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Niedersachsen Windpark vor Borkum gestoppt
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Windpark vor Borkum gestoppt
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21:33 21.10.2012
Foto: Vorreiter: Die Testanlage ,,Alpha Ventus“ steht bereits vor Borkum.
Vorreiter: Die Testanlage ,,Alpha Ventus“ steht bereits vor Borkum. Quelle: dpa
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Kopenhagen

Der Grund sei die Unsicherheit bei der späteren Anbindung ans Stromnetz. Aus dem gleichen Grund sind auch schon andere Projekte ins Stocken geraten: Dem Netzbetreiber Tennet fehlt das Geld für einen schnellen Ausbau der Leitungen. Gleichzeitig ist nicht endgültig geklärt, wer das Risiko trägt, falls für den fertigen Windpark die Netzanbindung fehlt.

Tennet habe kein Datum für den Anschluss des Parks ans Stromnetz genannt, erklärte eine Dong-Sprecherin. Deshalb könnten die Dänen den Netzbetreiber nicht zur Verantwortung ziehen, wenn die Anlagen nach Fertigstellung nicht angeschlossen würden. Dong werde nun stattdessen ein Projekt in Großbritannien vorziehen. Das Unternehmen strebe eine Einigung mit den Zulieferern für ,Riffgrund II‘ an, denen nun Aufträge entgehen. Nicht äußern wollte sie sich zu Informationen des „Spiegel“, wonach Dong die Bestellung von 97 Windrädern bei Siemens vorläufig storniert habe.

Der Baustopp ist auch ein Signal an die Politik, die Haftungsfragen schnell gesetzlich zu regeln. Für heute ist eine Anhörung zur entsprechenden Gesetzesnovelle im Bundestag angesetzt.

,Riffgrund II‘ wäre das zweite von insgesamt sechs Offshore-Vorhaben des Dong-Konzerns. In den Windpark mit einer veranschlagten Leistung von 340 Megawatt – etwa ein Drittel der Leistung eines Atomkraftwerks – wollte das Unternehmen 1,3 Milliarden Euro investieren. Für das Schwesterprojekt ,Riffgrund I‘ mit einer Investitionssumme von 1,2 Milliarden Euro und einer geplanten Leistung von 277 Megawatt haben die Vorbereitungen an Land bereits begonnen. Die Arbeiten auf See sollen nach Angaben der Sprecherin im Sommer 2013 starten. „Wir glauben weiterhin an den deutschen Offshore-Wind-Markt, deshalb bleibt Deutschland ein wesentlicher Teil unserer Strategie“, erklärte Dong-Manager Mertens.

Tennet wollte sich zu der Auseinandersetzung nicht äußern. Der niederländische Staatskonzern sieht die Politik in der Pflicht, für klare Rahmenbedingungen zu sorgen. „Es ist kein Geheimnis, dass Netzbetreiber und potenzielle Investoren auf eine Entscheidung der deutschen Regierung warten“, erklärte ein Sprecher. „Tennet sucht nach Ko-Investoren für diese Offshore-Aktivitäten, aber diese investieren nicht, bevor die Regierung den rechtlichen Rahmen geklärt hat.“ Tennet hatte von e.on das größte deutsche Stromnetz gekauft, steht wegen der enormen Herausforderungen durch die Energiewende aber schon seit einiger Zeit unter Druck.

Ein möglicher Investor, der die Niederländer mit den nötigen Milliarden für den Bau von Leitungen und Umspannstationen ausstatten könnte, meldete sich am Wochenende ebenfalls zu Wort. Das US-Unternehmen Anbaric sei bereit, mit mindestens 4 Milliarden Euro einzusteigen, zitierte das „Handelsblatt“ den Anbaric-Chef Edward Krapels. Man habe bereits potente Investoren hinter sich versammelt und Gespräche mit Tennet, der Bundesregierung und der EU-Kommission geführt.

Seine Pläne sehen vor, Anbaric mit 70 oder 80 Prozent an zunächst vier Projekten zur Netzanbindung zu beteiligen: „Wir wollen nicht das operative Geschäft übernehmen, aber wir wollen mit unserem Know-how den anderen Investoren Sicherheit geben.“ Anbaric plant und finanziert vor allem in den USA Übertragungsnetze. Vor wenigen Wochen wurde in München eine deutsche Niederlassung gegründet, um sich an der Erschließung der Offshore-Parks zu beteiligen.

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