Studie aus Hannover: Fabriken kommen gut durch Corona-Krise
Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wirtschaft Studie: Fabriken kommen gut durch Corona-Krise
Nachrichten Wirtschaft

Studie aus Hannover: Fabriken kommen gut durch Corona-Krise

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:30 16.09.2020
Viele Betriebe sind zuversichtlich, dass es nach der Corona-Krise schnell wieder aufwärts geht. Quelle: Felix Kästle/dpa
Anzeige
Hannover

Öffentlich dominieren derzeit die Klagen über die Auswirkungen der coronabedingten Einschränkungen auf Wirtschaft und Privatleben. Eine Untersuchung zu den Folgen des Shutdowns für Produktionsbetriebe aber ergibt jetzt ein differenziertes Bild: Demnach beschreiben viele Unternehmen die Krise eher als einen „kurzen Schrecken mit schnellem Ende“.

„Aktuelles Stimmungsbild der Wirtschaft“

Organisiert hat die Befragung die Grean GmbH – eine kleine Firma aus Garbsen, die vor zehn Jahren aus dem Produktionstechnischen Institut der Leibniz-Universität ausgegründet wurde. Es gehe vor allem um ein aktuelles Stimmungsbild der Wirtschaft, sagte Geschäftsführer Tobias Heinen – und schränkte ein: „Die Studie ist nicht repräsentativ.“ Welche Auswirkungen die Krise etwa auf die Automobilwirtschaft hat, an der Hunderttausende Arbeitsplätze in Deutschland hängen, lässt sich derzeit nicht abschätzen.

Anzeige
„Ich gehe davon aus, das die Zeit nach Corona nicht mehr so sein wir, wie vor der Krise“: Tobias Heinen ist Geschäftsführer von Grean in Garbsen. Quelle: Grean

Von den 84 befragten Unternehmen, die zwischen 250 und 1000 Mitarbeiter beschäftigen, bezeichneten 50 Prozent ihre Auslastung als „mittel“ und 39 Prozent als „hoch“. Für 89 Prozent also stellen sich Nachfrage und Produktion nach Monaten der Krise relativ normal dar. Mehr als 50 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie ihre Kapazitäten durch Kurzarbeit beschränkten. Etliche Firmen berichteten jedoch, sie hätten noch Auftragsbestände aus der Zeit vor der Corona-Krise abzuarbeiten. Mehr als 85 Prozent erwarten eine steigende Auslastung.

Lagerhaltung wird wichtiger

Interessant sind die Angaben zu den Lagerbeständen. Zu Beginn der Pandemie waren Lieferketten abgerissen, teilweise war auch deshalb die Produktion gefährdet. Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen erklärte, dass man im Lager wieder ein „mittleres Bestandsniveau“ erreicht habe. Jeweils etwa ein Viertel hat niedrigere oder höhere Lagerbestände als vor der Krise. 25 Prozent der Unternehmen hätten „Hamsterkäufe“ getätigt, um nicht erneut in Engpässe zu geraten, hieß es.

Grean-Geschäftsführer Heinen sieht in solchen Antworten einen Paradigmenwechsel bei den Unternehmen. Hohe Lagerbestände wurden bisher meist assoziiert mit als unnötig hoch empfundenen Kosten. Daraus resultierte die Just-in-time-Produktion in vielen Branchen. Inzwischen aber halte man solche Kosten aber wieder verstärkt für notwendig, um durch Krisen zu kommen.

Firmen wollen Effizienz erhöhen

Etliche Firmen versuchen auch, strategisch zu reagieren. Nach Ansicht der Grean-Manager sind es allerdings zu wenige. Dies verwundert nicht: Grean ist auf strategische Beratung von Produktionsfirmen ausgerichtet. Der Befragung zufolge will fast jede dritte Firma die Digitalisierung vorantreiben. Gut ein Viertel möchte durch Einsparungen die Effizienz erhöhen. Nur jedes fünfte Unternehmen wolle jedoch sein Geschäftsmodell grundlegend infrage stellen, hieß es. Nur gut jedes zehnte wolle Klimaschutzmaßnahmen stärker fokussieren. Ebenso viele möchten die Resilienz ihrer Unternehmen stärken – die Firmen also widerstandsfähiger für Krisen machen.

Von Conrad von Meding