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Niedersachsen Verdi droht mit Warnstreiks im Handel
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Verdi droht mit Warnstreiks im Handel
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07:41 22.05.2015
Von Lars Ruzic
Verdi droht mit Warnstreiks im Einzelhandel. Quelle: dpa/Archiv
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Hannover

Der Gegenseite ist dies viel zu niedrig: Mit dieser Offerte gehe die Einkommensschere im Einzelhandel noch weiter auseinander, kritisierte Verdi-Verhandlungsführerin Sabine Gatz. Die Gewerkschaft fordert einen Euro pro Stunde mehr Lohn für die Beschäftigten - unabhängig von deren Einkommenshöhe. Dies entspricht im Schnitt zwischen 5 und 6 Prozent mehr.

„Besonders verärgert“ zeigte sich Gatz darüber, dass die Arbeitgeber die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen abgelehnt hätten. Könnte der Tarifabschluss durch die Regierung für allgemeinverbindlich erklärt werden, müssten sich alle Firmen in Niedersachsen daran halten. Dies setzt jedoch voraus, dass mindestens 50 Prozent der Beschäftigten in Betrieben arbeiten, die tarifgebunden sind oder die Tarifverträge zumindest anwenden. „Solche Quoten können wir nicht herbeibeten“, sagte Karin Schindler-Abbes, die für den niedersächsischen Handelsverband verhandelt.

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Ihre Mitglieder seien „glühende Verfechter der Allgemeinverbindlichkeit“. Aber zur Wahrheit gehöre eben auch, dass beide Seiten für gerade jeden fünften der insgesamt 300 000 Beschäftigten im niedersächsischen Handel verhandelten. Verdi-Verhandlungsführerin Gatz argumentiert dagegen, dass beide Seiten den in Niedersachsen prägenden Tarifvertrag aushandelten. Damit habe man durchaus einen Ansatzpunkt, um auf das zuständige Ministerium zuzugehen. Ein für alle in der Branche gültiges Tarifraster würde dem Verdrängungswettbewerb im Handel ein Ende setzen, sagte Gatz. Warnstreiks wollte sie nicht mehr ausschließen.

Im niedersächsischen Handel besteht die Arbeitgeberseite de facto nur noch aus Betrieben der Handelskonzerne von Aldi bis Kaufhof. „Den Mittelstand haben wir nahezu komplett verloren“, sagte Schindler-Abbes. Das liege auch an den „völlig veralteten Strukturen der Einzelhandelstarifverträge“, die noch Berufe wie Telefonistinnen oder Kaltmamselln führten. Die Tarifverträge seien „nicht ansatzweise in der Lage“, den Strukturwandel in der Branche abzubilden.

Jens Heitmann 21.05.2015
19.05.2015