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Niedersachsen VW plant Großumbau im Management
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen VW plant Großumbau im Management
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21:46 31.05.2012
Von Stefan Winter
Volkswagen stehen die größten Personalumbauten seiner Geschichte bevor. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Wolfsburg

Volkswagen plant einen groß angelegten Umbau im Management. Am Freitagnachmittag trifft sich der Aufsichtsrat zu einer außerordentlichen Sitzung in Stuttgart, um nach Aussagen mehrerer Insider mehr als ein Dutzend Spitzenpersonalien in der Konzernzentrale und bei diversen Töchtern zu klären. Im Mittelpunkt stehen dabei Audi und der Nutzfahrzeugbereich. Die Konzernspitze hat den Umbau strikt geheim gehalten, die VW-Führungskräfte sollen am Montagabend in Wolfsburg informiert werden. Das jährliche Managementtreffen vor den Werksferien wurde dafür kurzfristig vorverlegt.

Es gehe um „die größte Personalrochade, die es bei VW bisher gegeben hat“, hieß es am Donnerstag. Veränderungen bei der Premiumtochter Audi hatte deren Chef Rupert Stadler schon vor einigen Tagen indirekt bestätigt. Spekuliert wird über einen Abschied von Vertriebsvorstand Peter Schwarzenbauer, Favorit für die Nachfolge ist VW-Marketingchef Luca de Meo. Der 60-jährige Entwicklungsvorstand Michael Dick soll in den Ruhestand gehen, als möglicher Ersatz gilt Bentley- und Bugatti-Chef Wolfgang Dürheimer. Schon länger festgezurrt ist der Wechsel von Einkaufschef Ulf Berkenhagen in den Lkw-Bereich.

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Dort wird offenbar die zweite große Baustelle eröffnet: VW-Vorstand Jochem Heizmann gebe die Verantwortung für den Nutzfahrzeugbereich ab, berichteten am Donnerstag mehrere Beteiligte. Nachfolger werde der 66-jährige Scania-Chef Leif Östling. Das werde auch Auswirkungen auf die andere Lkw-Tochter MAN und den hannoverschen Transporterbauer VW Nutzfahrzeuge haben.

Das Personalkarussell führe außerdem zu Veränderungen bei anderen Konzerntöchtern und im Chinageschäft. Die Rede ist von einem „China-Ressort“ im Konzernvorstand. Der logische Kandidat dafür wäre der jetzt für den wichtigsten VW-Markt verantwortliche Karl-Thomas Neumann. Er soll den Posten aber nicht bekommen, seine Zukunft im Konzern ist unklar. Der frühere Conti-Chef war oft als möglicher Kronprinz für die Nachfolge Martin Winterkorns an der Konzernspitze genannt worden.

Weil in Unternehmen wie Audi, Scania, MAN und Porsche eigene Aufsichtsräte über Vorstandsbesetzungen zu entscheiden haben, steht der VW-Spitze ein Sitzungsmarathon bis ins Wochenende hinein bevor. Am Donnerstag hieß es, es werde noch über einige Verträge verhandelt.

Wegen des starken Wachstums hat VW in den vergangenen Monaten im großen Stil Manager von außen in den Konzern geholt. Damit gewann man personellen Spielraum, um den Umbau mehrerer Vorstände anzugehen. Audi galt nicht nur wegen seiner ehrgeizigen Pläne als dringender Fall. Die Konzerntochter in Ingolstadt wurde trotz ihrer Erfolge auch immer wieder dafür kritisiert, dass sie ihrem Motto „Vorsprung durch Technik“ nicht gerecht werde. Das erklärt den Wechsel des Chefentwicklers, während Berkenhagen als harter Einkaufsmanager gilt – und der wird jetzt vor allem bei den beiden Lkw-Bauern MAN und Scania gebraucht.

Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Töchtern kam bisher nur mühsam voran. Daran änderte auch die Berufung von Heizmann zum Konzernvorstand für Nutzfahrzeuge nichts. Östling soll offenbar mehr Macht an sich ziehen, obwohl der Schwede in seiner Rolle bei Scania bisher wenig von einer Zusammenarbeit mit MAN hielt. Offen ist, ob in dieser Konstellation MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen bleiben wird.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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