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Niedersachsen Was ist eigentlich Fracking?
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17:27 16.06.2016
Ein Fracking-Vorstoß aus Niedersachsen heizt die Debatte um die umstrittene Methode zur Erdgasförderung an. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Ein paar Jahre lang war es ruhig geworden um das Thema Fracking - nun sorgt der Vorstoß von Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), endlich ein modernes Bundesbergrecht mit neuen Regeln zum Fracking zu schaffen, wieder für Bewegung.

Was ist der Unterschied zwischen konventionellen und unkonventionellen Lagerstätten?

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Bei konventionellen Lagerstätten lagert das Erdgas in Sandsteinen, in denen das Gas über Millionen von Jahren gespeichert war. Diese Gesteinsschichten liegen in einer Tiefe von 2000 bis unter 5000 Metern. Aus diesen Lagerstätten wird in Niedersachsen seit mehr als 50 Jahren gefördert. Zu den unkonventionelle Lagerstätten gehören Schiefergas- und Kohleflözgas-Lagerstätten. Das Erdgas unterscheidet sich nicht von konventionellen Lagerstätten - es ist im Wesentlichen Methan.

Wo sind die Erdgasvorkommen in Niedersachsen?

Erdgas lagert in Niedersachsen vor allem im Raum Söhlingen und Südoldenburg.

Was ist Fracking?

Bei dieser Methode wird unter hohem Druck eine Mischung aus Wasser, einem kleinen Anteil chemischer Stoffe und Quarzsand in die Erdgaslagerstätte gepumpt. Unter dem Druck entstehen Risse in der Gesteinsschicht. Der Sand hält die Gesteinsrisse offen, damit das Gas zum Bohrloch fließen kann. Die chemischen Zusatzstoffe dienen laut Industrie für den Korrosionsschutz und zur Reibungsminderung.

Was spricht gegen Fracking?

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz in Niedersachsen bezeichnet Fracking als eine Hochrisikotechnologie. Die Gasförderung produziere giftigen Sondermüll und stehe im Verdacht, die Menschen krank zu machen. Kritiker sehen vor allem Risiken fürs Grundwasser: Da die Bohrungen durch die grundwasserführenden Schichten gehen, sehen sie die Gefahr, dass das Grund- und damit auch das Trinkwasser verschmutzt werden könnte.

Ist Fracking erlaubt?

In Niedersachsen wird schon seit mehr als 30 Jahren gefrackt, und das mehr als 300 Mal. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums stammt ein Drittel der aktuellen Erdgasförderung aus gefrackten Bohrungen. Gasbohrungen mit einem oder mehreren Fracks gab es unter anderem im Kreis Vechta, in Rotenburg, Weissenmoor, Söhlingen und Völkersen.

Was ist erlaubt, was ist verboten?

Nach aktuellem Bergrecht ist der Einsatz von Fracking erlaubt. Aufgrund der großen öffentlichen Kritik an der Technik hat sich die Förderindustrie seit fünf Jahren ein Moratorium auferlegt und Anträge für konventionelle Erdgasförderprojekte zurückgestellt. Die Branche wartet seitdem auf ein überarbeitetes Bergrecht. Das Fördern von Gas aus der unkonventionellen Lagerstätte Schiefergas hatte Lies bereits 2014 per Erlass verboten. Daran soll sich auch nichts ändern.

Lars Ruzic 15.06.2016