Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Werden bald die Bioeier knapp?
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Werden bald die Bioeier knapp?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 04.02.2015
„Wir wissen, dass es für Tiere und Halter Stress bedeutet“: Legehennen dürfen ihre Ställe derzeit nicht verlassen. Quelle: Julian Stratenschulte
Anzeige
Hannover

Die in weiten Teilen Niedersachsens verhängte Stallpflicht für Geflügel macht Haltern von Legehennen zunehmend Sorge. Verbraucher müssten damit rechnen, dass es ab Mitte Februar keine Bio- und Freilandeier mehr in Supermärkten gebe, warnt Friedrich-Otto Ripke, Vorsitzender des niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes.

Hintergrund ist das Auftreten des hoch ansteckenden Vogelgrippe-Virus H5N8 im November. Weil unter anderem Wildvögel als mögliche Träger des Virus’ in Frage kommen, mussten alle Nutztiere in den Stall, auch Bio- und Freilandhühner. Eine EU-Regelung erlaubt zunächst, dass deren Eier zwölf Wochen lang weiterhin mit einer 0 für Bio- oder einer 1 für Freilandhaltung markiert werden dürfen, wenn die Stallpflicht behördlich angeordnet wurde. Doch von diesen zwölf Wochen sind bereits gut neun um - und ein Ende der Stallpflicht ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Gefahr durch das H5N8-Virus dürfte erst im Frühjahr geringer werden, wenn die Temperaturen wieder steigen. „Das ist ein echtes Dilemma und eine Spätfolge der Vogelgrippe“, sagt Ripke. Zumal das Problem nicht nur Niedersachsen betreffe. In ganz Deutschland seien Stallpflichten verhängt worden.

Anzeige

Niedersachsen ist mit insgesamt rund 100 Millionen Stück Federvieh zwischen Ems und Elbe das Geflügelland Nummer eins in Deutschland. Das zeigt sich auch bei den Legehennen: 3,7 Millionen Biohühner und 6,9 Millionen Freilandtiere gibt es in Deutschland, fast die Hälfte (42 Prozent) bei beiden Sorten wird in Niedersachsen gehalten. Nachdem in Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern und in den Niederlanden die Vogelgrippe ausgebrochen war, haben am 25. November die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim, und am 27. November auch Cloppenburg und Vechta die Stallpflicht verhängt. Zwei Tage später folgte das Land Niedersachsen einer Risikoeinschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts und empfahl allen Landkreisen, in der Nähe von Seen, Flüssen und weiteren bekannten Rastplätzen von Wildvögeln das Nutzgeflügel einzusperren.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen trat das Virus kurz vor Weihnachten in einem Putenstall in Cloppenburg und einem Entenmaststall im Emsland auf. Insgesamt 130 000 Tiere wurden getötet. Wie H5N8 in die Ställe kam, ist nicht geklärt; Wildvögel gelten als ein möglicher Überträger. Tatsächlich wurden in mehreren Bundesländern einzelne infizierte Wildvögel entdeckt. Deswegen hatte der Landkreis Vechta erst am Mittwoch beschlossen, seine Stallpflicht unbegrenzt zu verlängern - obwohl man eigentlich gar nicht will. „Wir wissen, dass das für die Tiere und auch die Halter Stress bedeutet“, sagte Kreissprecher Jochen Steinkamp. Man werde daher regelmäßig die Risikobewertung überprüfen.

Haltern drohen Verluste

Tatsächlich liegt die Entscheidung letztlich bei den Landkreisen, ob und wo sie die Stallpflicht verhängen. „Diese nach Risiken und Regionen differenzierte Lösung halten wir weiterhin für richtig“, sagte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) der HAZ. Aber auch ihm ist bewusst, dass die Zwölf-Wochen-Frist abläuft. „Die enormen wirtschaftlichen Einschränkungen für Halter von Bio- und Freilandgeflügel sowie die Einschränkungen beim Tierschutz - auch bei der Hobbygeflügelhaltung - müssen ebenfalls abgewogen werden.“ Ripke sagte, er fordere jetzt auf keinen Fall die Aufhebung. Aber: „Ich wünsche mir, dass sehr sorgfältig abgewogen wird.“ Stallpflicht solle es nur dort geben, wo Wildvögel sind.

Wenn die Bio- und Freilandhühner bis Ende Februar oder länger im Stall bleiben müssen, dürfen ihre Eier nur noch als Eier aus Bodenhaltung vermarktet werden. Das bedeutet auch einen wirtschaftlichen Verlust für die Halter. Nicht zuletzt deshalb, weil die Preise für Bodeneier von derzeit neun Cent pro Ei noch weiter sinken dürften.

Virus H5N8

Das aus Asien stammende Virus H5N8 ist hoch ansteckend. Allerdings können nur Vögel befallen werden, für Menschen ist der Erreger vollkommen ungefährlich. Grundsätzlich raten Verbraucherschützer dazu, Geflügelfleisch vor dem Verzehr gut zu erhitzen. Nutztiere werden schneller von H5N8 dahin gerafft als Wildvögel, die das Virus deshalb auch besser und über größere Flächen verteilen können.

Wie das Virus in die Bestände eingeschleppt wurde, ist unklar. Alle Geflügelbetriebe in Niedersachsen sind daher aufgerufen, die Bio-Sicherheitsmaßnahmen aufrecht zu erhalten. Dazu gehört, dass Menschen beim Betreten des Stalls ihre Kleidung und Geräte sehr gründlich reinigen müssen. Lieferwagen müssen durch ein Desinfektionsbad fahren, bevor sie auf den Hof gelangen. Auch dürfen die Tiere kein Wasser aus Stellen bekommen, die auch Wildvögeln zugänglich sind. Das gilt auch für das Futter. Tierärzte müssen ihre Kleidung wechseln, wenn sie von einem Betrieb zu einem anderen fahren.

Bricht in einem Bestand trotz aller Vorsichtsmaßnahmen die Vogelgrippe aus, werden alle Tiere getötet. Der Besitzer enthält aus der Tierseuchenkasse eine Entschädigung. Außerdem werden rund um den Stall Sperr- und Beobachtungszonen eingerichtet.

Mehr zum Thema
Nachrichten Steinhude/Grossenheidorn - Stallpflicht bleibt bestehen

Seit Ende November müssen die Geflügelhalter in der Region damit zurechtkommen, dass ihre Tiere im Stall stehen müssen - und ein schnelles Ende ist noch nicht zu erwarten.

Sven Sokoll 02.01.2015

Das hochansteckende Vogelgrippevirus vom Typ H5N8 ist im Kreis Cloppenburg nachgewiesen worden. Es kommen Fragen auf: Ist das Virus gefährlich? Kann man jetzt noch Putenfleisch essen? Wir geben Antworten. 

Kristian Teetz 19.12.2014

In Niedersachsen ist ein erster Vogelgrippefall bestätigt worden. Betroffen sei ein Stall mit 20.000 Puten im Norden des Landkreises Cloppenburg. Das Landwirtschaftsministerium bestätigte dies. Im schlimmsten Fall könnte Millionen Tieren die Keulung drohen.

Karl Doeleke 18.12.2014
30.01.2015
Albrecht Scheuermann 28.01.2015