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Niedersachsen VW baut auf brasilianischen Markt
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen VW baut auf brasilianischen Markt
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10:35 22.10.2012
Foto: Ein Arbeiter klebt im Volkswagen-Werk Anchieta, in Sao Bernardo do Compo bei Sao Paulo, das VW Logo auf einen Volkswagen Saveiro Cross. Seit der Gründung seiner Brasilien-Tochter 1953 produzierte VW in dem Land über 20 Millionen Fahrzeuge.
Ein Arbeiter klebt im Volkswagen-Werk Anchieta, in Sao Bernardo do Compo bei Sao Paulo, das VW Logo auf einen Volkswagen Saveiro Cross. Seit der Gründung seiner Brasilien-Tochter 1953 produzierte VW in dem Land über 20 Millionen Fahrzeuge. Quelle: dpa
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Wolfsburg

Im Wettrennen um Platz eins in der weltweiten Autoindustrie nimmt Volkswagen noch stärker als bisher den Absatzmarkt Brasilien ins Visier. Das Land sei Eckstein der Strategie 2018, sagte Konzernchef Martin Winterkorn am Sonntag zum Start der São Paulo Motor Show. Spätestens in sechs Jahren will Volkswagen die Konkurrenten General Motors und Toyota überholen.

Auf der größten Automesse Lateinamerikas loten Hersteller aus aller Welt bis zum 4. November die Chancen in der Region aus - nicht zuletzt im Schatten der bröckelnden Nachfrage in Westeuropa. Unter anderem sind auch Daimler, Porsche, Audi und BMW in São Paulo dabei.

„Der brasilianische Automarkt hat großes Wachstumspotenzial“, betonte Winterkorn. „Auch bei den schweren Nutzfahrzeugen sehen wir großes Potenzial.“ Der Konzern müsse seine starke Stellung nutzen.

Nach Angaben von VW-Vertriebsvorstand Christian Klingler ist das Land für die Kernmarke VW-Pkw mittlerweile der nach China zweitgrößte Absatzmarkt. Binnen fünf Jahren legten hier die Gesamtverkäufe im Konzern um fast 40 Prozent auf jährlich über 700.000 zu. 2012 wurden bis Ende September 573.700 Autos ausgeliefert – 8,1 Prozent mehr als vor einem Jahr. Derweil soll BMW Medienberichten zufolge kurz vor dem Abschluss eines Investitionsplans für ein eigenes Pkw-Werk in Brasilien stehen.

Volkswagen ist seit Ende der 50er Jahre in dem Schwellenland vertreten. „Brasilien war auch der Startpunkt für die globale Ausrichtung des Konzerns“, sagte Winterkorn. Derzeit unterhält dort allein die Konzernmutter vier Werke. In Argentinien ist die VW-Gruppe ebenfalls vertreten.

Produktionsvorstand Michael Macht nimmt an, dass sich Südamerikas Automarkt bis 2018 um 45 Prozent auf jährlich 8 Millionen verkaufte Pkw und leichte Nutzfahrzeuge steigert. Winterkorn rechnet mit einem Volumen von 5 Millionen nur für Brasilien. Das trage auch dazu bei, die trübe Lage in Europa auszugleichen, sagte Macht: „Erfreulicherweise konnten wir das einbremsen.“

2013 will VW das Tempo in Brasilien trotz durchwachsener Aussichten für die Weltkonjunktur hoch halten. „Wir gehen davon aus, dass wir mindestens auf dem Niveau performen können wie in diesem Jahr“, sagte Macht. Brasilien-Chef Thomas Schmall sagte: „Spannend werden vor allem die ersten drei Monate.“ Der Konzern bekräftigte sein Investitionsziel von 3,4 Milliarden Euro bis zum Jahr 2016.

Um die Fertigung zu verschlanken, werde die Technik des Modularen Querbaukastens MQB Schritt für Schritt auch in Südamerika und anderen Regionen eingeführt, kündigte Macht an. „Wir sind jetzt dabei, den Seat Leon und Škoda Octavia ans Netz zu nehmen.“ So will sich VW auch gegen starke asiatische Rivalen wie Hyundai wehren.

Die Wolfsburger fordern Chancengleichheit für alle Anbieter. Die Regierung in Brasília will zwar Importsteuern auf den Prüfstand stellen – „wir wissen aber noch nicht genau, wie das ausgeht“, meinte Schmall. So müsse VW auch selbst zusehen, wettbewerbsfähiger zu werden – etwa bei der Zuliefererdichte und den CO2-Emissionen.

Das Unternehmen will zudem weiter in umweltfreundliche Produktion investieren. So ist ein zweites Wasserkraftwerk im Bundesstaat São Paulo geplant; 66 Millionen Euro sollen in das Projekt fließen. Vor zwei Jahren startete bereits ein ähnliches Kraftwerk in Anhanguera.

