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Niedersachsen Talanx will das Klima schützen und steigt aus der Kohle aus
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Talanx will das Klima schützen und steigt aus der Kohle aus
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00:18 21.04.2019
Kohlekraftwerk im niedersächsischen Mehrum: Deutschland steigt aus der Kohle aus, aber weltweit werden über 1000 neue Anlagen geplant. Quelle: dpa
Hannover

Die hannoversche Talanx-Gruppe will keine Kohlekraftwerke und Kohleminen mehr versichern. Grund ist der Klimawandel: Mit der Entscheidung komme man „den Zielen des Pariser Klimaabkommens nach“, erklärte Talanx am Donnerstag. Von den 28 EU-Staaten hätten 17 bereits den Ausstieg aus der Kohle beschlossen oder diskutierten darüber, ergänzte der Konzern in seiner Mitteilung. Auch die Talanx-Tochter Hannover Rück verkündete am Donnerstag ihren Ausstieg aus dem Kohlegeschäft.

Talanx und Hannover Rück folgen damit dem Beispiel von Konkurrenten wie Zurich, Generali, Allianz und Swiss Re. Zum Beispiel war die Allianz den Schritt bereits vor einem Jahr gegangen. Umweltorganisationen wie „Urgewald“ setzen große Versicherungen seit Jahren öffentlich unter Druck, Kohle-Geschäfte einzustellen.

Die Entscheidung betrifft mehrere Talanx-Tochtergesellschaften. HDI Global und HDI International decken zum Beispiel Kraftwerke als Erstversicherer ab. Hannover Rück übernimmt solche Risiken als Rückversicherer. Insgesamt beliefen sich die jährlichen Prämieneinnahmen durch Kohle-Versicherungen auf einen Betrag „im mittleren zweistelligen Millionenbereich“, erklärte die Talanx-Sprecherin.

Frist bis 2038

Diese Einnahmen fallen nicht sofort weg. Vielmehr plant der Konzern einen längeren Übergangszeitraum. Neu geplante Kohle-Kraftwerke und -minen sollen ab sofort nicht mehr versichert werden. Eine „limitierte Zahl von Ausnahmen“ will man in Ländern machen, die stark von Kohlestrom abhängen. Erst bis 2038 sollen die Versicherungen dann komplett aus dem Bestand verschwunden sein. Bestehende Verträge können also nach und nach auslaufen. Die Laufzeit beträgt oft nur ein Jahr.

Im Jahr 2038 soll laut den Plänen der Kohlekommission der Bundesregierung auch das letzte Kohlekraftwerk in Deutschland vom Netz gehen. Doch in zahlreichen anderen Ländern ist kein Ausstieg absehbar. Weltweit sind nach Angaben von Umweltorganisationen sogar rund 1400 neue Kraftwerke in Planung. HDI und Hannover Rück verzichten also auf einen relevanten Markt – beide sind weltweit tätig.

Der Kohle-Abschied der hannoverschen Versicherer sei „ein überfälliger, aber guter Schritt“, kommentierte Regine Richter von Urgewald. In den Ausnahmen für Länder mit hohem Kohle-Anteil lauere jedoch eine deutliche Schwächung der Standards. Talanx könnte damit zum Beispiel Projekte in Polen und Vietnam weiter unterstützen. „Gerade wenn erneuerbare Energiequellen bisher kaum vorhanden sind, müssen sie gezielt aufgebaut werden“, betonte Richter.

Bei der Kapitalanlage meiden Talanx und Hannover Rück Kohlefirmen schon seit Längerem. Der nun verkündete Rückzug aus den Kohle-Versicherungen bedeutet aber durchaus eine Kursänderung. Erst Mitte März hatte Hannover Rück die Urgewald-Forderungen noch zurückgewiesen. „Wir sind der Auffassung, dass es besser ist, wenn Risiken, die versicherbar sind und aus genehmigten oder gar staatlich geförderten Projekten stammen, auch versichert werden“, hatte der Konzern erklärt. Die Versicherung gleiche Risiken aus und schütze so letztendlich auch Anwohner und Verbraucher.

Von Christian Wölbert

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