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Niedersachsen Das zweite Aus in fünf Jahren
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Das zweite Aus in fünf Jahren
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08:03 03.06.2014
Von Lars Ruzic
„Wir haben einfach nicht genug Arbeit für zwei Fertigungsstandorte“: Nur die Dach-Entwickler werden für Valmet in Osnabrück bleiben. Quelle: Werk
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Hannover

Geprüft werde nun, ob man die bestehenden Aufträge noch abarbeite oder die gesamte Produktion schon vorab ins polnische Schwesterwerk verlagern könne. „Wir haben einfach nicht genug Arbeit für zwei Fertigungsstandorte“, sagte sie.

Der Schließung würden 300 der insgesamt 400 Beschäftigten an dem Standort zum Opfer fallen. Nur Entwicklung und Prototypenbau der Dachsysteme für Cabrios würden dann noch in Osnabrück verbleiben. Auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung hatte Lupberger zuvor die Beschäftigten über die Pläne informiert. „Der Schock war in den Gesichtern abzulesen“, berichtete Betriebsratschef Lazar Kustudic. Vielen sei klar gewesen, dass es so nicht weitergehen konnte – „doch dass es so kommen soll, nicht“. Der Großteil der Beschäftigten habe noch nicht einmal die Karmann-Insolvenz verdaut. „Das braucht doch kein Mensch ein zweites Mal.“ Man wolle nun für die Perspektiven der Belegschaft kämpfen. „Ein Sterben auf Raten kommt für uns jedenfalls nicht infrage.“

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Lupberger will mit den Belegschaftsvertretern im Beirat zunächst noch einmal die wirtschaftliche Lage erörtern, bevor die Gespräche über Interessensausgleich und Sozialplan beginnen. Sie sieht keine Alternative zur Schließung. Osnabrück baut derzeit noch für mehrere Premiummodelle Cabriodächer, die als Komplettsystem direkt an die Produktionsbänder der Autohersteller geliefert werden. Aus Osnabrück bestückt werden etwa die E-Klasse von Daimler, der Audi A3, Porsche 911 Targa oder Bentley Continental. Das Schwesterwerk im polnischen Zary, wo ebenfalls rund 400 Beschäftigte arbeiten, produziert vor allem für BMW und die Tochter Mini.

Osnabrück fertige längst nicht die Stückzahlen, die für die Modelle ursprünglich geplant waren, erklärte Lupberger. Zudem fehle es an Folgeaufträgen. Angesichts eines schwachen europäischen Automarktes war unter den Cabrio-Zulieferern zuletzt ein heftiger Preiskampf entbrannt. Dabei sollen auch Aufträge angenommen worden sein, die nicht einmal die Kosten deckten.

Der Markt, den einst Karmann beherrschte, wird vom kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna und dem deutschen Konkurrenten Webasto dominiert. Valmet sei es angesichts der Wettbewerbssituation nicht gelungen, Anschlussaufträge zu gewinnen, hieß es. Auch bei Volkswagen, das direkt nebenan ebenfalls auf früherem Karmann-Gelände den Golf Cabrio baut, waren Kollegen von einst leer ausgegangen. Valmet dürfte eine 5,4 Hektar große Brache hinterlassen. Das Gelände war nur gemietet – von der Familie Karmann.

Carola Böse-Fischer 02.06.2014
Lars Ruzic 29.05.2014