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Niedersachsen Verschmelzung von VW und Porsche verzögert sich
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Verschmelzung von VW und Porsche verzögert sich
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16:29 31.01.2011
Quelle: dpa (Archiv)
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Die angepeilte Verschmelzung von Porsche und VW wird für 2011 immer unwahrscheinlicher: Grund ist das juristische Hickhack um die verlorene Übernahmeschlacht mit VW. Die Entscheidung über eine Schadenersatzklage in Milliardenhöhe von Investmentfonds in den USA werde sich voraussichtlich noch Monate hinziehen, verlautete am Montag aus Branchenkreisen.

Auch in Deutschland laufen die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Marktmanipulation noch. Eine ursprünglich für Anfang des Jahres angekündigte Zwischenbilanz werde frühestens Mitte Februar vorliegen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart.

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In den USA hatte Porsche Ende vergangenen Jahres einen Etappensieg errungen. Ein New Yorker Gericht hatte eine milliardenschwere Schadenersatzklage von 39 Investmentfonds als unzulässig abgewiesen. Grund: Die betroffenen Aktien seien nicht in den USA notiert gewesen und gehandelt worden. Gegen die Entscheidung des Gerichts haben die Kläger nun Berufung eingelegt.
Das zuständige Berufungsgericht werde in den nächsten Wochen gemeinsam mit den Investmentfonds und Porsche einen Zeitplan festlegen, sagte ein Sprecher des Sportwagenbauers. Mit der Entscheidung des Gerichts wird in Branchenkreisen aber frühestens in sieben bis zwölf Monaten gerechnet.

Porsche hatten sich mit schwer durchschaubaren Aktiengeschäften 2008 den Zugriff auf gut 74 Prozent der VW-Stammaktien gesichert und so einen Höhenflug der Papiere auf über 1000 Euro ausgelöst. Investoren, die auf fallende Kurse gewettet hatten, mussten wegen der Knappheit der frei verfügbaren Aktien zum überhöhten Preis kaufen. Die Kläger in den USA machten ihren Schaden geltend und bezifferten diesen auf zwei Milliarden Dollar (rund 1,5 Milliarden Euro). Sie werfen zudem dem damaligen Porsche-Management vor, die Informationen zu spät veröffentlicht zu haben.

Porsche soll nach dem gescheiterten Übernahmeversuch als zehnte Marke in den VW-Konzern integriert werden. Ursprünglich hatten die beiden Unternehmen die Verschmelzung für 2011 geplant. Die VW-Führungsriege hat aber bereits angekündigt, dass die juristischen Auseinandersetzungen diesen Zeitplan deutlich verzögern könnten.

Zwangspause vorüber: VW setzt Bänder wieder in Gang

Nach einer eintägigen Zwangspause will Volkswagen am Dienstag die Bänder in den Werken Wolfsburg und Emden wieder in Gang setzen. Die Frühschicht werde an beiden Standorten wie vorgesehen anlaufen, kündigte ein Sprecher am Montag an. „Es geht weiter mit einem ganz normalen Arbeitstag.“ Bislang gebe es keine Anzeichen dafür, dass es bei externen oder konzerneigenen Zulieferern erneut stocken könnte. Europas größter Autobauer hatte wegen der Engpässe zu Wochenbeginn eine 24-stündige Auszeit im Wolfsburger Stammwerk und in der Emder Passat-Produktion einlegen müssen.

Die Fertigungspause war zuvor mit dem Betriebsrat vereinbart worden. Aufgrund der brummenden Nachfrage hatten die Beschäftigten 2010 Sonderschichten gefahren und Überstunden angehäuft. Fehlender Nachschub hatte die Bänder nun kurzzeitig stillstehen lassen.

Unter anderem waren Motoren aus dem VW-Werk in Salzgitter nicht in ausreichender Stückzahl lieferbar - „obwohl die Kollegen am Anschlag arbeiten“, wie die Konzernzentrale betonte. Die Produktionsabläufe müssten angesichts der zahlreichen Bestellungen aber nicht verändert werden. Bestehende Liefertermine würden gehalten. Der Personalleiter für Deutschland, Jochen Schumm, hatte vorigen Freitag am Rande der Tarifverhandlungen mit der IG Metall angekündigt, dass sich die Lage entspannen werde. Es gehe darum, „den Materialfluss zu ordnen“.

In Wolfsburg werden die Modelle Golf, Tiguan und Touran gebaut. Insgesamt laufen pro Tag 3000 Autos vom Band. Sie waren von den Lieferengpässen ebenso betroffen wie der Passat in Emden.

dpa