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Niedersachsen Weil warnt vor Stellenabbau beim BHW
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Weil warnt vor Stellenabbau beim BHW
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21:43 21.04.2015
Von Jens Heitmann
Nach dem Verkauf der Postbank geht in Hameln die Angst vor einem Jobabbau um.
Nach dem Verkauf der Postbank geht in Hameln die Angst vor einem Jobabbau um. Quelle: dpa
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Hannover

„Ich appelliere dringend an die Verantwortlichen in Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bank, keine Entscheidung zu treffen, die die Beschäftigung an einzelnen Standorten nachhaltig gefährdet“, sagte Weil (SPD) am Dienstag der HAZ. In einem Brief an Aufsichtsratschef Paul Achleitner werde er insbesondere auf die Bedeutung der 2400 Arbeitsplätze in der BHW-Zentrale in Hameln hinweisen.

Die Deutsche Bank hat 2008 die Postbank übernommen, die wiederum drei Jahre zuvor den Baufinanzierer BHW gekauft hatte. Inzwischen hat man in Frankfurt das Interesse an den 14 Millionen Kunden der Postbank wieder verloren. Das Geschäft werfe zu geringe Erträge ab, heißt es - und die Niedrigzinsphase erschwere das Geldverdienen auch in der Zukunft. Für den Erwerb der Postbank hat die Deutsche Bank insgesamt 6,3 Milliarden Euro aufgewendet - zu welchem Wert die Tochter in der Bilanz steht, ist nicht bekannt.

In Finanzkreisen wird erwartet, dass die Deutsche Bank die Trennung von der Postbank noch vor der Sommerpause einleitet. Denkbar sei die Vorbereitung eines Börsenganges, während zugleich Konkurrenten Kaufangebote vorlegen könnten. Als mögliche Kandidaten gelten die französische Großbank BNP Paribas und der spanische Finanzkonzern Santander.

„Bei einem Verkauf bleibt kein Stein auf dem anderen - weder bei der Postbank noch beim BHW“, sagte Markus Westermann, Landesfachbereichsleiter Finanzen bei der Gewerkschaft Verdi. Die infrage kommenden Käufer hätten alle eigene „Kreditfabriken“ und bräuchten die entsprechenden Abteilungen von Postbank und BHW nicht.

Die „Beamtenbausparkasse, Heimstättengesellschaft der Deutschen Beamtenschaft“ wurde 1928 in Berlin gegründet - nach Kriegsende zog die Zentrale nach Hameln um. Mit dem Wirtschaftswunder begann auch der Boom bei den Bausparverträgen - Anfang der Achtzigerjahre gründete das BHW eine eigene Bank, um sich auch das Geschäft mit den Vor- und Zwischenfinanzierungen nicht entgehen zu lassen.

In seinen besten Zeiten beschäftigte das BHW in Hameln mehr als 3000 Mitarbeiter. Diverse Sparprogramme - die ersten noch in Eigenregie, die späteren initiiert von der Postbank - hätten mehrere Hundert Stellen gekostet, heißt es bei Verdi. Betriebsbedingte Kündigungen konnten allerdings vermieden werden. „Es lief alles sozialverträglich ab“, berichtet ein Arbeitnehmervertreter.

Der Landesregierung sind jedoch die Hände gebunden - anders als bei VW hat sie keinen direkten Einfluss auf die Deutsche Bank. Vor dem Verkauf des BHW an die Postbank war Weils Vorgänger Christian Wulff (CDU) mit dem Versuch gescheitert, hiesige Finanzdienstleister für einen Einstieg zu gewinnen - weder die Nord/LB noch der Talanx-Konzern waren damals dazu bereit.

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