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Niedersachsen Ende des Höhenflugs
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22:32 06.01.2015
Von Lars Ruzic
Abschied von der Standardfiliale: Der Drogeriekonzern probiert neue Verkaufsstrategien in größeren und komfortableren Geschäften aus. Quelle: dpa
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Hannover

Im vergangenen Jahr legte das Burgwedeler Unternehmen beim Umsatz noch um 8,7 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro zu. Auf dem mit Abstand wichtigsten Markt Deutschland blieb der Zuwachs mit 7,9 Prozent sogar spürbar darunter – und das, obwohl Rossmann 2014 hierzulande die Zahl seiner Märkte um fast 100 auf 1920 gesteigert hatte.

Für das neue Jahr erwartet der Drogeriediscounter eine weitere Abschmelzung der Wachstumsraten. Kalkuliert werde aktuell mit einem Umsatzplus von gut 8 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro, sagte ein Sprecher. Rund 170 Millionen Euro will der Konzern abermals in den Ausbau seines Filialnetzes stecken – die Zahl der Läden in Deutschland dürfte dann erstmals die 2000er-Schwelle überschreiten. Insgesamt sollen in den sechs Rossmann-Ländern 340 neue Geschäfte entstehen – zum Teil werden im Gegenzug aber kleine Filialen im Einzugsbereich der neuen Häuser geschlossen. Von Jahr zu Jahr wächst die Durchschnittsgröße der Rossmann-Läden.

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Gerade hat der Konzern in Berlin-Charlottenburg seine bislang größte Filiale eröffnet, die mit 1300 Quadratmetern gut ein Sechstel mehr Verkaufsfläche hat als der bisherige Konzernprimus im hannoverschen Hauptbahnhof.
Der zweigeschossige Markt mit Rolltreppe gilt intern auch als Testballon für ein neues Ladendesign – mit breiteren Gängen, niedrigeren Regalen und wärmerer Beleuchtung. Vor allem bei der dekorativen Kosmetik und dem Fotoservice hat Rossmann in Berlin aufgerüstet – zwei Bereiche, bei denen der ärgste Wettbewerber dm in der jüngeren Vergangenheit kräftig Boden gutgemacht hat.

Auch insgesamt hat Rossmann im Vergleich mit dem Marktführer im Inland offenbar Federn lassen müssen. Die Karlsruher konnten bei ihrer Bilanzvorlage zuletzt auf ein Wachstum von 9,6 Prozent in Deutschland verweisen. Allerdings sind die Zahlen nur eingeschränkt vergleichbar, da das dm-Geschäftsjahr am 30. September endet. Konzernweit lag dm bei einem Plus von 8,2 Prozent. Hier entwickelte sich das Auslandsgeschäft unterdurchschnittlich.

Die fünf Rossmann-Auslandsmärkte Polen, Ungarn, Tschechien, Türkei und Albanien dagegen legten deutlich zu – um 11,7 Prozent auf fast 1,9 Milliarden Euro Umsatz. Allerdings hatten die Burgwedeler hier auch kräftig in die Expansion investiert: So stieg die Zahl der Filialen mit einem Plus von 13 Prozent auf 1334 stärker als der Umsatz.

Konzernweit beschäftigt die Drogeriekette inzwischen 43.700 Menschen – fast 10 Prozent mehr als im Vorjahr. In Rossmanns Heimatregion Hannover arbeiten 2100 Beschäftigte für das mehrheitlich in Familienbesitz befindliche Unternehmen.

Zwei Große teilen sich den Markt auf

Nach der Pleite von Schlecker teilen sich Rossmann und Marktführer dm im Wesentlichen den deutschen Drogeriemarkt. Hinzurechnen kann man noch das Kaufhaus Müller, das viele Drogerieprodukte führt – aber auch unzählige andere Waren. Wobei zuletzt auch Rossmann und dm zunehmend drogeriefremde Artikel ins Sortiment aufgenommen haben. Rossmann führt nach der Übernahme des Konkurrenten Kloppenburg in großen Läden inzwischen beispielsweise auch Spiel- und Schreibwaren. Rossmann ist in Deutschland das Unternehmen mit den meisten Filialen – fast 300 mehr als dm. Dennoch erwirtschaften die Karlsruher eine Milliarde Euro mehr Umsatz. Zum einen sind ihre Läden im Durchschnitt größer, zum anderen haben sie ihren Schwerpunkt im wirtschaftlich starken – und umsatzträchtigeren – Süden der Republik.

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