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CeBIT 2011 IT-Branche braucht mehr Fachkräfte
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23:02 04.03.2011
Jobangebote gibt es reichlich: Beim „Job & Career Market“ in Halle 6, Stand E 34, können junge Messebesucher ihren Wunschberuf finden.
Jobangebote gibt es reichlich: Beim „Job & Career Market“ in Halle 6, Stand E 34, können junge Messebesucher ihren Wunschberuf finden. Quelle: Rainer Surrey
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Nur 15 Prozent aller IT-Fachkräfte sind weiblich, von den Auszubildenden sind es nur 9 Prozent, die Quote in den Chefetagen liegt noch darunter. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Kienbaum liegt der Frauenanteil im IT-Management bei nur 6 Prozent.

Eine der wenigen Frauen, die es in die Chefetage eines IT-Unternehmens geschafft hat, ist IBM-Vertriebschefin Martina Koederitz: „Die verschiedenen Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen, habe ich einfach genutzt“, erläutert die Managerin. Koederitz studierte Betriebswirtschaft und begann 1987 als Systemberaterin bei IBM.

Nach verschiedenen Aufgaben im Vertrieb und in der Finanzabteilung ging sie für das Unternehmen nach Paris und in die USA. „Ich musste viele Stationen und herausfordernde Wechsel absolvieren“, sagt die Stuttgarterin. Ab 2009 leitete Koederitz das Mittelstandsgeschäft bei IBM, im Oktober 2010 wechselte sie in die Leitung des Vertriebs.

„Die IT-Branche bietet gerade Frauen vielfältige Chancen, es geht ja hauptsächlich um Kommunikation und Interaktion mit Menschen“, sagt Koederitz. Gut ausgebildete Frauen seien in informationstechnologischen Bereichen genauso kompetent wie Männer, allerdings werde das nicht so wahrgenommen. „Informationstechnologie bedeutet heutzutage nicht mehr nur das Löten und Schrauben an Rechnern, sondern das Gestalten und Bauen von Lösungen.“ Bei IBM Deutschland liege der Frauenanteil bei 25 Prozent, in der Führungsetage bei 14 Prozent, so die Vertriebschefin.

Ziel des IT-Konzerns sei es, mehr weibliche Talente zu fördern – auch in der Führungslaufbahn. Von einer gesetzlich geregelten Frauenquote hält Koederitz allerdings nichts: „Ich glaube nicht daran, dass man den Unternehmen eine Frauenquote vorschreiben sollte. Die Qualifikation muss ausschlaggebend sein“, sagt sie. Wichtiger sei es, mehr jungen Frauen ein für die IT-Branche relevantes Studium – also Informatik, Ingenieur- oder Naturwissenschaften – schmackhaft zu machen.

Bisher gelten diese Fächer bei Mädchen als unattraktiv: Ihr Anteil unter den Erstsemestern in der Informatik liegt bei knapp 15 Prozent. „Der Stoff ist interessant, aber das soziale Umfeld kann problematisch sein“, sagt Kerstin Wurdinger vom Institut für Informatik der Universität Leipzig. Frauen müssten sich in einem männerdominierten Studium besonders durchboxen, hat die Informatikerin festgestellt. Um das Fach für Studentinnen attraktiver zu machen, müssten Mädchen schon im Schulalter an Computer- und Internettechnologie herangeführt werden, um beim Erfahrungswissen der Jungen mithalten zu können.

Auch Elisabeth Höflich, IT-Chefin bei Continental, hält die geringe Zahl der Absolventinnen von natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächern für das größte Problem: „Es gibt sonst keinen Grund dafür, warum so wenig Frauen in der IT-Branche arbeiten“, sagt die gebürtige Schwedin. „Weiblichen Fachkräften bietet sie ein breites Arbeitsfeld, von sehr technisch bis prozessorientiert.“

Höflich arbeitet seit 1986 für den hannoverschen Zulieferkonzern, inzwischen ist sie auch für IT-Strategie verantwortlich. „In den IT-Berufen wird soziale Kompetenz immer wichtiger, da können Frauen punkten“, sagt sie. Nach Meinung Höflichs werde eine vorgeschriebene Frauenquote sicher notwendig sein, um mehr weibliche Fachkräfte zu gewinnen. „Ich hoffe natürlich, dass Frauen selbst erkennen, wie spannend und chancenreich die IT-Branche für sie ist.“

Sophie Hilgenstock