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Proteste am Prime Day: Amazon in der Kritik

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21:41 15.07.2019
Greenpeace-Aktivisten protestieren dagegen, dass viele zurückgeschickte Waren „in der Tonne“ landen. Quelle: Foto: Georg Wendt/dpa
Frankfurt/Winsen

Der sogenannte Prime Day des Onlinehändlers Amazon weckt Protest: Die Gewerkschaft Verdi hat erneut zu Streiks in Versandzentren des Unternehmens in Deutschland aufgerufen, und Greenpeace protestiert gegen die Vernichtung zurückgesandter Waren. Der Prime Day ist eine zweitägige Marketingaktion, die am Montag um 00.01 Uhr begonnen hat. Ausgewählte Produkte werden zu besonders günstigen Preisen verkauft.

Streik an sieben deutschen Standorten

Verdi rief unter dem Motto „Kein Rabatt auf unsere Einkommen“ zu einem zweitägigen Streik an sieben von zwölf hiesigen Amazon-Standorten auf. Beschäftigte in Werne, Rheinberg, Leipzig, Graben, Koblenz und zwei Warenlagern in Bad Hersfeld legten die Arbeit nieder. Amazon lasse sich die Preisnachlässe durch Tarifflucht und Niedriglöhne bezahlen, sagte Verdi-Handelsexperte Orhan Akman. Der Konzern erklärte, dass die Bestellungen der Kunden trotz des Streiks „rechtzeitig und wie an jedem anderen Tag“ bearbeitet würden.

Die Gewerkschaft kämpft seit sechs Jahren darum, dass die Beschäftigten nach dem Tarifvertrag für den Versand- und Einzelhandel entlohnt werden. Stattdessen orientieren sich die Löhne an der Logistikbranche, was deutlich weniger ist.

Mitarbeiter in den USA fordern sichere Jobs

Auch international wird um die Arbeitsbedingungen gekämpft. So wurde der Mindestlohn für die Beschäftigten in den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr auf 15 Dollar (13,30 Euro) je Stunde angehoben. Auch an einem Lagerstandort in Minnesota wurde am Montag mehrere Stunden gestreikt. Beschäftigte der Konzernzentrale beteiligten sich ebenfalls an einem Ausstand. Den amerikanischen Mitarbeitern geht es nach Angaben der Finanznachrichtenagentur Bloomberg vor allem um sichere Jobs – in den USA sind Entlassungen viel einfacher möglich als hierzulande.

Ein Amazon-Sprecher wies die Kritik von Verdi zurück. Die Löhne des Unternehmens lägen am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten Standard sei. Neu eingestellte Beschäftigte erhielten in Leipzig mindestens 10,78 Euro je Stunde. Nach zwei Jahren verdienten sie im Schnitt inklusive Boni und Sonderzahlungen monatlich 2275 Euro brutto.

Greenpeace-Aktion in Winsen (Luhe)

Unterdessen protestierten in Winsen (Luhe) auch am Montag Greenpeace-Aktivisten. Sie waren bereits am Sonntagabend auf das Gebäude des Onlinehändlers geklettert, um gegen die Vernichtung neuwertiger Waren bei Amazon zu protestieren. Nach Darstellung von Greenpeace gehen rund 30 Prozent aller Amazon-Retouren nicht wieder in den direkten Verkauf.

Der Konzern hatte im Juni erklärt, die überwiegende Mehrheit der zurückgegebenen Produkte komme erneut in den Verkauf, gehe an Lieferanten zurück oder werde je nach Zustand an gemeinnützige Organisationen gespendet. „Unser Ziel ist es, Ware zu verkaufen, nicht sie zu entsorgen“, sagte ein Amazon-Sprecher am Montag. „Nichtsdestotrotz können wir aus hygienischen oder Sicherheitsgründen nicht alle Produkte weiterverkaufen oder spenden.“

Amazon hatte bereits mitgeteilt, dass man rechtliche Schritte gegen die Organisatoren der Protestaktion in Winsen prüfe. Diese Art von Protest sei illegal und gefährde unnötig alle Beteiligten und Mitarbeiter.

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Von Frank-Thomas Wenzel und Christian Ebner

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