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Teile von Windkraftanlagenbauer Senvion verkauft: 900 Jobs in Deutschland weg

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19:06 21.10.2019
Teile von Senvion sind an Siemens Gamesa verkauft worden. Das sichert immerhin 500 Arbeitsplätze in Deutschland. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Hamburg/Zamudio

Nach einer monatelangen zermürbenden Hängepartie gibt es eine Lösung für den größten Teil des insolventen Windanlagenbauers Senvion: Der Verkauf von Teilen des Unternehmens an den deutsch-spanischen Konkurrenten Siemens Gamesa ist perfekt. Durch den Verkauf würden rund 2000 Arbeitsplätze gesichert, was 60 Prozent der Stellen bedeute, erklärte Senvion. In Deutschland fallen allerdings fast 900 der noch verbliebenen rund 1400 Arbeitsplätze weg.

Perspektive für 500 Beschäftigte in Deutschland

Der Vertrag beinhaltet die Übernahme wesentlicher Teile des europäischen Dienstleistungsgeschäfts für Windanlagen an Land sowie die Rotorblattfertigung und wurde im portugiesischen Vagos unterzeichnet, wie die beiden Unternehmen am Montag mitteilten. Die IG Metall Küste begrüßte den Abschluss der Verhandlungen, der eigentlich bereits vor mehr als drei Wochen erwartet worden war. „Mit der Übernahme des Servicegeschäfts durch Siemens Gamesa zeichnet sich immerhin für etwa 500 Beschäftigte in Deutschland eine langfristige Perspektive ab“, sagte Bezirksleiter Meinhard Geiken. Die tariflichen Arbeitsbedingungen blieben erhalten. „Trotzdem ist es schmerzhaft zu sehen, wie mit Senvion ein Pionier der Windkraftbranche mit eigener Produktion und Konstruktion in Deutschland vom Markt verschwindet und Hunderte Beschäftigte ihre Arbeitsplätze verlieren.“

Schwere Zeiten für die Branche

Das Geschäft ist derzeit für die gesamte Windkraftbranche schwierig. In Deutschland sind im ersten Halbjahr 2019 kaum neue Anlagen an Land gebaut worden. Weltweit ist der Konkurrenzkampf hart und für kleinere Hersteller ohne Großkonzern im Hintergrund schwer zu gewinnen.

Bereits zum 1. Oktober waren 270 Senvion-Mitarbeiter in Transfergesellschaften gewechselt. Die IG Metall erwartet, dass diese Lösung auch für etwa 600 weitere Beschäftigte ermöglicht wird, die in den nächsten Monaten von Kündigung bedroht sind. Das steht noch unter Finanzierungsvorbehalt. Sie werden mit Mitteln der Arbeitsagentur und des Unternehmens für neue Aufgaben in anderen Betrieben qualifiziert. Mit den Landesregierungen in Bremen, Hamburg und Kiel laufen Gespräche über mögliche weitere Mittel, damit die Transfergesellschaften länger als vier Monate arbeiten können.

Eine grundsätzliche Vereinbarung war bereits Mitte September getroffen worden, der Gläubigerausschuss von Senvion stimmte vor einigen Tagen zu. Für einige Geschäftsbereiche, etwa für die Aktivitäten in Indien und das außereuropäische Servicegeschäft, laufen weitere Verhandlungen mit potenziellen Investoren.

Siemens Gamesa zahlt 200 Millionen Euro

Den Kaufpreis bezifferte Siemens Gamesa auf 200 Millionen Euro. Durch die Übernahme einer Serviceflotte mit 8,9 Gigawatt erhöhe sich die von Siemens Gamesa gewartete Turbinenleistung an Land auf insgesamt nahezu 69 Gigawatt, teilte die Siemens-Tochter mit. Das Unternehmen will die Transaktion in der ersten Hälfte des neuen Geschäftsjahres 2019/20 abschließen, die bis Ende März 2020 läuft.

Von Eckart Gienke