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CeBIT 2010 Fraunhofer zeigt auf CeBIT intelligente Wohnumgebung
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19:27 05.03.2010
Von Sascha Aust
Das Fraunhofer IGD zeigt auf der CeBIT in Hannover Anwendungen, die sich ganz einfach über intuitive Gesten oder Sprachsteuerung bedienen lassen.
Das Fraunhofer IGD zeigt auf der CeBIT in Hannover Anwendungen, die sich ganz einfach über intuitive Gesten oder Sprachsteuerung bedienen lassen. Quelle: Fraunhofer IGD
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Gestresste, beruflich arg eingespannte Enkel kennen das: Eigentlich wollte man Oma schon lange mal wieder einen Besuch abstatten, doch dann kommen unerwartete Überstunden, ein ganzer Berg an Terminen und Abende, an denen die eigene Energie nur noch für den Besuch des heimischen Sofas ausreicht. Mal schnell ein paar Zeilen per E-Mail als kurzes Lebenszeichen an die Oma zu schreiben, ist nicht ganz so einfach – denn auch, wenn sich immer mehr Senioren für Computer und Internet interessieren, sind Online-Omas noch immer reichlich rar.

Das liegt nicht zuletzt an der Technik, denn die ist oftmals für ältere Menschen oder Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen immer noch zu kompliziert zu bedienen. Ein Problem, dem sich das Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) angenommen hat. Für das Projekt Ambient Assisted Living (zu deutsch etwa: altersgerecht unterstütztes Leben) haben Sie unter anderem Anwendungen entwickelt, die sich ganz einfach über intuitive Gesten oder Sprachsteuerung bedienen lassen. Ihr Ziel: Moderne Technik so einzusetzen, dass sie es älteren Menschen künftig ermöglicht, auch dann noch in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben, wenn sie heutzutage eigentlich bereits in ein Wohnheim umziehen müssten.

Das Konzept umfasst schon länger bekannte Projekte wie die intelligente Wohnumgebung, die zum Beispiel den Tagesablauf von Senioren steuert beziehungsweise beaufsichtigt. Das System kontrolliert zum Beispiel, ob der Bewohner nach dem Kochen auch den Herd ausgeschaltet hat. Ist das vergessen worden, erkundigt sich der Computer, ob der Bewohner den Herd noch nutzen möchte. Wenn keine Reaktion erfolgt, schaltet der Rechner das Gerät selbsttätig aus. Reagiert der Bewohner fortgesetzt nicht auf Anfragen des Computers, setzt der sich wahlweise mit Angehörigen in Verbindung oder informiert Pflegekräfte darüber, dass jemand nachschauen sollte, ob mit dem Menschen alles in Ordnung ist.

Diese Techniken vereinfachen zwar das selbstständige Leben trotz altersbedingter Beeinträchtigungen, um die soziale Komponente kümmerte sich die intelligente Wohnumgebung bislang jedoch nicht. Das IDG stellt auf der CeBIT nun allerdings im Bereich seiner Wellnesstechnologien ein interessantes Konzept vor, das zum einen den zwischenmenschlichen Austausch unter den Generationen vereinfacht und den Angehörigen überdies die Möglichkeit bietet, den Gemüts- und Gesundheitszustand eines Senioren auch dann im Auge zu behalten, wenn für einen Besuch gerade keine Zeit ist.

Das IGD setzt dabei zum Teil recht simple Hardware aber eine ausgefuchste Software ein. So ist es zum Beispiel unter Einsatz eines handelsüblichen Handys möglich, dass Angehörige ganz genau wissen, was denn ihre Oma gerade so macht. Über den Bewegungssensor des Handys erkennt die Software, ob die Person gerade steht, sitzt, läuft oder hüpft. Überdies können auch Bewegungsprofile erstellt werden, anhand derer man etwa erkennen kann, ob die betreffende Person innerhalb oder außerhalb ihres Hauses unterwegs ist. Die Übertragung dieser Daten lässt sich aber natürlich auch deaktivieren, wenn sie nicht erwünscht ist.

Es können aber auch noch deutlich mehr Daten an die Angehörigen übermittelt werden. Mithilfe spezieller Sensoren ist es etwa möglich, den Gemütszustand einer Person abzuschätzen, also ob eine Person glücklich und zufrieden, ärgerlich oder gar traurig ist. Die Anzeige dieser Daten erfolgt – auch für die Senioren selbst – übersichtlich und einfach auf einem Flachbildfernseher.

Damit aber nicht den ganzen Tag der Fernseher laufen muss, um mit der Außenwelt in Kontakt zu bleiben, bedienen sich die Forscher zusätzlich eines digitalen Bilderrahmens, der mit einer Mobilfunk-Empfangsstation ausgerüstet ist. Dieser Bilderrahmen zeigt unter anderem an, wie das Wetter gerade ist oder ob an diesem Tag ein bestimmter Termin ansteht. Überdies kann der Bilderrahmen aber auch Fotos und Nachrichten anzeigen. So kann der Enkel seine Oma zum Beispiel an seinem Ostsee-Urlaub teilhaben lassen, indem er einfach ein Handyfoto macht oder ein paar Zeilen an seine Oma schickt. Das geht recht schnell und eigentlich in fast jeder Situation – und die Oma bekommt ein bisschen mehr aus dem Leben ihres Enkels mit.

Das Projekt wurde bereits mit älteren Menschen getestet und von diesen positiv aufgenommen. „Sie haben sich sehr gefreut, wenn den Tag über immer wieder neue Fotos eingetroffen sind“, berichtet Gerald Bieber vom IGD Rostock.

Bleibt nur zu hoffen, dass die virtuellen Grüße nicht zum kompletten Besuch-Ersatz avancieren – sonst hätten die Gefühlssensoren des Systems sicher oft traurig gestimmte Senioren zu vermelden.

Das Ambient-Assisted-Living-Projekt ist auf der CeBIT in Halle 9, Stand B36 zu sehen.