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Niedersachsen Wissmann: "Wir werden mehr Aussteller haben"
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Wissmann: "Wir werden mehr Aussteller haben"
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21:47 11.03.2012
Von Stefan Winter
Foto: VDA-Präsident Matthias Wissmann spricht im Interview über die Zukunftsaussichten der IAA Nutzfahrzeuge.
VDA-Präsident Matthias Wissmann spricht im Interview über die Zukunftsaussichten der IAA Nutzfahrzeuge. Quelle: HAZ
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Hannover

"Motor der Zukunft" soll das Motto der nächsten IAA Nutzfahrzeuge im September in Hannover sein. Ist nicht gerade der Motor beim Lkw ziemlich ausgereizt?

Ganz im Gegenteil. Das Motto steht für die enorme Innovationskraft der Branche, für ihre Leistungskraft und die Effizienz des Nutzfahrzeugs. Unsere Ingenieure haben es in den vergangenen Jahrzehnten geschafft, den Kraftstoffverbrauch eines 40-Tonners um ein Drittel zu senken - und gleichzeitig die klassischen Schadstoffe fast auf null zu reduzieren. Und die "Motoren der Zukunft" - zum Beispiel neue Euro-6-Fahrzeuge - werden auf der IAA zu sehen sein. Diese moderne Technik muss nun möglichst schnell bei der Lkw-Maut berücksichtigt werden, damit diese Fahrzeuge auf die Straße kommen.

Da ist sich doch nicht einmal die Branche einig - den Transporteuren sind die Euro-6-Wagen zu teuer.

Es gibt durchaus erfreuliche Fortschritte. Wir haben zusammen mit der Transportbranche eine gemeinsame Konzeption erarbeitet und dem Bundesverkehrsministerium vorgelegt. Demnach setzt Euro-6 Anreize zur Flottenerneuerung, ohne Bestandsfahrzeuge zu verteuern. Wir schlagen vor, ab 2013 eine eigene Mautklasse für umweltschonende Euro6-Lkw einzuführen, die 4 Cent pro Kilometer günstiger ist als die nächste Mautklasse. Nach meinem Eindruck ist die Bundesregierung offen für diesen Kompromiss.

Euro-6 betrifft nur Schadstoffe wie Rußpartikel und Stickoxide. Für niedrigeren Verbrauch und weniger Kohlendioxid ist damit noch nichts getan. Techniker behaupten sogar, beide Ziele widersprächen sich.

An der Physik kommt niemand vorbei: Die Technologien, die klassische Schadstoffe reduzieren, führen andererseits zu höherem Spritverbrauch. Deswegen müssen wir uns doppelt anstrengen, der Aufwand ist hoch. Mit intelligenten Lösungen ist dennoch bis 2020 eine weitere CO2-Reduzierung um 15 bis 20 Prozent möglich. Vor allem die Aerodynamik bietet noch großes Potenzial. Allerdings sollten die Fahrzeuge etwas länger sein dürfen, um noch windschnittiger zu werden. Sonst gehen fließende Formen zulasten des notwendigen Transportraums.

Sehen Sie dafür angesichts der großen Vorbehalte gegen längere Lkw eine Chance?

Die Fakten sprechen für den Öko-Lkw. In der Diskussion spielen bisher eher Ressentiments eine Rolle statt sachliche Argumente. Es geht aber nicht um mehr Gewicht, sondern um etwas mehr Länge. Damit könnte man die Aerodynamik und den Verbrauch verbessern oder - wie beim Lang-Lkw - mit größerem Transportvolumen Fahrten sogar überflüssig machen. Überdies sind Lang-Lkw-Einheiten für den kombinierten Verkehr geeignet und passen auf Güterzüge. Um den wachsenden Verkehr zu bewältigen, werden alle Transportsysteme gebraucht - Straße und Schiene.

Mit dem gleichen Argument fordert Ihr Verband seit Jahren eine Liberalisierung des Fernbusverkehrs. Wann ist es so weit?

Immerhin hat das Bundeskabinett einen entsprechenden Gesetzentwurf verabschiedet, der jetzt allerdings noch im Bundesrat hängt. Ich hoffe, dass sich das schnell ändert. Denn wir wollen hier ein Segment für Reisende mit kleinem Geldbeutel erschließen. Zudem ist der Fernreisebus das umweltfreundlichste Verkehrsmittel - mit 30 Gramm CO2 je 100 Personenkilometer. Aber: Wenn wir nicht aufpassen, wird man bald mit dem Bus von Paris nach Berlin fahren können, jedoch immer noch nicht von Köln nach Hamburg.

Beim Pkw wird an völlig neuen Antriebskonzepten gearbeitet. Wird man Vergleichbares im September auch für Nutzfahrzeuge sehen?

Auch für die Nutzfahrzeuge werden zunehmend alternative Antriebe entwickelt. Elektroantrieb und Hybrid haben großes Potenzial im städtischen Verteilerverkehr und beim Bus. Auf der Langstrecke allerdings ist der moderne ,,Clean Diesel" weiterhin konkurrenzlos.

Zur Messe vor zwei Jahren begann gerade der Aufschwung, jetzt geht es wieder abwärts. Gilt das auch für die Ausstellerzahlen?

Keineswegs. Bei der IAA 2010 waren es 1751 Aussteller auf 235000 Quadratmetern, und dieses Jahr werden wir mehr haben - sowohl Aussteller als auch Fläche. Der Nutzfahrzeugmarkt in Westeuropa wird zwar schwieriger. Aber weltweit dürfte die Nachfrage auch in diesem Jahr wachsen: Wir rechnen in der schweren Klasse über sechs Tonnen mit einem Plus von 6 Prozent auf 3,3 Millionen Fahrzeuge. Der US-Markt legt voraussichtlich um 17 Prozent zu, Russland und Japan sogar um jeweils ein Viertel. Auch in China geht es voran. Und: Der Transportermarkt in Westeuropa bleibt stabil.

Welche Chancen hat unter diesen Bedingungen ein europäischer Messeplatz wie Hannover? Hannovers Vertrag für die IAA Nutzfahrzeuge endet im Herbst.

Die IAA Nutzfahrzeuge hat sich durchgesetzt als die weltweit führende Messe dieser Branche. Wir sind jetzt seit 20 Jahren mit der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover - und sowohl der VDA als auch die Aussteller und Besucher haben sich hier immer wohlgefühlt. Derzeit führen wir intensive Gespräche über die künftigen Veranstaltungen mit der Deutschen Messe AG.

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