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Niedersachsen e.on Avacon laufen die Kunden davon
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen e.on Avacon laufen die Kunden davon
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21:33 11.12.2011
Von Jens Heitmann
Foto: Wegen zahlreicher Pannen bei Abrechnungen, Beschwerden und der Bearbeitung von Verträgen verliert der Energieversorger e.on Avacon immer mehr Kunden.
Wegen zahlreicher Pannen bei Abrechnungen, Beschwerden und der Bearbeitung von Verträgen verliert der Energieversorger e.on Avacon immer mehr Kunden. Quelle: dpa
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Hannover

Beim Gas hätten sich in den vergangenen 24 Monaten 35.000 Kunden einen neuen Lieferanten gesucht, hieß es in der Helmstedter Zentrale: „Der Trend geht klar nach oben.“ Das Unternehmen wollte dazu offiziell keine Stellung nehmen. Man können die Zahlen „weder bestätigen noch dementieren“, sagte eine Sprecherin.

Die e.on-Tochter hatte im April 2010 ein neues Abrechnungssystem einführen müssen, weil der Gesetzgeber nach der Trennung von Leitungsnetz und Vertrieb auch eine entsprechende Trennung der Kundendaten verlangte. Zugleich habe man mit dem neuen System auch die Prozesse im Kundenservice langfristig verbessern und vereinfachen wollen, hat eine Sprecherin zu einem früheren Zeitpunkt erklärt. Grundsätzlich sei man mit der Funktionsfähigkeit des Systems seit der Einführung auch zufrieden. Nur bei etwa einem Prozent der Kunden habe es in der Folge Komplikationen gegeben.

Die Probleme aber reißen nicht ab: Mal ergeht ein fehlerhafter Mahnbescheid über 119.898 Euro. Dann behelligt das Unternehmen über Monate zwei Namensvetter mit falschen Abrechnungen. Eine Rentnerin erhält 128 Briefe mit identischem Inhalt. Jeder neue Zeitungsbericht über Pannen bei e.on Avacon löst Anrufe von Lesern aus, die sich ebenfalls über unnötige Serienbriefe, überhöhte Abrechnungen, falsch zugeordnete Zähler oder eine überlastete Firmen-Hotline beklagen.

Vor der Öffnung der Energiemärkte hatte e.on Avacon etwa eine Million Stromkunden und 300.000 Gasabnehmer. Heute liege der Marktanteil im östlichen Niedersachsen und in Sachsen-Anhalt bei nur noch 80 Prozent, verlautete aus dem Unternehmen. Zum Vergleich: Bei den Stadtwerken Hannover beträgt der Marktanteil etwa 90 Prozent.

Inzwischen schlagen die Kundenverluste bei e.on Avacon auch auf die Bilanz durch. Bei einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro rechne man in diesem Jahr noch mit einem Überschuss von an die 170 Millionen Euro, hieß es in Helmstedt. Im Vorjahr waren es dem Vernehmen nach noch 200 Millionen Euro. „Der Vertrieb schreibt rote Zahlen“, sagte ein Manager. Viele Beschäftigte fürchteten um ihre Arbeitsplätze: „Die Frage ist nicht mehr, ob bei uns was passiert, sondern nur noch was?“ Der Mutterkonzern e.on will in Deutschland insgesamt 6500 Stellen in der Verwaltung streichen.

Nur an den mit knapp 32 Prozent an e.on Avacon beteiligten rund 80 Kommunen geht die Krise noch vorbei. Sie bekämen ihre garantierte Mindestdividende von knapp 100 Millionen Euro im Jahr, heißt es. Verluste im Vertrieb müsse der e.on-Konzern aus anderer Quelle ausgleichen. Die entsprechenden Verträge sollen Ende nächsten Jahres auslaufen. Es gebe aber Optionen auf eine Verlängerung.