vergangener Woche in einer Brandrede vor Führungskräften die Renditeschwäche der Marke VW angeprangert und Effizienzverbesserungen angemahnt hat.

Der Rundumschlag war so fundamental, dass in der Belegschaft Unruhe aufgekommen ist. Zwar wissen sie bei VW, dass ihre Jobs nicht in Gefahr sind. Doch das Ausmaß der Kritik hat viele überrascht. Winterkorn monierte nicht nur in die Höhe geschnellte Entwicklungskosten und -zeiten, er beklagte auch, dass sich der Produktionsanlauf neuer Modelle oft über Monate hinziehe. Zu viele Komponenten mache der Konzern heute noch selbst. Die Fabrikanlagen seien oft zu groß und zu teuer geplant. Selbst konkrete Projekte wie den Bau zusätzlicher Varianten des Geländewagens Tiguan hält er unter den gegebenen Bedingungen an einem deutschen Standort für unwirtschaftlich - was die Werke in Wolfsburg und Hannover beträfe.

Genug Gesprächsstoff also für eine Betriebsversammlung. Am Abend dürfte sich die Debatte über Winterkorns Weckruf in der Landeshauptstadt fortsetzen. Denn da eröffnet VW seine niedersächsische Konzernrepräsentanz im Medienzentrum. Gut 100 Gäste werden erwartet, darunter mehrere Landesminister und Regierungschef Stephan Weil (SPD) - selbst Aufsichtsratsmitglied bei VW. Winterkorn dürfte wohl fehlen, aber der Konzernvorstand soll vertreten sein. Hinzu kommen die Betriebsratschefs der niedersächsischen Standorte. Weil hat sich bislang betont gelassen zu Winterkorns Plänen gegeben. Aber auch ihm ist klar: Veränderungsbedarf besteht vor allem in Niedersachsen.

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