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Niedersachsen ver.di: „Telekom plant Abbau durch die Hintertür“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen ver.di: „Telekom plant Abbau durch die Hintertür“
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08:46 15.10.2010
Von Helmuth Klausing
In München protestieren Mitarbeiter gegen die Pläne der Telekom.
Protest: In München protestieren Mitarbeiter. Quelle: dpa
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Die Gewerkschaft ver.di und Betriebsräte bezeichnen das neue Standortkonzept der Deutschen Telekom als „Kahlschlag“, der zulasten vieler Kommunen gehe. Die Zentralisierung sei „unsozial, familien-, frauen- und umweltfeindlich“, teilte ver.di am Donnerstag in Hannover mit. Bundesweit seien mehrere Tausend Mitarbeiter des IT-Bereichs und der Geschäftskundenbetreuung gezwungen, umzuziehen oder deutlich längere Fahrzeiten zur Arbeit in Kauf zunehmen.

Die Telekom will bis Ende 2012 die Mitarbeiter von jetzt 113 Standorten im Geschäftskundenvertrieb auf nur noch neun zusammenzulegen, im IT-Bereich sollen von jetzt 96 Standorten noch fünf übrig bleiben. In Niedersachsen und Bremen seien davon 580 Mitarbeiter betroffen, sagte ver.di-Bereichsleiter Jürgen Gorgs. Viele würden den Umzug nicht mitmachen können. Aus Gorgs’ Sicht geht es dem Unternehmen gar nicht darum, allen Mitarbeitern an den neuen Standorten einen sicheren Arbeitsplatz anzubieten.

„Das ist ein Stellenabbau durch die Hintertür“, sagte er. „Das ist die wahre Absicht der Telekom.“ Vor zwei Jahren habe dies bei der Zusammenlegung der Callcenter bereits funktioniert. Beispielsweise seien von den 130 Beschäftigten im Callcenter Uelzen nur 20, wie vom Konzern angeboten, mit ihrem Arbeitsplatz nach Hannover umgezogen.

Von den Schließungsplänen der Telekom seien in Niedersachsen neben Hannover, wo der IT-Bereich mit 84 Beschäftigten aufgegeben werden soll, auch Göttingen, Braunschweig, Osnabrück und Oldenburg betroffen. Die hannoverschen Beschäftigten sollen nach den Plänen der Telekom einen neuen Arbeitsplatz in Münster erhalten. Das gelte aber beispielsweise auch für IT-Mitarbeiter aus Flensburg, sagte Gorgs. Diese hätten dann allein für eine Strecke 430 Kilometer zur Arbeit zurückzulegen. Wie sich die Telekom das vorstelle, sei ihm schleierhaft. „Mit Mitarbeitern, die man behalten will, geht man so nicht um.“

In Hannover sollen zwar mehr als 350 neue Arbeitsplätze im Geschäftskundenvertrieb entstehen, diese sind bis jetzt aber noch in Braunschweig, Göttingen oder Osnabrück angesiedelt. Schon kämen Anfragen verunsicherter Kunden aus dem Mittelstand, die fürchten, künftig bei Problemen keinen Ansprechpartner mehr in der Nähe zu haben, berichten Betriebsräte. Auch sei bei vielen Beschäftigten die Bereitschaft gesunken, Überstunden zu leisten. Gorgs Fazit ist deutlich: „Das Standortkonzept ist skandalös, völlig unausgewogen und betriebswirtschaftlich überhaupt nicht nachvollziehbar.“

Mit Briefen an Bundestagsabgeordnete und Bürgermeister will ver.di nun den Druck auf die Telekom erhöhen. Erste Erfolge liegen vor. So schrieb etwa der Oberbürgermeister der bayerischen Stadt Landshut, Hans Rampf, bereits an Telekom-Chef René Obermann: „Auch aus landesentwicklungspolitischer Sicht ist der Abzug von wohnortnahen Arbeitsplätzen in der heutigen Zeit der Telekommunikationsmöglichkeiten nicht nachzuvollziehen.“ In Hannover wurde das Telekom-Konzept von der Stadtverwaltung bisher begrüßt, da es zusätzliche Arbeitsplätze für die Landeshauptstadt bringt.