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Niedersachsen Wabco nimmt Kündigungen zurück
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Wabco nimmt Kündigungen zurück
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10:59 20.02.2010
Von Lars Ruzic
Wabcos Unternehmensspitze hat 120 betriebsbedingte Kündigungen zurückgenommen. Quelle: Behrens (Archiv)
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Nach Angaben von Geschäftsführer Jürgen Heller hat die Nachfrage kurzfristig wieder angezogen. Hinzu kommen mehrere Sondereffekte, die für Beschäftigung sorgen. „Nichtsdestotrotz erwarten wir für die Zukunft auch weiterhin den Einsatz von Kurzarbeit“, sagte Heller dieser Zeitung.

Der Betriebsrat sprach in einem Brief an die Belegschaft von einer „richtigen, aber auch überfälligen Entscheidung“ der Firmenspitze. „Aus unserer Sicht kann und muss jetzt wieder Normalität bei Wabco eintreten“, heißt es in dem Schreiben. Der US-Konzern, dessen wichtigster Entwicklungs- und Produktionsstandort in Hannover sitzt, ist besonders hart von der Krise der Nutzfahrzeugbranche betroffen. Die Aufträge brachen zeitweise um mehr als 60 Prozent ein. Wabco reagierte mit einem rigiden Sparkurs und strich in Hannover in zwei Abbauwellen fast 1000 der einst 3000 Arbeitsplätze.

Was zunächst mit dem Kappen Hunderter Zeitarbeiter- und befristeter Stellen begann, betraf schon bald die Kernmannschaft. Im Sommer wollte Wabco mehr als 300 betriebsbedingte Kündigungen aussprechen, stieß jedoch auf scharfen Widerstand der IG Metall. Bei den Verhandlungen über Interessensausgleich und Sozialplan konnte ein Großteil der Entlassungen über sozialverträgliche Lösungen wie Aufhebungsverträge, Altersteilzeit oder Versetzungen geregelt werden.

Gleichzeitig einigten sich beide Seiten darauf, die endgültige Entscheidung über 120 Kündigungen ins erste Quartal 2010 zu verschieben und abzuwarten, wie sich die Auftragslage entwickelt. Diese Geduld hat sich nun ausgezahlt, sodass der Konzern unterm Strich zwar fast jede dritte Stelle abgebaut hat, dabei aber „nur“ gut 50 betriebsbedingte Kündigungen aussprechen musste. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, heißt es im Unternehmen. Weltweit hat Wabco im vergangenen Jahr die Mitarbeiterzahl um 1800 auf unter 6000 reduziert. Dadurch sollen jährlich bis zu 90 Millionen Dollar eingespart werden. Derzeit rechnet der börsennotierte Konzern für 2010 mit einem Umsatzplus von 15 bis 20 Prozent. Das Wachstum soll vor allem aus in Asien kommen. Dort ist die Nutzfahrzeugkrise kein Thema.

Albrecht Scheuermann 19.02.2010
Helmuth Klausing 22.02.2010