Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Verdienst von Bauern sinkt drastisch
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Verdienst von Bauern sinkt drastisch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 22.11.2015
Quelle: dpa (Symbolbild)
Anzeige
Hannover

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Gerhard Schwetje, sprach von einer „Katastrophe“. „Einen Rückgang dieses Ausmaßes hat es seit Jahren nicht mehr gegeben“, sagte Schwetje der HAZ. Die Landwirtschaft stehe mit dem Rücken zur Wand. Die derzeitigen Verhältnisse seien für viele Betriebe existenzgefährdend. „Rote Zahlen sind auf vielen Betriebskonten bittere Realität.“

Ursache dafür ist nach Angaben des Kammerpräsidenten der weltweite Preisverfall für Agrarprodukte auf einem unbeständigen Markt. „Auch die Landwirte in Niedersachsen bekommen nun die ganze Härte volatiler internationaler Agrarmärkte zu spüren.“ Alle Erzeugerpreise seien gesunken, teilweise bis zu 30 Prozent. Fast jeder zweite Betrieb hat laut Schwetje nicht einmal ein Jahresergebnis von 30 000 Euro erzielt. Und davon müssten noch Steuern, Altersvorsorge und Versicherungen bezahlt werden. Der finanzielle Druck sei mithin immens. Eine Sprecherin des Landvolks äußerte sich ähnlich: „Wir merken, dass die Stimmung bei den Landwirten sehr gedrückt ist.“ Auch die Aussichten im laufenden Wirtschaftsjahr versprechen keine Besserung. Bislang sieht Kammerpräsident Schwetje „keine grundsätzliche Erholung der Märkte“. Das im nächsten Juni endende Wirtschaftsjahr 2015/16 dürfte daher „ähnlich kritisch“ werden. Viele Bauern zehrten von der Substanz und arbeiteten „zum Nulltarif“. „Diese Entwicklung ist gefährlich“, so Schwetje.

Anzeige

Besonders hart hat nach Angaben der Kammer der Preisverfall - verschärft durch den Importstopp Russlands und die Preissenkungen der Discounter - die Milchbauern getroffen. Zurzeit erhielten die Landwirte von den Molkereien im Schnitt nur noch 25 Cent für jeden gelieferten Liter Milch. Bei den Milchviehbetrieben brachen die Gewinne 2014/15 um mehr als 60 Prozent auf gerade noch 33 200 Euro im Durchschnitt ein.

Die „miserable Stimmung“ auf vielen Höfen liegt aus Sicht der Kammer aber nicht nur an den schlechten Zahlen. Auch angesichts des gesellschaftlichen und politischen Drucks, der auf der Landwirtschaft laste, „denken immer mehr Betriebsleiter ans Aufhören“, sagte Schwetje. Die junge Generation wende sich anderen Berufsfeldern zu. Wer weitermachen wolle, müsse Betriebsabläufe verbessern, um Kosten senken zu können. In guten Jahren müssten die Landwirte zudem finanzielle Reserven für schlechte Zeiten bilden, so Schwetje.

„Die Preise sind seit Monaten im Keller. Zehn Cent weniger beim Liter Milch bedeuten in Niedersachsen 800 Millionen Euro weniger Einkommen“, sagte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer der HAZ. Die Agrarministerkonferenz habe deshalb ein Hilfsprogramm gefordert: Rund 900 Millionen Euro hätten Milchviehhalter wegen Überproduktion im vergangenen Jahr an Strafe an die EU zahlen müssen. Mit diesem Geld solle ein Hilfsprogramm für für Milchbauern bezahlt werden.

Die Landwirtschaftskammer steht nach Etatkürzungen auch selbst finanziell unter Druck.

Von Carola Böse-Fischer und Heiko Randermann

Lars Ruzic 19.11.2015
Niedersachsen Tag der Niedersächsischen Wirtschaft - „Niedrigzins tut der Gesellschaft nicht gut“
Albrecht Scheuermann 18.11.2015