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Niedersachsen Wechsel des Gasversorgers bringt bis zu 300 Euro
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Wechsel des Gasversorgers bringt bis zu 300 Euro
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18:19 02.01.2011
Von Jens Heitmann
Der Wettbewerb ist in der Region Hannover angekommen – mehrere Dutzend Anbieter buhlen um Kunden. Quelle: dpa
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Jeder vierte Abnehmer steckt nach Angaben der Bundesnetzagentur sogar noch immer im teuersten Tarif.

In der Branche führt man die Trägheit der privaten Haushalte auch darauf zurück, dass der Wettbewerb beim Gas erst spät in Gang gekommen ist. Während nach der Öffnung des Strommarktes recht bald eine größere Anzahl von Unternehmen aktiv wurde, blieben die etablierten Gasversorger noch lange unter sich.

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Dass hatte nicht nur mit den Schwierigkeiten bei der Durchleitung des Gases durch fremde Netze zu tun, sondern auch mit der Art der Verträge mit den Vorlieferanten. In der Branche dominieren langfristige Kontrakte: Wer bei einem Produzenten eine bestimmte Menge Gas bestellt hat, muss diese auch dann bezahlen, wenn er sie zum Lieferzeitpunkt nicht mehr benötigt. Auch bei den Preisen für das Gas gab es lange Zeit kaum Spielraum: Sie waren an die Notierungen an den Rohölmärkten gekoppelt – und folgten den Entwicklungen dort in der Regel mit einem Abstand von sechs Monaten.

Solch langfristige Lieferverträge sind weiterhin üblich, gleichwohl sind mittlerweile immer mehr „freie Mengen“ verfügbar – in der Branche ist bereits von einer „Gasschwemme“ die Rede. Zwei Entwicklungen sind dabei zusammengekommen: Durch neue Fördertechniken ist in den USA Gas jetzt auch aus dichten Gesteinen förderbar, dadurch kommt vermehrt verflüssigtes Gas (LNG) aus dem Nahen Osten auf den europäischen Markt. Das Überangebot hat insbesondere in Großbritannien das norwegische Gas verdrängt, das nun in die Niederlande und nach Deutschland drängt und hier mit Gas aus Russland und aus heimischer Produktion konkurriert. Das hat die Preise auf den Spotmärkten nach unten gedrückt – zum Vorteil neuer Wettbewerber, die sich dort zum Teil eindecken können als manch etablierter Konkurrent mit Langfristverträgen.

Das hat dem Wettbewerb einen Schub gegeben. In der Stadt Hannover beispielsweise können die Kunden zwischen unter mehr als vier Dutzend Anbietern wählen, und auch in der Region gibt es günstige Alternativen zu den Platzhirschen.

Um zu entscheiden, ob sich der Wechsel des Versorgers lohnt, sollte man seinen Verbrauch kennen. Wer seine letzte Rechnung nicht zur Hand hat, kann sich an folgenden Werten orientieren: Für eine 50-Quadratmeter-Wohnung werden etwa 7000 Kilowattstunden im Jahr benötigt, bei einer doppelt so großen Unterkunft sind es 15.000 Kilowattstunden. Ein Einfamilienhaus kommt auf 30.000 Kilowattstunden – für die unten stehenden Vergleichstabellen wurde ein Durchschnittsverbrauch von 20.000 Kilowattstunden zugrunde gelegt. Je nach Witterung kann der Verbrauch natürlich schwanken.

Bei den verschiedenen Angeboten den Überblick zu behalten, ist allerdings nicht ganz leicht. Um den günstigsten Anbieter zu finden, reicht es nicht aus, nur den sogenannten Arbeitspreis – also die Kosten für die einzelne Kilowattstunde – und den Grundpreis – sozusagen die Gebühr für den Anschluss – zu vergleichen. Denn bei dieser Betrachtung blieben die Boni für Neukunden unberücksichtigt, die viele Versorger offerieren. Diese Prämien betragen zum Teil mehrere Hundert Euro und machen den Anbieterwechsel oft erst richtig attraktiv – sofern die Bedingungen im Kleingedruckten nicht überlesen werden. In der Regel knüpfen die Unternehmen die Auszahlung der Prämie an eine bestimmte Lieferfrist: Meist wird der Bonus erst nach einem Jahr gutgeschrieben.