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Niedersachsen VW will mit MAN und Scania eine Lkw-Allianz schließen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen VW will mit MAN und Scania eine Lkw-Allianz schließen
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20:56 09.05.2011
Lastwagen der Marke MAN kommen bislang nur in Europa und Südamerika auf größere Marktanteile. Quelle: dpa
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Dies sei jedoch nur der erste Schritt auf dem Weg zu einem „integrierten Lkw-Konzern“. Würden beide Hersteller eines Tages tatsächlich zusammengeführt, sei mehr als das Doppelte an Synergien möglich.

Ferdinand Piëch, Aufsichtsratsvorsitzender von VW und MAN, hatte im vergangenen Jahr allein die möglichen Einsparungen bei der Entwicklung einer neuen Motorengeneration auf eine Milliarde Euro beziffert. Über Einsparungen im Einkauf reden beide Unternehmen schon lange, allerdings ohne greifbare Ergebnisse. Zum einen streitet man darum, welche Teile den Markencharakter prägen und damit nicht identisch sein sollten. Hier bremst dem Vernehmen nach vor allem Scania. Zum anderen setzt das Kartellrecht dem gemeinsamen Einkauf konkurrierender Unternehmen enge Grenzen. Diese Barriere solle nun fallen, erklärte Pötsch.

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Der Plan sieht vor, den VW-Anteil an MAN von 30 auf knapp 40 Prozent aufzustocken. Dann haben die Wolfsburger eine sichere Mehrheit auf den MAN-Hauptversammlungen, und die Wettbewerbshüter betrachten VW, Scania und MAN als gemeinsames Unternehmen. Wird das genehmigt, ist auch gemeinsamer Einkauf erlaubt.

Die weiteren Schritte hingen auch vom Ergebnis des Übernahmeangebots ab, sagte Pötsch. Seit einigen Monaten wurde eine Lösung favorisiert, bei der Scania die Mehrheit an MAN übernommen hätte. Das sei jedoch am MAN-Widerstand gescheitert, hieß es gestern in VW-Aufsichtsratskreisen. Also habe man einen neuen Weg suchen müssen, um die Zusammenarbeit voranzubringen, denn „irgendwann reicht’s“. Das formelle Angebot solle alle Ausreden beseitigen, sagte ein Beteiligter. Das gelte für Scania und MAN ebenso wie für den VW-Vorstand: Dieser sei nun in der Verantwortung.

Bisher wurde das Projekt eines neuen Lkw-Konzerns vor allem von Piëch betrieben. Er peilte schon in seiner Zeit als VW-Chef an, Fahrzeuge vom Kleinwagen bis zum Schwerlaster zu bauen. So weit wie im Autogeschäft, wo die Wolfsburger an die Spitze der Weltliga streben, wäre Volkswagen bei Lastwagen allerdings auch nach einer Zusammenführung von MAN und Scania nicht.

Der Markt ist wesentlich stärker zersplittert und wird gerade in Asien von vielen regionalen Herstellern geprägt. Nach Berechnungen von Analysten würden sich Scania/MAN zusammen in Europa wohl ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Volvo um Rang zwei in der Branche hinter Daimler liefern. Weltweit dürfte VW im Lkw-Geschäft dann aber gerade einen Platz unter den ersten sieben einnehmen.

Kein Wunder, dass Daimler als Weltmarktführer bei schweren Lkw gestern erklärte, die Machtübernahme von VW werde „nichts an der Wettbewerbssituation“ ändern. Die Stuttgarter sind im Lkw-Geschäft unangefochten an der Spitze und gelten als einziger wirklicher Weltkonzern in diesem Segment – mit US-Marken wie Freightliner und Western Star oder der japanischen Tochter Fuso. Daimler verkaufte im vergangenen Jahr rund um den Globus 355.300 Lkw, fast doppelt soviel wie Scania und MAN zusammen.

Hier liegt auch eines der Probleme für die beiden Partner: Sie sind in denselben Regionen stark – Westeuropa und Südamerika. Zwar hat MAN inzwischen über ein Gemeinschaftsunternehmen den Gang auf den chinesischen Markt gewagt und plant, eine Fertigung in Russland aufzubauen. Doch dürften die Münchener dort bis auf weiteres Mitläufer sein. In Europa werden die Partner dagegen verschärft darauf achten müssen, die Marken voneinander abzugrenzen. Darin hat die künftige Konzernmutter VW ja ausreichend Erfahrung.

Stefan Winter und Lars Ruzic