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Niedersachsen Wabco stellt in Hannover wieder Personal ein
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Wabco stellt in Hannover wieder Personal ein
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09:12 07.05.2010
Von Lars Ruzic
Wabco hatte nach Einbrüchen um teils mehr als 60 Prozent bereits Ende 2008 damit begonnen, in Hannover Personal abzubauen. Quelle: Christian Behrens
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Der Nutzfahrzeugzulieferer Wabco stellt in seinem Stammwerk Hannover wieder Personal ein. Zum Beginn dieses Monats haben nach Informationen dieser Zeitung 30 befristet Beschäftigte ihre Arbeit in der Produktion aufgenommen, die nun zunächst angelernt werden müssen. Noch vor sechs Monaten hatte der US-Konzern 53 Mitarbeitern gekündigt, weil man für sie keine Beschäftigungschance mehr sah.

Inzwischen ist das Geschäft jedoch wieder in Fahrt gekommen. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 47 Prozent auf 491 Millionen Dollar, das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) liegt mit 39 Millionen Dollar wieder klar im schwarzen Bereich, nachdem im Krisenquartal 2009 noch ein Verlust von 36 Millionen Dollar aufgelaufen war. Mit diesen Werten ist Wabco zwar immer noch weit von denen vor der Krise entfernt – im ersten Quartal 2008 etwa lag der Umsatz noch bei 700 Millionen Dollar und das Ebit bei 82 Millionen Dollar.

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Gleichwohl zieht die Nachfrage deutlich rasanter an, als es die Wabco-Manager erwartet hatten. „Im ersten Quartal sind wir in allen Regionen der Welt stärker gewachsen als die Branche insgesamt“, sagte Konzernchef Jacques Esculier bei der Vorlage der Dreimonatszahlen. Entsprechend wurden die Prognosen für das Gesamtjahr angehoben: Der Spezialist für Brems- und Regelsysteme rechnet jetzt mit einem Umsatzplus von bis zu 28 Prozent und einer operativen Gewinnmarge von bis zu 8,5 Prozent. Vor allem in Asien und Südamerika boomt der Nutzfahrzeugbau, hier konnte Wabco seinen Absatz teils vervielfachen. Doch selbst in Europa, traditionell Hauptmarkt der Hannoveraner, legten die Erlöse um 7 Prozent zu – obwohl die Fahrzeugproduktion im ersten Quartal noch rückläufig war.

Angesichts der schnellen Genesung sehe man sich in der Auffassung bestätigt, dass der Konzern im vergangenen Jahr vorschnell Personal abgebaut habe, hieß es aus dem Betriebsrat. Wabco hatte nach Einbrüchen um teils mehr als 60 Prozent bereits Ende 2008 damit begonnen, in Hannover Personal abzubauen. Zunächst traf es Leiharbeiter und befristet Beschäftigte, später sollten mehr als 300 Kündigungen folgen. Das rief Gewerkschaften und Politik auf den Plan, zumal der Zulieferer die Möglichkeiten der Kurzarbeit längst nicht ausgeschöpft hatte. Am Ende konnte der Abbau weitgehend sozialverträglich organisiert werden, die Entscheidung über 120 Kündigungen wurde ins Frühjahr 2010 verschoben – und vom Konzern im Februar prompt zurückgenommen. Seitdem ist auch Kurzarbeit kein Thema mehr. Derzeit arbeiten noch rund 2200 Menschen bei Wabco in Hannover – vor der Krise waren es mehr als 3000.

Betriebsrat gewählt: Michael Zyla ist erneut zum Vorsitzenden des Betriebsrats bei Wabco gewählt worden, zu seinem Stellvertreter wurde Jens Schäfer bestimmt. Die Wahlbeteiligung war um vier Punkte auf 63 Prozent gestiegen.