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Niedersachsen Zwist um Betriebsrat bei der Messe AG
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Zwist um Betriebsrat bei der Messe AG
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07:48 22.05.2015
Von Jens Heitmann
Verhärtete Fronten: Bei der Deutschen Messe AG gelten Skurrilitäten inzwischen als normal. Quelle: christian werner/dpa
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Hannover

Dass Vorstand und Betriebsrat nicht immer einer Meinung sind, gehört zum Rollenverständnis beider Seiten. Dass die Parteien kaum noch mit­einander reden und sich stattdessen vor dem Arbeitsgericht befehden, kommt schon seltener vor. Dass Arbeitnehmervertreter großer Gewerkschaften es nicht gern sehen, wenn eine konkurrierende Liste unabhängiger Kandidaten bei Betriebsratswahlen erfolgreich ist, versteht vermutlich sogar die Gegenseite. Dass der stellvertretende Chef des Betriebsrates zurücktritt, weil er sich von dessen Vorsitzenden gemobbt fühlt, fänden wohl alle Beteiligten etwas schräg - solange es nicht bei der Deutschen Messe AG passiert: Denn dort gelten solche Skurrilitäten inzwischen als normal.

Wer behaupte, bei der Messegesellschaft seien die Fronten verhärtet, müsse sich der Untertreibung bezichtigen lassen, witzelt ein Beteiligter. In dem langjährigen Zwist haben es sich alle Parteien in ihren jeweiligen Gräben behaglich eingerichtet, Parlamentäre oder sonstige Kompromisssucher lebten gefährlich, heißt es. Das jüngste Opfer ist Betriebsratsvize Michael Wille, der jetzt mit Aplomb die Brocken hingeworfen hat. Er sei nicht länger bereit, sich „einem derart respektlosen und unangemessen Umgang auf Führungsebene des Betriebsrates auszusetzen“, schreibt er in seiner Abschiedsmail an alle Kollegen. Sitzungen kämen zuweilen einem „Tribunal“ gleich.

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Die Vorwürfe zielen in erster Linie auf den langjährigen Betriebsratschef Karsten Scheibe. An dem Gewerkschafter scheiden sich im Unternehmen die Geister: Während Vorstand, mittleres Management und die Mitarbeiter der Verwaltung mehrheitlich nur noch die Augen verdrehen, stärken ihm die Beschäftigten aus der Technik den Rücken - gern auch unter Verweis auf seine guten Ergebnisse bei den Betriebsratswahlen. Das ist auch jetzt wieder so: „Die IG-Metall-Fraktion“ stehe geschlossen hinter Scheibe, heißt es in einer Rundmail an die Belegschaft. Das Unternehmen selbst will sich nicht zu den Vorgängen äußern: „Interna kommentieren wir nicht“, sagte ein Messe-Sprecher.

Hinter den Kulissen werden jedoch auch andere Stimmen laut. In den vergangenen fünf Jahren sollen bei der Messe mehr als 350 000 Euro Rechtskosten für die Verhandlungen beim Arbeitsgericht aufgelaufen sein; bei 35 Verfahren standen sich Unternehmen und Betriebsrat gegenüber, 22-mal mussten Richter bei internen Streitigkeiten zwischen den beiden Fraktionen der Arbeitnehmervertreter schlichtend eingreifen. „Dieses Jahr läuft der Beschäftigungssicherungsvertrag bei der Deutschen Messe aus“, sagte ein Beteiligter gestern. „Eigentlich sollten wir jetzt andere Sorgen haben.“

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