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Niedersachsen Wabco steht vor Entlassungswelle
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Wabco steht vor Entlassungswelle
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09:24 11.06.2009
Von Lars Ruzic
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Erst 2008 wurde die erweiterte Teststrecke von Wabco in Jeversen eröffnet. Quelle: Rainer Dröse
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Damit würde sich die Belegschaft ausgerechnet zum 125-jährigen Bestehen der hannoverschen Fabrik binnen weniger Monate um 1000 auf unter 2000 Mitarbeiter verringern. Seit Herbst 2008 hat Wabco bereits mehr als 650 Stellen sozialverträglich abgebaut.

„Wir reagieren damit auf die Auftragslage und Marktbedingungen, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern“, sagte Geschäftsführer Jürgen Heller dieser Zeitung. Nach Betriebsratsangaben ist die Firmenspitze nicht bereit, die jüngst erst erweiterten Möglichkeiten der Kurzarbeit voll auszunutzen, weil sie die damit verbundenen Kosten nicht dauerhaft tragen will. Bei dem Spezialisten für Brems- und Fahrsicherheitssysteme wird erst seit drei Monaten kurz gearbeitet. Davon sind rund 1000 Mitarbeiter betroffen. Der überwiegende Teil von ihnen arbeitet derzeit nur die Hälfte des Monats.

Die Bundesregierung hatte das Instrument der Kurzarbeit, bei dem die Arbeitsagentur bis zu 67 Prozent des ausgefallenen Nettolohns übernimmt, jüngst auf 24 Monate ausgedehnt. Zudem trägt der Steuerzahler vom siebten Kurzarbeitsmonat an auch die Sozialbeiträge des Arbeitgebers. Für die Firmen sind damit allerdings nicht alle Kosten entfallen. So bleiben tariflich abgesicherte Ansprüche der Belegschaft wie Weihnachtsgeld erhalten. Zudem entstehen bei jedem Arbeitsplatz Fixkosten, die auch bei Abwesenheit des Mitarbeiters weiterlaufen.

Rund 13,5 Millionen Euro, rechnete die Wabco-Geschäftsführung den Arbeitnehmervertretern vor, würde das Unternehmen ein Ausdehnen der Kurzarbeit auf 24 Monate kosten. Den Mehraufwand seien die Manager nicht gewillt zu tragen, kritisierte Betriebsratschef Michael Zyla. „Hier soll die Belegschaft Hals über Kopf rasiert werden.“ Nicht nur, dass der Konzern damit den Jahrzehnte gepflegten betrieblichen Konsens, Jobs sozialverträglich abzubauen, aufkündige. Wabco gehe damit an die eigene Substanz, weil hochqualifizierte Fachkräfte entlassen werden sollen, die bei einem Anspringen der Konjunktur fehlen könnten.

Die Möglichkeiten der Kurzarbeit müssten deshalb voll ausgenutzt werden, forderte der Betriebsratschef. Die nötige finanzielle Substanz habe das Unternehmen allemal. Die IG Metall sei bereits eingeschaltet. Die Gewerkschaft hatte bislang auf Bundesebene gefordert, ohne Kündigungen durch die Krise zu kommen.

Heller entgegnete, man werde trotz des Personalabbaus weiterhin „umfangreich“ Kurzarbeit nutzen. Zudem werde der Konzern die Kapazitäten für eventuell wieder steigende Nachfrage aufrecht erhalten. Wabco hat in den vergangenen Jahren mit zweistelligen Umsatz- und Gewinnzuwächsen vom Boom in der Nutzfahrzeugbranche profitiert. Der rapide Verfall der letzten Monate trifft die Hannoveraner aber ebenso hart. Die Produktionsvolumina haben sich mehr als halbiert und liegen heute auf dem Niveau von 1998.