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Niedersachsen Versicherungsgruppe Hannover bremst Geschäft von Einmalbeiträgen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Versicherungsgruppe Hannover bremst Geschäft von Einmalbeiträgen
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20:20 09.12.2010
Von Albrecht Scheuermann
Niedersachsens Marktführer VGH wächst vor allem wegen des boomenden Einmalbeitragsgeschäfts der Lebensversicherung. Quelle: Martin Steiner
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Ein starker Anstieg des Geschäftes mit Einmalbeiträgen in der Lebensversicherung beschert der Versicherungsgruppe Hannover (VGH) ein deutliches Plus bei den Beitragseinnahmen. Insgesamt verbucht der Marktführer in Niedersachsen im laufenden Jahr Beitragseinnahmen von knapp 1,8 Milliarden Euro, wie der Vorstandsvorsitzende Robert Pohlhausen mitteilte. Dies ist ein Anstieg um 6,4 Prozent, während die Gesamtbranche in Deutschland nur um etwa 4,7 Prozent zugelegt haben dürfte.

Wie aus den jetzt vorgelegten vorläufigen Zahlen hervorgeht, ist der starke Prämienzuwachs allein dem auf Hochtouren laufenden Geschäft mit Einmalbeiträgen zuzuschreiben. Hier verbucht die zur VGH gehörende Provinzial Leben im laufenden Jahr einen Anstieg der Einnahmen um 62 Prozent auf 235 Millionen Euro. Laut Vorstand Thomas Krüger stammen die Einmalbeiträge zum Beispiel aus ablaufenden Lebensversicherungen, die die Kunden dann in neue, sofort oder später beginnende Rentenversicherungen anlegen.

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Schon im vergangenen Jahr hatte die VGH in diesem Geschäft eine starke Zunahme verbucht. Die Einmalbeiträge erreichen inzwischen gut 45 Prozent der laufenden Beitragseinnahmen aus den „normalen“ Lebensversicherungsverträgen, die mit 520 Millionen Euro etwas geringer sind als im Jahr 2009. Bei anderen Unternehmen sei der Anteil dieses Geschäfts noch viel höher, sagte Krüger. Gleichwohl macht der VGH das Wachstum nun offenbar selbst etwas Bauchschmerzen, und sie tritt auf die Bremse. So soll das Einmalbeitragsgeschäft nun „kontingentiert“ werden. Zudem wird Krüger zufolge eine Zinsstaffel eingeführt, damit solche Rentenversicherungen als Mittel der kurzfristigen Geldanlage uninteressanter werden.

Hintergrund des boomenden Einmalbeitragsgeschäftes ist die derzeitige extreme Niedrigzinsphase. Banken und Sparkassen bieten kaum noch Rendite, sodass Lebens- und Rentenversicherungen als reine Geldanlage interessanter geworden sind. Allerdings wird befürchtet, dass die Versicherer dies Geschäft zulasten der Kunden mit lang laufenden traditionellen Verträgen subventionieren. Pohlhausen stellte klar, dass auch die Assekuranz eine Rückkehr zu „normalen“, also höheren Marktzinsen herbeisehnt. Schließlich leben die Versicherer zu einem beträchtlichen Teil von der verzinslichen Anlage der Kundengelder.

Bei dem wichtigsten Unternehmen der VGH, der Brandkasse Hannover, bleiben die Beitragseinnahmen in diesem Jahr mit 955 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Nicht zufrieden zeigte sich Pohlhausen hier mit der Autoversicherung, bei der wegen des intensiven Preiswettbewerbes die Prämieneinnahmen um 2 Prozent fielen. Allerdings wurden inzwischen neue Tarife und Leistungen eingeführt, die den Angaben zufolge derzeit wieder für Zuwächse sorgen. Für 2011 werden bei der Brandkasse unveränderte Beitragseinnahmen erwartet.