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Niedersachsen Verkauf der Harzwasserwerke ist vom Tisch
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Verkauf der Harzwasserwerke ist vom Tisch
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21:10 23.02.2015
Von Jens Heitmann
Kapitalanleger kontra Einkäufer: Im Streit um die Harzwasserwerke, die unter anderem die Eckertalsperre betreiben, haben sich die Kräfteverhältnisse verschoben. Quelle: Swen Pförtner
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Hannover

Diese Lösung sei auch im Sinne der Landesregierung in Hannover, die ein Vorkaufsrecht genießt und einem Verkauf an Dritte zustimmen müsste, hieß es. Das Land hatte die Harzwasserwerke 1996 zur Regierungszeit von Gerhard Schröder (SPD) privatisiert - zum Zuge kam damals für umgerechnet 110 Millionen Euro ein Konsortium aus Energieversorgern und Kunden. Während die erste Gruppe ihre Beteiligung als Kapitalanlage sieht und folglich an hohen Ausschüttungen interessiert ist, machen sich die Wasserabnehmer vor allem für niedrige Preise stark. Diese gegensätzlichen Erwartungen hatten schon länger zu Unstimmigkeiten unter den Anteilseignern geführt. Sie eskalierten im vergangenen Frühjahr, als einige den Konsortialvertrag kündigten, der die Vorkaufsrechte regelt.

Mit der Drohung eines Verkaufes an Dritte wollten sie den Druck auf jene Anteilseigner erhöhen, die nicht in erster Linie auf ihre Rendite achten. Davon sei inzwischen keine Rede mehr, verlautet aus dem Aufsichtsrat. Die Partner hätten sich wieder aufeinander zubewegt - wohl auch wegen einer unklaren Rechtslage bezüglich der Verkaufsoptionen. Ein möglicher Streit vor Gericht sei für keine Seite von Vorteil, heißt es.

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Die Harzwasserwerke betreiben drei Talsperren- und vier Grundwasserwerke und beliefern zwei Millionen Kunden mit Trinkwasser. Zudem speisen die Talsperren zehn Wasserkraftwerke. Ferner sind die Harzwasserwerke für den Erhalt des Oberharzer Wasserregals zuständig, ein System aus Teichen, Gräben und Stollen, das zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Das Unternehmen beschäftigt 220 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2013 einen Umsatz von 42 Millionen Euro. Der Überschuss sank von 5,1 auf 3,6 Millionen Euro.

Die meisten Anteilseigner hatten ursprünglich mit einer deutlich höheren Rendite kalkuliert; angesichts des hohen Investitionsbedarfs für die Sanierung der Talsperren - die Rede ist von 200 bis 300 Millionen Euro - könne der Gewinn weiter schrumpfen, heißt es. Um den Wert der Harzwasserwerke zu ermitteln, hatten die Anteilseigner bei der Beratungsgesellschaft KPMG ein Gutachten in Auftrag gegeben. Das liegt inzwischen vor: Dem Vernehmen nach ist das Unternehmen heute - je nach Szenario - in etwa so viel wert wie beim Einstieg der Konsorten vor beinahe zwei Jahrzehnten.

Vor einem Jahr galten die Anteilseigner EWE/Stadtwerke Bremen, Avacon/Purena, die Hamburger Wasserwerke sowie die Stadtwerke Braunschweig und Hannover als ausstiegswillig. Inzwischen hätten sich die Kräfteverhältnisse verändert, heißt es. Nur noch drei der genannten Versorger wollten in jedem Fall ihre Anteile verkaufen, drei weitere seien bereit, ihre Beteiligungen aufzustocken, und eine dritte Gruppe halte sich beide Optionen offen. Eine Entscheidung solle bis zum Sommer fallen.