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Niedersachsen Volkswagen schließt Kündigungen in Deutschland bis 2029 aus
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen

VW investiert bis zu vier Milliarden in Digitalisierungsprojekte in Verwaltung und Produktion

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11:27 05.06.2019
Volkswagen beschließt Roadmap Digitale Transformation für Verwaltung und Produktion. Quelle: Archiv
Wolfsburg

Bis 2023 und danach wird die Volkswagen AG bis zu vier Milliarden Euro in Digitalisierungsprojekte investieren - vorrangig in der Verwaltung, aber auch in der Produktion.

Mindestens 2000 neue Arbeitsplätze

Mindestens 2.000 neue Arbeitsplätze mit Bezug zur Digitalisierung sollen geschaffen werden. Das haben Vorstand und Gesamtbetriebsrat in ihrer „Roadmap Digitale Transformation“ vereinbart. Agile Arbeitsweisen, verbesserte Prozesse und Digitalisierung sollen Beschäftigte entlasten und Abläufe beschleunigen.

Bis zu 4000 Arbeitsplätze fallen weg

Bislang manuell durchgeführte Aufgaben werden durch verbesserte IT vereinfacht. Dadurch sollen bei der Volkswagen AG Pkw, der Volkswagen Group Components und der Volkswagen Sachsen GmbH in den nächsten vier Jahren bis zu 4.000 Stellen im indirekten Bereich nicht wieder besetzt werden. Voraussetzung hierfür ist, dass Aufgaben durch Digitalisierung, Prozessoptimierung und Organisationsverschlankung entfallen.

Osterloh: „Betriebsbedingte Kündigungen sind in den nächsten 10 Jahren ausgeschlossen“

Trotz des angekündigten Sparkurses verlängert Volkswagen die Beschäftigungssicherung für die Kernmarke VW Pkw an allen deutschen Standorten bis 2029.

„Mit der Beschäftigungssicherung bis 2029 sind betriebsbedingte Kündigungen in den nächsten zehn Jahren ausgeschlossen“, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh am Mittwoch in Wolfsburg. „Das ist ein wichtiges Signal: Die Digitalisierung bringt Veränderungen, aber der Arbeitsplatz bei Volkswagen bleibt sicher. Beim möglichen Abbau von Arbeitsplätzen muss klar sein, dass diese Tätigkeiten tatsächlich entfallen — ansonsten wird weiterhin jede Stelle nachbesetzt, denn Arbeitsverdichtung wird es mit uns nicht geben. Auch die Freigabe weiterer Jahrgänge für die Altersteilzeit war uns wichtig.“

VW erhöht Qualifizierungsbudget um 100 Millionen Euro

Zugleich wurden weitere Investitionen in die Industrie 4.0 und ein damit einhergehender Produktivitätsfortschritt von fünf Prozent pro Jahr bis 2023 im direkten Bereich vereinbart. Für die personelle Transformation im Zuge der Digitalisierungs-Offensive von Volkswagen wird zudem das Qualifizierungsbudget um 60 Millionen Euro auf insgesamt rund 160 Millionen Euro erhöht. Eine einheitliche Beschäftigungssicherung für die Volkswagen AG und die Volkswagen Sachsen GmbH wird bis 2029 vereinbart.

„Nachhaltig fit für das digitale Zeitalter“

Ralf Brandstätter, Chief Operation Officer der Marke Volkswagen, sagt: „Mit der Roadmap Digitale Transformation geben wir der Modernisierung von Volkswagen weiteren Schub. Wir machen das Unternehmen nachhaltig fit für das digitale Zeitalter. Wir bauen neue Digital-Kompetenzen auf, stellen unsere Organisation in allen Bereichen schneller, schlanker und wettbewerbsfähiger auf. Zugleich schaffen wir neue, moderne digitale und agile Arbeitsplätze und verbessern unsere Produktivität. ‚New Volkswagen‘ wird so auch für die Mitarbeiter greifbarer. Wenn Stellen durch Digitalisierung wegfallen, machen wir das entlang der demografischen Kurve so sozialverträglich wie möglich.“ Die mit der Investition einhergehenden Kostensenkungen helfen auch dabei, die Transformation von Volkswagen aus eigener Kraft zu finanzieren. Die Marke hat sich zum Ziel gesetzt, bereits ab 2022 eine Rendite von sechs Prozent zu erwirtschaften. Das ist drei Jahre früher als ursprünglich geplant.

VW strebt höhere Software-Kompetenz an

Thomas Schmall, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Group Components, ergänzt: „Für unsere Komponentenwerke ist die Roadmap Digitale Transformation der Beschleuniger für unsere Transformation in die E-Mobilität. Wir übernehmen künftig Verantwortung von Batteriezelle und Batteriesystem über E-Antrieb bis zu Ladeinfrastruktur und Recycling — und brauchen dafür eine Digitalisierung unserer Prozesse, eine höhere Software-Kompetenz und eine schlanke und agile Steuerung der weltweiten Komponentenaktivitäten.“

„Arbeit für Mitarbeiter attraktiver machen“

Personalvorstand Gunnar Kilian sagt: „Volkswagen hat mit dieser Roadmap Digitale Transformation eine starke Antwort auf die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt. Mit dem Investitionsplan in moderne IT-Systeme machen wir die Arbeit auf der einen Seite effizienter. Auf der anderen Seite machen wir sie für unsere Mitarbeiter aber auch attraktiver. Mit dem Instrument der strategischen Personalplanung werden wir für jeden Bereich ein Zukunftsbild schaffen, dass uns nicht nur quantitativ zeigt, wie viel Personal wir brauchen, sondern auch, welche Kompetenzen wir für unseren Erfolg im Wettbewerb benötigen. Transformation und Digitalisierung gelingen nur mit einem top-qualifizierten Team, das engagiert zusammenarbeitet und den richtigen Teamgeist hat.

VW schafft eine Online-Uni

Mit der Roadmap Digitale Transformation schaffen wir dafür gemeinsam die festen Grundlagen. Wir erhöhen das Qualifizierungsbudget, schaffen eine Online-Uni, stärken das Lernen über Online-Plattformen, passen Ausbildungsberufe an neue Anforderungen an. Und wir machen das Fortbildungsprogramm ,AGEBI+‘ und die Fakultät 73 zu festen Bestandteilen der Ausbildung bei Volkswagen.“

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