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Niedersachsen Wiesenhof räumt Verstöße ein
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Wiesenhof räumt Verstöße ein
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20:11 01.09.2011
Die heimlich von Peta gefilmte Aufnahme zeigt, wie ein Ausstaller eine Pute tritt.
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Hannover

Der Beitrag zeigt, wie Mitarbeiter einer Firma schlachtreife Puten aus einem Stall im Kreis Cloppenburg einfangen und die Tiere dabei misshandeln. Wiesenhof räumte am Donnerstag ein, die Fänger einer beauftragten Firma hätten dabei „gegen den Tierschutz verstoßen“. Das Unternehmen kündigte an, von der verantwortlichen Ausstallungsfirma zu verlangen, die Mitarbeiter sofort freizustellen. Sie sollten auch nicht mehr bei weiteren Partnerlandwirten von Wiesenhof zum Einsatz kommen.

Zu sehen ist in dem Fernsehbeitrag, wie ein Fangtrupp Puten durch eine Halle zu einem Lkw treibt, von wo sie in eine Wiesenhof-Schlachterei gefahren werden sollen. Die Männer treten einigen Tieren dabei immer wieder in den Bauch, auf den Kopf oder gegen den Hals. Die Aufnahmen enthalten eine weitere Szene, in der ein Mann eines der Tiere am Hals greift und durch die Halle schleudert. Ebenso gehen die Männer beim Verladen der Tiere in den Lkw vor. Einige Puten überleben dies nicht und bleiben in der Halle zurück. Diese Art der Verladung sei „Tierquälerei im Akkord“, sagte am Donnerstag Edmund Haferbeck, Sprecher der Tierrechtsorganisation Peta.

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Die Organisation hat die Bilder aufgezeichnet und Strafanzeige wegen Tierquälerei auch gegen Verantwortliche bei Wiesenhof erstattet. Nach Auffassung von Peta sind solche Misshandlungen kein Einzelfall und würden vom Unternehmen sogar geduldet. „Dem muss sich das Unternehmen stellen“, sagte am Donnerstag der Peta-Aktivist Stefan Bröckling, der den Film in der Putenfarm gedreht hat. Dass Wiesenhof die Männer des Fangtrupps nicht weiter beschäftigen will, lässt Bröckling nicht gelten: „Ob es ein Subunternehmer ist, der die Pute in den Lkw prügelt oder ein fest angestellter Mitarbeiter“, spiele keine Rolle. Wiesenhof sei für die beauftragten Fremdfirmen verantwortlich, sagte Haferbeck.

Wiesenhof wies die gegen das Unternehmen erhobenen Vorwürfe am Donnerstag zurück. „Dieser Vorfall ist nicht typisch für Wiesenhof“, sagte Peter Wesjohann, der Vorstandsvorsitzende der PHW-Gruppe, zu der Wiesenhof gehört. Dies würden unangemeldete Kontrollen bei Landwirten beweisen, die für Wiesenhof mästeten. Der Landkreis Cloppenburg habe erst Ende August auch die Ausstaller des besagten Unternehmens kontrolliert und dabei keine Mängel festgestellt. Die Ausstaller würden von der Landwirtschaftskammer sowie intern geschult.

Grüne und Linke forderten härtere Kontrollen durch das Land und die Landkreise. Es sei nicht akzeptabel, dass die „grausigen Zustände“ in der Geflügelmast nicht entschiedener von den Behörden abgestellt würden, sagte der Grüne Christian Meyer. Die Linke Marianne König sagte, Agrarminister Gert Lindemann (CDU) sei politisch für die „ständigen Verstöße gegen das Tierschutzgesetz“ verantwortlich. Eine Sprecherin Lindemanns wies den Vorwurf mangelnder Kontrollen durch die Behörden zurück: „Es findet eine Vielzahl von Kontrollen statt“, sagte sie, „auch mit dem Schwerpunkt Tierschutz“.

Karl Doeleke

Dirk Stelzl 01.09.2011
31.08.2011
Carola Böse-Fischer 28.08.2011