40 Prozent des Energiebedarfs für die Brasilien-Werke sollen aus den Anlagen kommen. Auch beim Treibhausgas-Ausstoß ihrer Modelle wollen sich die Wolfsburger verbessern. Sie wiesen wiederholt Kritik der Umweltschutzorganisation Greenpeace an ihrer Umweltbilanz zurück.

Hintergrund: Lokal bauen oder importieren? – Deutschlands Autobranche in Brasilien

Kaum ein global aufgestellter Autobauer kann es sich noch leisten, auf die wachsende Nachfrage in Brasilien zu verzichten. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen rechnen sich auch die deutschen Hersteller weiter gute Chancen aus. Eine Übersicht:

VOLKSWAGEN

Der größte Autokonzern Europas konnte auch in Lateinamerika stark zulegen. Seit der Gründung seiner Brasilien-Tochter 1953 produzierte VW in dem Land über 20 Millionen Fahrzeuge in den Werken Anchieta, Taubaté und Curitiba. Hinzu kommt die Motoren-Fertigung am Standort São Carlos. Etliche der 22 Modelle wie Gol, Saveiro oder der alte VW-Bus T2 sind speziell für den südamerikanischen Markt bestimmt.

Die VW-Konzernmarken lieferten 2011 in Brasilien knapp 705 000 Pkw und leichte Nutzfahrzeuge aus. Das entsprach einem geringen Minus von 1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In ganz Südamerika nahmen die Verkäufe jedoch um 5,1 Prozent auf mehr als 933.000 zu. Der wichtige Teilmarkt Argentinien lag mit 33 Prozent (178 170 Wagen) im Plus.

In den ersten neun Monaten dieses Jahres setzte der Konzern in Südamerika 7,4 Prozent mehr ab als im Vorjahreszeitraum. Die Marke VW-Pkw kam nach drei Vierteln des Jahres auf ein Plus von 8,1 Prozent, die leichte Nutzfahrzeug-Marke auf 3 Prozent. In Brasilien sind auch die Lastwagen-Töchter MAN und Scania aktiv. MAN betreibt in dem Land zudem das Anfang 2009 übernommene Schwerlaster- und Busgeschäft von Volkswagen. Im benachbarten Argentinien produziert auch Scania.

AUDI

Die Oberklasse-Tochter von Volkswagen startete ihre Exporte nach Brasilien 1993, vier Jahre später gründete das Unternehmen eine eigene Landesgesellschaft. Im Werk Curitiba produziert Audi gemeinsam mit der Konzernmutter. Von Januar bis September 2012 sank der Absatz um 3,5 Prozent, gleichzeitig gab es in Argentinien aber einen Zuwachs um 17,9 Prozent. In ganz Lateinamerika gelang es den Ingolstädtern, ihre Verkäufe seit Jahresbeginn um rund 12 Prozent zu erhöhen. Bis 2020 sollen 60 000 Modelle verkauft werden, 2011 waren es 27 000.

BMW

Während Volumenhersteller wie VW vor allem auf die Chancen bei Kleinwagen schielen, sehen die Bayern das Luxussegment als Treiber des Wachstums. Zusammen mit der Marke Mini verbuchte BMW 2011 in Brasilien ein Verkaufsplus von 53,9 Prozent. Auch die Motorradsparte, die teils im Land fertigt, legte stark zu.

Weil die Münchner bisher noch kein brasilianisches Pkw-Werk haben, traf sie eine Erhöhung der Importsteuer IPI hart: Im ersten Halbjahr 2012 gingen die Verkäufe der Gruppe um fast 42 Prozent in den Keller. Ein Mitte September verabschiedetes Investitionsgesetz stimmt sie nun zuversichtlich. Nachdem BMW wegen hoher Kosten länger gezögert hatte, soll der Regierung wohl schon in dieser Woche ein konkreter Standortplan vorgelegt werden. Medienberichten zufolge könnten dann bis zu 300 Millionen Euro in das neue Werk fließen.

DAIMLER

Der Audi- und BMW-Rivale setzt ebenfalls auf Brasilien. 2011 konnten die Schwaben ihren Pkw-Absatz dort im Vergleich zum Vorjahr um 35,3 Prozent ausbauen. Die Volumina sind - ähnlich wie bei Audi oder BMW - jedoch noch relativ klein. Autos der Marken Mercedes-Benz und Smart kommen als Importe ins Land, Pkw-Werke gibt es aktuell nicht. Wenn gewisse Einfuhrquoten nicht überschritten werden, sollen von 2013 an auch für Daimler Erleichterungen greifen. „Wir gehen davon aus, dass sich die Situation wieder verbessern wird“, heißt es.

Sein Lkw-Geschäft steuert der Konzern teils schon von Brasilien aus: Der vor 55 Jahren gegründete Ableger ist laut Daimler der größte Nutzfahrzeugbauer Südamerikas, mit Werken bei São Paulo und in Juiz de Fora. Auch in Kolumbien und Argentinien ist die Sparte vertreten.

dpa/mhu

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