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Niedersachsen Versicherer wollen an die Autodaten ran
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Versicherer wollen an die Autodaten ran
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07:25 23.01.2018
Autoversicherungen wollen mehr Daten sammeln.  Quelle: dpa/Archiv
München/Hannover

Der Streit zwischen Autoherstellern und Versicherungen um den Zugriff auf Fahrzeugdaten verschärft sich. Die Allianz-Versicherung hat nun die Einsetzung eines unabhängigen Daten-Treuhänders verlangt. Dadurch könne bei Unfällen die Schuldfrage besser geklärt werden. Die Autoindustrie beharrt allerdings darauf, dass weiterhin in erster Linie die Hersteller über den Zugriff entscheiden.

„Bei hochautomatisierten Fahrzeugen muss aufgeklärt werden können, wer für den Unfall verantwortlich ist, der Fahrer oder die Technik“, sagte Joachim Müller, Chef des Allianz-Sachversicherungsgeschäfts in Deutschland. Aufgrund der Bedeutung dieser Frage plädiere die Allianz dafür, „dass die Daten an einen unabhängigen Treuhänder übertragen werden“. Weder die Autohersteller, die Versicherer, noch andere beteiligte Interessengruppen dürften einen exklusiven Zugang erhalten.

Für Versicherer sind die Daten wichtig, da sie Autohersteller in Regress nehmen können, falls ein von ihnen entwickeltes automatisiertes Fahrsystem einen Unfall verursacht haben sollte. Das Thema automatisiertes Fahren und die damit verbundenen Haftungsfragen werden auch beim Verkehrsgerichtstag in Goslar vom 24. bis 26. Januar eine wichtige Rolle spielen.

Die Bundesregierung hat 2017 bereits den Einbau von Datenspeichern in automatisierte Fahrzeuge vorgeschrieben. Die Autos müssen protokollieren, wer zu welchem Zeitpunkt die Kontrolle hatte – der Mensch oder der Computer. „Der Gesetzgeber hat aber nicht ausreichend geregelt, wie diejenigen, die aufgrund Gesetz oder Einwilligung dazu berechtigt sind, Zugang zu diesen Daten bekommen“, kritisierte Allianz-Vorstand Müller.

In der Debatte geht es nicht nur um Unfälle. Die Daten, die moderne Autos erzeugen, gewinnen stetig an Bedeutung. Neben den Herstellern selbst sind unter anderem ADAC, TÜV, Werkstätten, Zulieferer und IT-Branche interessiert. Allein die Bewegungsdaten eines Autos sind wertvoll – etwa für Parkplatz-Apps oder den Hinweis auf die nächstgelegene Werkstatt im Display. Versicherungen bieten bereits heute Tarife an, die eine vorsichtige Fahrweise belohnen.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wollte auf Anfrage den Treuhänder-Vorschlag der Allianz nicht kommentieren. Die Hersteller würden längst Fahrzeugdaten zur Verfügung stellen, wenn sie zum Beispiel im Rahmen von Gerichtsverfahren dazu verpflichtet sind, erklärte ein Sprecher. 

Grundsätzlich plädiert der VDA für ein System, bei dem die Fahrzeuge die Daten an sichere Server der Hersteller senden. Interessenten wie die Versicherer sollen dann auf dem Umweg über diese Server Zugriff erhalten. Das missfällt allerdings den Versicherern und dem TÜV. Die Unternehmen befürchten, dass der Zugriff vom Wohlwollen der Hersteller abhängen würde.

Auch für Wissenschaftler sind die Unfalldaten interessant. „Aus unserer Sicht ist ein Zugriff sehr wünschenswert“, sagte Heiko Johannsen, Leiter der Verkehrsunfallforschung der Medizinischen Hochschule Hannover. Nur mit Hilfe der Daten könne man herausfinden, was der Fahrer und was die Assistenzsysteme des Autos getan haben. Diese Erkenntnisse seien wichtig für die Verbesserung der Verkehrssicherheit. 

Von Carsten Hoefer und Christian Woelbert

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