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Niedersachsen „Hannover muss investieren“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen „Hannover muss investieren“
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00:19 19.11.2015
Lockere Fachgespräche: OB Stefan Schostok, Hannover-Preisträgerin Andrea Thronicke-Stwerka, IW-Chef Michael Hüther und Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Es musste zur Sprache kommen. Ein Oberbürgermeister kann nicht einfach eine Steuererhöhung für Unternehmen vorantreiben – und dann auf dem Wirtschaftsempfang seiner Stadt kein Wort dazu verlieren. Stefan Schostok hat diese Herausforderung am Montagabend im Hannover Congress Centrum vergleichsweise elegant gelöst, indem er den Investitionsbedarf in Deutschland und Hannover in den Mittelpunkt der Veranstaltung stellte – und die geplante Erhöhung des Gewerbesteuer-Hebesatzes um 20 auf 480 Punkte als Mittel im Kampf dagegen verkaufte.

„Natürlich kann ich von Ihnen keine Begeisterung erwarten“, rief der SPD-
Politiker den gut 600 Unternehmern und Managern in der Niedersachsenhalle entgegen. Aber Hannover sei „an einem Punkt angekommen, an dem wir investieren müssen, um Vorhandenes zu erhalten und die wachsende Stadt zu gestalten“. Der dafür nötige Finanzbedarf von 2 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren lasse sich nicht allein durch zusätzliche Schulden oder Einsparungen in anderen Bereichen finanzieren. Deshalb müsse man „auch auf der Ertragsseite sämtliche Potenziale nutzen“.

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Allein die Hälfte der Summe will Schostok in die Bildung investieren – für Krippen, Kitas, Ganztagsschulen, Sanierungen. Große Posten sind auch für den Straßen- und Wohnungsbau vorgesehen. Der OB will zudem die Logistik in der Stadt stärken, unter anderem mit emissionsfreien Fahrzeugen. Noch in diesem Jahr werde dazu „eine konkrete Vision“ entstehen, kündigte er an.

Im Hannover Congress Centrum hat die Landeshauptstadt Hannover zum Wirtschaftsempfang geladen. Zahlreiche Unternehmer aus Hannover und Region nahmen daran teil.

Nicht ganz zufällig bekam Schostok für die Pläne anschließend Unterstützung von Michael Hüther, Direktor des
arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Der Ökonom prangert schon länger den wachsenden Investitionsbedarf in Deutschland an. In der Vergangenheit habe es vor allem bei der IT-Infrastruktur, den Stromnetzen, Straßen und Brücken Versäumnisse gegeben, sagte Hüther. Es gebe dringenden Handlungsbedarf: „Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft steht auf dem Spiel.“
Die Investitionsschwäche betrifft allerdings längst nicht nur die öffentliche Hand. Industrieverbände sorgen sich schon länger um die Zurückhaltung der Unternehmen. Trotz der niedrigen Finanzierungskosten hätten sie ihre Zurück­haltung noch nicht überwunden, meinte auch Hüther.

Für einen Hingucker sorgten derweil Wilhelm Lindenberg und André Neiß von der Üstra. Die beiden kamen im Partnerlook – und zwar im Rock. Damit spielten sie auf eine Aktion des Unternehmens an, mit der ausdrücklich mehr Mitarbeiterinnen gewonnen werden sollen.  

Von Lars Ruzic  

Ausgezeichnete Firmenführung

Was muss eine Unternehmerin tun, um den „Stadt-Hannover-Preis“ zu bekommen, eine Auszeichnung, die im Namen den Zusatz trägt, „Frauen machen Standort“? Man kann weltweit unterwegs sein, wie Franziska Stünkel. Die Regisseurin erhielt den Preis im vergangenen Jahr für ihre Filme und auch dafür, den Ruf Hannovers als Medienstandort und überhaupt über seine Grenze hinaus zu tragen. Eine Unternehmerin kann sich aber auch auf dem lokalen Markt umtun wie Andrea Thronicke-Stwerka. Die Kosmetikerin hat am Montag den mit 10.000 Euro dotierten Hannover-Preis 2015 verliehen bekommen, unter 41 Kandidatinnen wurde sie ausgewählt.

Der Jury gefiel ihre „langjährige erfolgreiche Tätigkeit als Unternehmerin“ und „vorbildhafte und ebenso wirtschaftlich wie nachhaltige und bewusst familien- und frauenfreundliche Unternehmensführung“.

Die Preisträgerin eröffnete ihren ersten Salon 1985 in der hannoverschen Marienstraße, mittlerweile ist sie einige Hausnummern weiter gezogen, sie benötigte mehr Platz für die Kosmetikpraxis. „Dieser Preis belohnt mich für 30 Jahre Arbeit“, sagte die Unternehmerin am Montag. Die Auszeichnung solle auch jungen Frauen „Mut machen, das Risiko der Selbstständigkeit einzugehen“.

Andrea Thronicke-Stwerka arbeitet auch mit der Onkologie des St. Bernward-Krankenhaus in Hildesheim zusammen, wo sie und ihre Mitarbeiterinnen Schminkkurse für Krebspatienten geben. Das Preisgeld soll in Fortbildung der Angestellten investiert werden und dem Krebsnetzwerk sowie der Kinderkrebshilfe zu Gute kommen.

Hannovers Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette würdigte gestern die Leistung der Unternehmerin. „Sie beweist, dass sie die Grundprinzipien der Unternehmensführung beherrscht und stets Trends am Markt erkannt und erfolgreich in ein Unternehmenskonzept eingebunden hat.“ Die städtische Gleichstellungsbeauftragte Friederike Kämpfe lobte, dass die Preisträgerin „flexible Arbeitszeitmodelle für ihre Mitarbeiterinnen entwickelt und sich auf vielfältige Weise gesellschaftlich engagiert“.

Von Gunnar Menkens

Lars Ruzic 19.11.2015
Jens Heitmann 16.11.2015