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Niedersachsen Wie sich Hanomag gegen die Flaute stemmt
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21:47 08.02.2013
Von Lars Ruzic
„Wir werden kämpfen“: Komatsu Hanomag baut und lackiert künftig auch riesige Muldenkipper, um die Auslastung zu verbessern. Quelle: Heusel
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Hannover

Außer dem Topmanagement und einigen Beschäftigten in der Produktion ist niemand zu finden auf dem Areal des traditionsreichen Baumaschinenherstellers, auf dem man sich auch heute noch leicht verlaufen kann.

Nicht, dass diese Situation etwas Neues wäre für Hanomag. Die Baumaschinenbranche ist traditionell extremen Schwankungen unterworfen. Und vor vier Jahren, als die Wirtschaftskrise ihren Höhepunkt erreicht hatte, standen die Bänder im Werk teils über Wochen still. Davon ist das Traditionshaus derzeit Meilen entfernt. Was Güner dennoch zu denken gibt: „Die Nachfrage hat sich von Monat zu Monat verschlechtert.“ Die Euro-Krise hat die wichtigsten Märkte der Lindener wegbrechen lassen: „In Spanien ist gar nichts mehr los, jetzt kommt auch noch Italien dazu, und Frankreich fängt an zu wackeln“, umschreibt es der Unternehmenschef.

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Bislang hielt die Nachfrage in Deutschland das Geschäft halbwegs am Laufen. Inzwischen macht es wieder 50 Prozent des Hanomag-Umsatzes aus. In „normalen“ Jahren lag der Anteil bei 25 Prozent. Doch auch hier habe es zuletzt dramatische Einbrüche gegeben, berichtet Güner. Zwar werde die Bautätigkeit – und damit die Nutzung von Baggern und Kippern – in Deutschland nicht zum Erliegen kommen. Aber dennoch sei 2013 „nicht mit einer Erholung zu rechnen“, glaubt der Firmenchef.

Die Folgen für Hannover sind spürbar. Das Geschäftsjahr 2012/13 werde man Ende März mit weniger als 1500 produzierten Maschinen abschließen, so Güner – ein Minus von 15 Prozent. Und für das kommende Geschäftsjahr kalkuliert das Unternehmen mit einem weiteren Absatzrückgang von 5 bis 10 Prozent. Erst Anfang 2014 glaubt Güner an eine Besserung. Die Perspektiven für die Belegschaft sind düster. Der Standort könnte locker dreimal so viele Maschinen bauen wie heute. Die Unterauslastung wird seit Oktober mit Kurzarbeit abgefedert. 22 befristet Beschäftigte mussten das Unternehmen vor Ablauf ihrer Verträge verlassen.

Die Stammbelegschaft, derzeit 581 Mitarbeiter, will Güner aber auf jeden Fall halten. Auch deshalb wird er in den nächsten Tagen bei der Arbeitsagentur die Verlängerung der Kurzarbeit um weitere sechs Monate beantragen. Komatsu Hanomag wird dann eines der ersten Unternehmen in Niedersachsen sein, das von der Ausweitung der Kurzarbeit durch die Bundesregierung von sechs auf zwölf Monate profitiert.

Güner wünscht sich aber noch mehr. Er plädiert dafür, die Regelungen aus der Zeit der Wirtschaftskrise wieder einzuführen, als Unternehmen und Beschäftigte für 24 Monate Hilfe vom Staat bekamen – und der auch noch die Sozialversicherungsbeiträge übernahm. „Im Gegensatz zu anderen Branchen sehen wir kein Licht am Ende des Tunnels“, sagt er. Zur Not müsse der Bund sich über Sonderregelungen für besonders betroffene Wirtschaftszweige Gedanken machen. Wenn die Kurzarbeit bei Hanomag Ende September auslaufen müsse, könne er einen Stellenabbau zumindest nicht ausschließen. „Wir werden dafür kämpfen, das nicht tun zu müssen.“

Schon in den vergangenen Monaten hat Güner zusätzliche Aufgaben für Hannover akquiriert, um die Auslastung zu verbessern. Das Hanomag-Werk baut künftig auch riesige Muldenkipper für Komatsu – als einziges Werk außerhalb Japans. Für die bis zu 4,50 Meter hohen und 650 000 Euro teuren Kolosse gebe es in den Steinbrüchen und Minen Europas noch Nachfrage. Hinzu kommen besonders große Radlader mit bis zu 53 Tonnen Gewicht, die Hanomag künftig endmontiert. Außerdem wurde der Standort als europäisches Reinigungscenter für die künftig vorgeschriebenen Rußpartikelfilter auserkoren – eine Aufgabe, die in den kommenden fünf Jahren 14 neue Jobs bringen soll. Insgesamt 3 Millionen Euro sind dafür nach Hannover geflossen. Das zeige, wie groß das Vertrauen des Mutterkonzerns in den Standort sei, meint Güner – trotz aller konjunkturellen Unbilden.

Kurzarbeit trifft nur wenige

Kurzarbeit ist in Niedersachsen derzeit kein weitverbreitetes Problem. Im Dezember zählte die Arbeitsagentur zwischen Ems und Elbe 170 Firmen in Kurzarbeit, im Vergleichsmonat des Vorjahres waren es sogar 171. Besonders betroffen sind derzeit Hersteller von Investitionsgütern, deren Anschaffung sich leicht verschieben lässt. Dazu gehören die Lkw-Bauer genauso wie die Hersteller von Baumaschinen. Wird ein Kurzarbeitsantrag von der Arbeitsagentur genehmigt, übernimmt sie den Lohnausfall des betroffenen Mitarbeiters zu maximal 67 Prozent. Derzeit tut sie dies für maximal zwölf Monate. In der Krise hatte der Bund die Subvention auf 24 Monate ausgedehnt und auch die Sozialversicherungsbeiträge für die Firmen übernommen.

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